Unser wöchentliches Update zu News und Meinungen rund um die Digitalisierung abseits der Metropolen.

Was war los die Woche bei Digitale Provinz? In unserem Weekly heute geht es unter anderem um Kühe mit VR-Brillen, Modellkommunen und SeniorInnen auf dem Land.

Die SPD goes digital

Was war los? Am 30. November hat die SPD ihren neuen Parteivorsitz gewählt: Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans  machten das Rennen.

Wie waren die Reaktionen? Besonders Saskia Eskens’ Ernennung zur Co-Parteivorsitzenden erregte die Gemüter einiger HauptstadtjournalistInnen. Grund: Bisher ist die Informatikerin politisch eher unbekannt.

Das ist nicht ganz richtig, denn als Expertin für Digitalpolitik hat sich Saskia Esken unter anderem im Ausschuss Digitale Agenda bereits einen Namen gemacht. 

Ein Glücksgriff für die SPD, findet auch Autor Markus Reuter von netzpolitik.org: „Denn erstmals steht einer großen deutschen Partei jemand vor, deren Expertise die Digitalisierung ist“.

Vor allem die jungen SozialdemokratInnen sind angetan von Esken. (Tagesspiegel).

Einige Positionen von Esken

  1. Die Rolle des Staates bei der Digitalisierung soll deutlich aktiver sein. Saskia Esken möchte also die Marktgläubigkeit aufgeben und mehr regulieren.
  2. Entlang der Bahntrassen sollen ca. 20.000 km Glasfaserkabel verlegt werden.  Sowohl Bahn als auch Netzbetreiber laufen bereits Sturm dagegen. 
  3. Die Abhängigkeit von Apple, Google und Co. soll gebrochen werden. Hier soll der Staat wenn möglich alternative Angebote fördern oder schaffen. Vielen fehlt der Glaube, dass so etwas funktionieren kann.

Unser Fazit: Von unendlichen Datenschutzpannen bei Facebook und Co. bis hin zur Allmacht von Google: Die bisherige Nicht-Regulierung des digitalen Bereichs hat uns viel Unsicherheit und Konflikte gebracht. Ob aber der Staat mit eigenen Firmen oder gar digitalen Gegenangeboten erfolgreich sein würde, darf bezweifelt werden. Vielmehr sollte er einen regulierten Markt für alle Akteure schaffen.
Zu weiteren Positionen des SPD-Duos zur Digitalisierung und anderen Themen schrieb aktuell auch der Spiegel.

SeniorInnen auf dem Land

Worum geht’s? Der ländliche Raum wird immer älter. Soweit nichts Neues. Eine aktuelle Studie des ZDF hat nun herausgefunden, dass die Lebensqualität der RentnerInnen auf dem Land sehr zu wünschen übrig lässt. Das liegt auch daran, dass immer mehr kleine Läden in der Provinz dicht machen müssen. Oder der nächste Arzt oder die nächste Ärztin und das Krankenhaus mehrere Kilometer weit weg sind. Auch die eingeschränkte Mobilität ist ein Problem.

Also zurück in die Metropolen ziehen? Nein, denn die sind ein teures Pflaster für die SeniorInnen.

Zeigt einen Auszug aus der Deutschlandstudie
Auszug aus der ZDF Deutschlandstudie

Unsere Meinung: Es lohnt sich, in die Kommunen zu investieren! Insbesondere, da die Studie subjektive Werte wie Heimatgefühl, Tradition und Verbundenheit nicht erfasst hat (KOMMUNAL). Die sind nämlich im ländlichen Raum meist sehr stark vertreten. 

Und welche Rolle spielt die Digitalisierung? Eine große! Sie bietet da neue Chancen, wo die Infrastruktur nicht hinterher kommt. Stichworte: Telemedizin, DorfApps und neue Mobilität.

