Unser wöchentliches Update zu News und Meinungen rund um die Digitalisierung abseits der Metropolen.

In unserem Wochenrückblick heute geht es unter anderem um verbotenes Homeoffice, ein ausgezeichnetes Landprojekt aus Hamburg und ein Online-Barcamp.

So (wenig) digital ist unsere Verwaltung

Was war los? Am 6. Dezember hat das Statistische Bundesamt die Ergebnisse einer Umfrage zur Lebenslage in Deutschland veröffentlicht. Dafür wurden 7700 Interviews mit BürgerInnen und 3280 Interviews mit Unternehmen geführt. Im Wesentlichen ging es um die Frage, wie Erfahrungen mit der Verwaltung aussehen.

Was kam dabei heraus? Zuerst das Positive: 83% der BürgerInnen und Unternehmen sind mit den Behörden zufrieden. Besonders gut schnitten die Ämter im ländlichen Raum ab. Aber nur, wenn es um den persönlichen Kontakt geht. Denn: Als sehr negativ wurden die mangelnden Online-Angebote der Behörden bewertet.

Worum geht es eigentlich? Neues Unternehmen anmelden, Führerschein beantragen, Personalausweis anfordern, das neu geborene Kind anmelden – was in anderen Ländern längst digital funktioniert, ist in Deutschland immer noch mit langen Warteschlangen, nervigen Öffnungszeiten und umständlichen Papierformularen verbunden. Dabei hat die Regierung mit dem Onlinezugangsgesetz (OZG) eigentlich festgelegt, dass Bund, Länder und Kommunen bis Ende 2022 ihre Dienstleistungen auch digital anbieten sollen. Passiert ist bisher leider noch zu wenig.

Immerhin: Die Ergebnisse der Umfrage kann man komplett online einsehen. Und zwar über das Internetangebot der Regierungsinitiative amtlich einfach – Staat der kurzen Wege. Und auch über einen Behördenmessenger wird aktuell nachgedacht. Wir sind gespannt.

Ein Recht auf Homeoffice?

Worum geht’s? Eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung hat untersucht, warum in Deutschland so wenig Menschen Homeoffice nutzen. Demnach arbeitet nur ein Viertel aller Beschäftigten ab und an von zu Hause aus. Wünschen würden sich diese Möglichkeit aber fast 40 Prozent der Bevölkerung. 

Woran liegt’s? 

  1. An den Unternehmen. Die entscheiden nämlich derzeit in Deutschland darüber, ob ihre MitarbeiterInnen zumindest teilweise im Homeoffice arbeiten dürfen oder nicht. Und viele Unternehmen sind da sehr restriktiv. Besonders Frauen haben es schwer: Rund 22 Prozent gaben an, dass es ihnen nicht erlaubt sei, von zu Hause aus zu arbeiten. Bei den Männern sind es nur zwölf Prozent. 
  2. An den Beschäftigten selbst. Vor allem Frauen halten laut der Studie kulturelle Gründe häufiger vom Homeoffice ab als Männer. Sie befürchten, sich damit auf ein berufliches Abstellgleis zu begeben. 
Zeigt Grafik zum Homeoffice

Unser Fazit New Work, flexible Arbeitszeiten, Homeoffice – längst ist bekannt, dass alternative Arbeitsmodelle Sinn machen. Sie helfen, Job und Familie miteinander zu vereinbaren und sind besonders im ländlichen Raum immer mehr gefragt. In der Praxis bleibt allerdings viel auf der Strecke. Es braucht gesetzliche Regelungen! Da wo Homeoffice (technisch) möglich ist, muss auch ein gesetzlicher Anspruch her. Dann ist es bald ganz normal, dass Männer und eben auch Frauen ab und an von zu Hause aus arbeiten können.

Förderung ländlicher Regionen

Noch ein Förderprogamm? Aber ja! Und in diesem Fall ein kulturelles. Das TRAFO Programm unterstützt gemeinsam mit der Kulturstiftung des Bundes Einrichtungen im ländlichen Raum. „Wie lassen sich Kulturangebote in ländlich geprägten Regionen und kleineren Städten weiterentwickeln?“, das ist die zentrale Frage der Initiative. Diese soll nun auch in sieben weiteren Förderregionen beantwortet werden.

Wo? Im Altenburger Land (Thüringen), Köthen (Sachsen-Anhalt), Kusel (Rheinland-Pfalz), Mestlin (Mecklenburg-Vorpommern), Rendsburg-Eckernförde (Schleswig-Holstein), Uecker-Randow (Mecklenburg-Vorpommern) und im Vogelsbergkreis (Hessen). Die Gemeinden freut’s. 

Kreatives Landprojekt

Worum geht’s? Darum, ländliche Räume lebenswerter zu gestalten. Die beiden Studentinnen Isabella Kellermeier und Julia Senft wollen mit ihrem Projekt Prototyping Futures Dorfgemeinschaften dabei helfen, neue Perspektiven zu schaffen für Land und Leute.

Und wie? Mit fünf Kartensets. Diese können individuell eingesetzt werden und enthalten unter anderem Beispiele mit gelungenen Projekten auf dem Land. Oder geben Tipps zur Durchführung eigener Projekte. Entstanden sind die Karten und das Projekt in Zusammenarbeit mit zwei Dorfgemeinschaften im Landkreis Hildesheim. Bald wird aus analog auch digital – eine Online-Datenbank ist geplant, die die Methoden begleitet.

