Dem Ruf der Pioniere folgen

Unsere vier Insights zum BarCamp Wittenberge

Am 30. November fand das BarCamp Wittenberge statt. Eingeladen hatten vier Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Summer of Pioneers, DAS Vorzeigeprojekt Brandenburgs. 20 DigitalarbeiterInnen haben dafür ein halbes Jahr lang das Leben und Arbeiten auf dem Land getestet. Dabei haben sie ihre digitale Expertise in die Region Wittenberge gebracht, kulturelle Programme organisiert und – das BarCamp am 30. November 2019 ins Leben gerufen. 

Zeigt Banner des Barcamp Wittenberge digital und kreativ auf dem Land

Was war los beim BarCamp? Worüber wurde gesprochen? Und wer war da? Hier kommen unsere vier Insights zum Wochenende und was (oder wer) dahinter steckt.

PopUp-Coworking

Ein Container, ausgestattet mit Arbeitsraum für ein bis sechs Personen. Dazu Möbel – oft spontan auf dem Flohmarkt besorgt – eine Terrasse und eine Kaffeebar. PopUp-Coworking ist ein betreuter Coworking Space auf Zeit und innerhalb kurzer Zeit provisorisch aufgebaut. Sehr viel mehr braucht eine Kommune nicht, um Coworking einmal auszuprobieren.
Das CoWorkLand Angebot beinhaltet dazu noch die Beratung und die Erarbeitung eines Standortprofiles. Das dürfte sicherlich interessant für die eine oder andere Kommune sein, die noch nicht sicher ist, ob Coworking vor Ort angenommen wird. 
Ulrich Bähr von CoWorkLand ist sich jedenfalls sicher: „In drei bis vier Jahren wird es total normal sein, dass es auf dem Land Coworking Spaces gibt“. 

KoHaus Wittenberge

Zu DDR-Zeiten war das Gebäude ein FDGB-Heim, seit kurzem erstrahlt seine Fassade in neuem Glanz. Innen sieht man dem Haus seine Geschichte an, es besteht noch viel Renovierungsbedarf. 
„Aber die Bausubstanz ist gut.“, sagt Frederik Fischer, Initiator des Summer of Pioneers und Projektleiter des KoHaus in Wittenberge.
Er führte die TeilnehmerInnen des BarCamp durch das vierstöckige Gebäude. Es gibt genug Platz zum Arbeiten, Wohnen und Leben für mehrere Personen. „Das KoHaus soll das verstetigen, was wir mit dem Summer of Pioneers gestartet haben.“, so Fischer. Er brennt für die Idee und sucht eine Baugruppe, die sich daran beteiligt. Viele Frage stehen dazu noch im Raum. Welche ZIelgruppe soll das Haus ansprechen? Eher die kleine Familie oder einzelne temporäre Nutzer? Und sollen Mikroapartments darin eingerichtet werden? Käufer oder doch eher Mieter? Und wie ist das mit der Finanzierung? Wir sind gespannt, wie es weitergeht.

Time-Out People

Sie wohnen gern in Metropolen wie Berlin, München oder Hamburg, wollen das Landleben auf Zeit aber ausprobieren. Wer sind diese Menschen? Auf dem BarCamp stellte Sascha Adam, Digital Marketer aus Hamburg diese Frage und wollte wissen: „Was suchen diese Time-Out People? Und was ist ihnen wichtig?“. Die Antworten der TeilnehmerInnen in der Session waren vielfältig: Impulse, Natur, Austausch, Familie, mobiles Arbeiten.

Time-Out People Tafelbild

Das Interesse an einem temporären Leben auf dem Land ist groß. Aber: „Die StädterInnen sollen nicht nur das Sahnehäubchen auf dem Land abschöpfen!“, machte Annegret Spillner, eine Pionierin des Summer of Pioneers deutlich, denn: „Es ist toll, wenn sich vor Ort auf dem Land aktiv eingebracht wird, aber dann bitte nicht nur am Wochenende.“ Integration und Kontinuität in der Gemeinschaft vor Ort ist ein wesentlicher Aspekt.

Anker Geschäftsmodelle für Coworking

Wie kann sich ein Coworking Space selbst tragen? „Wichtig ist, dass sich Modelle wie der Summer of Pioneers in eine nachhaltige und wirtschaftlich effiziente Form überführen lassen.“, sagte ein Teilnehmer einer Koordinierungsstelle für Coworking. Aber wie? Für welche Modelle sind Coworking Nutzer bereit zu zahlen?
Das Coconat Workation Retreat in Brandenburg geht hier als gutes Beispiel voran – Als Hotelangebot trägt es sich mittlerweile recht gut selbst. Aber welche anderen Anker Geschäftsmodelle für Coworking könnten funktionieren? Eine spannende Frage, die während des BarCamps vielfach diskutiert wurde. BarCamp Teilnehmerin Dagmar Hotze schrieb auf Twitter dazu: „Eine Blaupause gibt’s jedenfalls nicht.“

Unser Fazit

Wir finden: Ein interessantes Event mit spannender Aussicht: Auf die Stadt Wittenberge und auf das Thema Coworking in Deutschland. Mehr als 80 TeilnehmerInnen aus insgesamt neun Bundesländern sorgten für eine bunte Mischung. Bürgermeister, DigitalexpertInnen, CoworkerInnen und WirtschaftsförderInnen saßen mit BürgerInnen aus Wittenberge gemeinsam am Tisch. Mitunter wurde in den Sessions heiß diskutiert! Austausch ist auch dringend nötig, wenn man Coworking vor Ort in die Kommunen integrieren will.