Aufruf für Modellkommunen

Worum geht’s? Der Bund fördert ab 2020 Modellvorhaben für Smart Cities und smarte Landregionen. Ziel des sogenannten Smarte LandRegionen Programm: Intelligente und übertragbare Lösungen für zukunftsfähige ländliche Räume finden. Dafür stehen insgesamt 25 Millionen Euro bereit.

Nicht meckern, sondern klotzen! Jetzt liegt es an den Kommunen, sich mit ihren digitalen Lösungen als Modellregion zu bewerben. Bis zu sieben Landkreise werden dafür ausgesucht.

Modellvorhaben Smarte LandRegionen

Digitale Lösungen auf dem Land? Wir begrüßen das Vorhaben der Bundesregierung! Problematisch bleibt allerdings auch hier weiterhin fehlender Internetzugang auf dem Land. Die Bundesnetzagentur hat in ihrem am 3. Dezember 2019 vorgelegten Tätigkeitsbericht erneut bestätigt, dass es im ländlichen Raum kaum Datenraten über 200 MBit/s gibt (golem). Kein Internet, keine digitalen Lösungen.

Digitale Kommunikation

Hass ist keine Meinung!

Worum geht’s? Um Hate Speech, leider keine Seltenheit in den sozialen Medien. Gerade hat Grünen Politikerin Renate Künast einen Teilsieg in einem Verfahren um wüste Beschimpfungen gegen ihre Person bei Twitter errungen (Spiegel).

Eine aktuelle Kampagne der Konrad-Adenauer-Stiftung geht nun ungewöhnliche Wege. Die CDU-nahe Stiftung unterstützt Künast und ihre Forderung nach Gerechtigkeit. Wir sagen: Chapeau!

Und wieder einmal TikTok

Worum geht’s? Mal wieder um die Moderationsregeln bei TikTok (netzpolitik.org). Nach politischer und religiöser Zensur wurde nun bekannt, dass TikTok auch Menschen mit einer Behinderung zensiert. 

Was bedeutet das? Videos von Menschen mit Einschränkungen werden als „Risk 4“ markiert und nur begrenzt sichtbar gemacht. TikTok begründet das mit einer erhöhten Gefahr von Cyberbullying für diese Menschen. KritikerInnen befürchten allerdings eine falsch verstandene Fürsorge und eine Zensur von Menschen, die generell schon mit Ausgrenzung zu kämpfen haben.

Drei Linkempfehlungen fürs Wochenende

Lehrkräfte organisieren digitale Klassenzimmer und ELearning in ihren Schulen einfach selbst:
https://www.tagesspiegel.de/wissen/e-learning-in-der-schule-digitales-klassenzimmer-sie-koennen-auch-anders/25259786.html

Eine App bringt Kindern das Treckerfahren auf dem Land bei:
https://www.agrarheute.com/land-leben/app-aufs-land-laesst-verbraucher-landleben-eintauchen-560870

Seid ihr Podcast-Fans wie wir? Hier gibt es bereits jetzt die zehn besten Podcasts des auslaufenden Jahres 2019 aus Sicht des Time Magazin:
https://time.com/5737235/best-podcasts-2019/

Zum Thema Podcasts: Seit Mittwoch ist unsere aktuelle Digitale Provinz Podcast Folge online. Daniel Krüger hat dieses Mal mit Dr. Stephanie Arens gesprochen. Die Prokuristin der Südwestfalen Agentur GmbH beschäftigt sich mit der Digitalisierung in den fünf Landkreisen Hochsauerlandkreis, Olpe, Märkischer Kreis, Siegen-Wittgenstein und Soest. Eine spannende Gesprächspartnerin also, die einiges zu erzählen hatte. Hören könnt ihr den Podcast überall wo es Podcasts gibt, etwa auf Spotify oder auf Apple Podcasts.

Around the world

In Moskau tragen nun Kühe eine VR-Brille. Farmer wollen damit herausfinden, ob die Tiere bessere (und mehr) Milch geben, wenn sie durch die Brille statt einer tristen Farm eine blühende Sommerwiese sehen.

Zeigt eine Kuh mit einer VR Brille
Bildquelle: The Moscow Times