Arbeit ist längst nicht mehr an einen festen Platz im Büro gebunden. Arbeiten geht überall, ob alleine oder gemeinsam. Co-Working ist ein Konzept, das wir schon seit Jahren in Großstädten wie Hamburg, Berlin oder München beobachten. Cafés, Großraumbüros und Fabrikhallen werden zu offenen Arbeitsräumen umfunktioniert, in denen der digitale Nomade auf den Freiberufler oder die StartUp-Gründerin trifft. An langen Holzbänken wird, mit Laptop, Tablet und Headset bewaffnet, an beruflichen oder privaten Ideen und Projekten gearbeitet, genetzwerkt und literweise Kaffee getrunken.

Was ist aber, wenn das schicke Backsteingebäude in Kreuzberg gegen ein altes Herrenhaus in Brandenburg und Industrial-Möbel gegen Hängematte getauscht werden? Dann wird aus Co-Working Workation – ein Cocktail aus Work und Vacation. Und genau das ist das Konzept von COCONAT im kleinen Örtchen Klein Gien in Brandenburg.

Foto: Tilman Vogler/ https://www.tilmanvogler.com/

Das natürlichste Office Brandenburgs

„COCONAT steht für community and concentrated work in nature“, erklärt Mitgründerin Julianne Becker. „Wir setzen uns für eine positive Work-Life-Balance unserer Gäste ein. Natur und Arbeit werden hier miteinander verbunden und wir schaffen so eine gesunde Produktivität“. Die gebürtige Amerikanerin kam in die brandenburgische Provinz, um etwas zu verändern. An den Orten, wo es viel Platz gibt, die Menschen sich jedoch häufig vergessen fühlen.

Also steckten Julianne und ihr Partner die Köpfe zusammen, skizzierten erste Entwürfe und wurden schließlich auf ein altes Herrenhaus Nahe Bad Belzig aufmerksam gemacht. Dann ging alles ganz schnell: Der Kaufvertrag wurde unterschrieben, die Räume renoviert und eingerichtet und COCONAT zu dem, was es heute ist – ein Ort für alle, die der Großstadt entfliehen und in ruhiger und natürlicher Umgebung arbeiten wollen. Macher, CEOs, Familien, Teams und GründerInnen können sich für ein, zwei oder drei Nächte, Wochen und Monate einmieten, netzwerken, an ihren Projekten tüfteln und so ganz nebenbei auch zu sich selbst und ihrem Flow finden. COCONAT ist mehr als ein Arbeitsort. Es ist vorübergehendes Zuhause, Hotel und Ideen-Oase zugleich.

Gemeinsam statt einsam

Neben zahlreichen Arbeitsstationen im Haus wurde auch an Arbeitsplätze im Freien gedacht. Am hauseigenen Teich, auf Wiesen oder in der Hängematte – denn wo könnte Arbeit leichter sein? Julianne und ihrem Team ist es jedoch wichtig, dass nicht ausschließlich die Arbeit im Vordergrund steht, wenn Menschen sich für einen Retreat in Klein Gien entscheiden. „Es gibt zwei Seiten, wenn Menschen hierherkommen. Zum einen, um hier zu arbeiten, aber auch, um zu kommunizieren und sich auszutauschen“, erzählt die Mitgründerin.

Deshalb gibt es bei COCONAT jeden Tag gemeinsame Essenszeiten, bei denen die Gäste ins Gespräch kommen können. Besonders gut funktioniert das bei einem Frühstücks-Kaffee auf der großen Terrasse. „Die zeigt nämlich nach Osten und die Sonne klettert morgens dann über unseren Garten“, schwärmt Julianne. Vormittags ist es im Herrenhaus meistens ganz still. Dann zieht es die Gäste an ihre Arbeitsplätze oder in die Besprechungsräume. Zum Mittag finden alle wieder zusammen, zum gemeinsamen Essen und Erzählen. Im Anschluss können alle das machen, worauf sie Lust haben: Weiter arbeiten, in die Sauna gehen, ein Stück Kuchen im hauseigenen Café essen, Yoga oder eine Wanderung durch Brandenburger Wälder und Felder. 

Es war uns wichtig, einen offenen Raum für alle zu schaffen.

Julianne Becker, COCONAT
Das Herrenhaus in Klein Gien (Foto: Tilman Vogler/ https://www.tilmanvogler.com/)

COCONAT hat es sich zur Aufgabe gemacht, New Work in die Provinz zu bringen und Machern Ruhe und Raum für Kreativität und Ideen zu geben. Julianne und ihr Team arbeiten außerdem eng mit den umliegenden Dörfern, der Gemeinde Wiesenburg und der Kleinstadt Bad Belzig zusammen. 2018 haben sie gemeinsam den Non-Profit-Verband Smart Village ins Leben gerufen. Auf diesem Weg sollen digitale Projekte in die Region geholt und Menschen ermutigt werden, diesem schönen Fleckchen in Brandenburg als Wohnort eine Chance zu geben. Und wer sich noch nicht sicher ist, der macht eben erstmal einen Probe-Retreat im Herrenhaus…

Arbeitsplatz with a view (Foto: Tilman Vogler/ https://www.tilmanvogler.com/)