Ein Ausflug nach Sachsen gefällig? In meinem Kopf entstehen da gleich lebhafte Bilder: Von leerstehenden Häusern in Bautzen, rechten Parolen an den Wänden in Freital, brennenden Flüchtlingsunterkünften in Meißen. 

Klar, ich male ein rabenschwarzes Bild. Und das von dem Bundesland, das als Wiege der Demokratie gilt. Dennoch: Es ist auch die Wiege von Pegida, die 2014 in Dresden gegründet wurde. Und das Bundesland, in dem die AfD als zweitstärkste Kraft in den Landtag eingezogen ist und die bundesweite NPD-Jugendorganisation ihren Sitz hat (Riesa). 

Das sind die Fakten. Und wie sieht es so ganz abseits der großen Politik aus? Wie geht es den Jugendlichen vor Ort? Die sich – gemäß Klischee – vor allem im ländlichen Raum  allabendlich an der Bushhaltestelle im Dorf tummeln. Was tun, wenn die einzige Freizeitbeschäftigung der dörfliche Bolzplatz ist? Und das Smartphone das hauptsächliche Medium für soziale und kulturelle Interaktion? 


Es gibt in den ländlichen Regionen Ostdeutschlands eine extreme Leerstelle im Bereich der kulturell-politischen Bildung und der Bildung mit Neuen Medien.

Christian Zöllner und Sebastian Piatza, Fabmobil

Das Fabmobil (sprich: Fäbmobil) ist ein umgebauter Doppeldeckerbus. Früher einmal ein Tourbus für Heavy-Metal Bands, tourt der schwarze Koloss heute ganz ohne Gitarren, Schlagzeug und Keyboard durch die Gegend. Stattdessen: 3D-Drucker, Lasercutter, Sensorik und 3D-Video Brille. Internet of Things Technologie eben. Außerdem Laptop-Arbeitsplätze, Beamer und Projektionsflächen. An Bord sitzen Ingenieure, Professoren, Produktdesignerinnen und Software-Entwicklerinnen. Ihnen liegt etwas daran, dass Kinder und Jugendliche auch abseits der Metropolregionen wie Hamburg, München und Berlin Zugang haben zu modernen kreativen und technischen Innovationen. Das Fabmobil tourt durch ländliche Regionen und ist regelmäßig in Ostsachsen unterwegs. Dort fährt es Schulen, Jugendzentren und Begegnungsorte an. 

Zeigt Fabmobil im Sommer mit jungen Leuten

Fabmobil bringt kreative Technologien aufs Land

Christian Zöllner ist eigentlich Designer, international bekannt, und Professor in Halle. 2012 hat er sich mit dem Designstudio The Constitute selbstständig gemacht. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Sebastian Piatza hat er sich mit dem Fabmobil einen Wunsch erfüllt. Dabei haben sie eine klare Mission: Kreative Technologien wie 3D Druck, Virtual Reality, Robotik und Programmierung in den ländlichen Raum bringen. Denn gerade dort herrscht ein Mangel an Möglichkeiten und Angeboten insbesondere für junge Menschen. Das Fabmobil bringt diese Angebote zu ihnen vor die Haus- oder Schultür. Und Zöllner und seine Kollegen erklären in kleinen Workshops auch gleich, wie sie funktionieren. 

Das fahrende Kunst- und Digitallabor setzt ganz auf Ausbildung, Aufklärung und Erklärung. An Bord können sich Schülerinnen und Schüler an 3D-Drucker und CNC-Fräse ausprobieren, selbst kleine Prototypen bauen, Roboter programmieren und kreativ gestalten.  

Zeigt die Werkstatt im Fabmobil

Zöllner ist begeistert von den Möglichkeiten der neuen Medien: „Das Spannende an der Digitalisierung ist, dass man aus dem Keller oder seiner Garage oder seinem Hinterhof ein kleines Business starten kann.“ Manchmal braucht es dafür einfach nur den richtigen Anstoß. 

Das Projekt Fabmobil will Jugendliche auf dem Land begeistern, ihren Horizont erweitern, sie aufmerksam machen auf neue technische Möglichkeiten. Und: Es will ein bewusst offenes Kulturlabor sein, mit einer interkulturellen Ausrichtung für den ländlichen Raum. Das heißt auch: Im Bus ist kein Platz für rechte Ideologie oder engstirnige Hetze. Das wird auch den Besuchern des fahrenden Kreativbusses vermittelt. Wer an Bord will, muss diese Offenheit teilen. Notfalls bleibt dann auch der Thor Steinar Rucksack vor der Tür zurück. 

Das Fabmobil bringt frischen Wind in die ländlichen Regionen Sachsens. Und macht mir wieder Lust auf eine Landpartie! 

Zeigt Christian Zöllner, Sebastian Piatza und Jens Beyer
Christian Zöllner, Sebastian Piatza, Jens Beyer (v.l.n.r.)
Foto: Yorck Maecke

Wo das schwarze Fabmobil das nächste Mal in der Lausitz anzutreffen ist, erfährt man auf der Webseite des Projektes