Ausgezeichnet! Kellermeier und Senft haben für ihr Beteiligungsformat eine Auszeichnung als Kultur- und Kreativpilotinnen 2019 verliehen bekommen.

Zeigt das Toolkit von Prototyping Futures
Toolkit Prototyping Futures

Digitale Kommunikation

Konkurrenz für Spotify & Co: Neue App aus China

ByteDance – das chinesische Unternehmen hinter TikTok – hat eine App auf den Markt gebracht, die Spotify, Amazon Prime & Co. Konkurrenz machen könnte. Sie heißt Resso.

Zeigt einen Screenshot zur Grafik der App Resso
Resso setzt auf Social Networking

Was kann Resso? Die App stellt Musik zur Verfügung. Soweit nichts Neues. Im Gegenteil zu Spotify & Co. verbindet Resso die Musik aber mit Social Networking. Sprich: Einzelne Lieder können kommentiert werden, NutzerInnen können sich über die Songs austauschen und dazu eigene GIFs und Videos produzieren. Witzig auch: Resso zeigt zu allen Liedern die Texte zum Mitsingen an. 

Bisher wird Resso nur in Indien und Indonesien angeboten. Auch fehlen bisher die Rechte der drei Musikgiganten Warner Music, Universal Music und Sony Music. Das könnte sich aber schnell ändern. 


Digitaler Jahresrückblick bei YouTube

Rewind 2019: Am 5. Dezember hat YouTube seinen aktuellen Jahresrückblick veröffentlicht. Bereits kurze Zeit später war der knapp 5-minütige Clip das am meisten „dislikte“ Video des Jahres 2019. Mit dem aktuellen Stand der Redaktion heute sind es bereits 7,2 Millionen Dislikes.

Ist das Video so schlecht? Nicht unbedingt. Es zeigt Top 10 Listen der meist-gelikten Videos 2019 und ist ganz unterhaltsam. Wer häufiger auf YouTube unterwegs ist, wird sicher das eine oder andere wieder erkennen. 

Der Grund für die vielen Dislikes liegt in der Geschichte der letzten Jahresrückblicke auf YouTube. Besonders das Rewind 2018 hat die YouTube Gemeinde mächtig aufgeregt: Das Video bekam bis heute 17 Millionen Dislikes und ist das am meisten gehasste Video der Plattform. Die Community wirft den Machern von YouTube vor, dass sie nur auf ihr (kommerzielles) Image achten und zu wenig auf ihr Publikum.

Giphy erlaubt Upload von Kurzvideos

Worum geht’s? Die Bewegtbildplattform Giphy erlaubt mit Giphy Video nun auch das Hochladen von Kurzvideos mit Ton.

Warum ist das neu? Bisher waren GIFs lediglich bewegte Bilder, die häufig im Kontext von Chat- oder Messaging Funktionen genutzt wurden. Ein GIF sagt oftmals viel mehr als viele Worte. Hier ein Beispiel aus unserem Redaktions-Slack-Chatverlauf zu einem erfolgreich abgeschlossenen Projekt:

Zeigt Chat-Verlauf von KNO

Neue Kurzvideoformate könnten eine spannende Alternative zu den tonlosen GIFs werden. Bisher ist der Upload von Kurzvideos allerdings nur ausgewählten Marken vorbehalten (t3n).

BVG for Weltkulturerbe

Unser persönliches Highlight diese Woche? Ganz klar! Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) bewerben sich als Weltkulturerbe. Und zwar mit einem wunderbaren Video.

Aufrufe der Woche

Online BarCamp

Das Teams BarCamp will am 31. Januar 2020 ein digitales BarCamp veranstalten. Die parallelen Sessions sollen über Videokonferenzen in virtuellen Räumen laufen. Auf Twitter suchen sie dafür interessierte TeilnehmerInnen. 

Witzige Anmerkung aus dem Thread: Wie funktioniert ein Online BarCamp eigentlich ohne WLAN in der Deutschen Bahn…?

Zeigt Tweet zum Online BarCamp

Workshop digitale Demokratie

Das Team von #D3 so geht digital – ein Projekt der Stiftung Bürgermut – sucht MitstreiterInnen für einen Liquid Democracy Workshop. Wir von Digitale Provinz finden es gut und sind dabei!

Drei Linkempfehlungen fürs Wochenende

Dickes Lob auf die Digitalisierung! Eine Kolumne.
https://gruender.wiwo.de/kolumne-ein-lob-der-digitalisierung

Interessantes Interview mit Urs Hölzle, Schweizer Informatiker und einer der ersten zehn Angestellten von Google:
https://www.sueddeutsche.de/digital/google-anthos-cloud-urs-hoelzle-interview-1.4668718

Der Jahresrückblick von netzpolitik.org: Das Jahr in Zahlen, Fragen und Bildern:
https://netzpolitik.org/2019/das-jahr-in-zahlen-fragen-und-bildern/

Around the world

Automatisierter Fahrdienst: Im kalifornischen San José können sich ausgewählte NutzerInnen ab sofort von einem selbstfahrenden Auto chauffieren lassen. Die Taxis sind autonom unterwegs, haben aber einen Sicherheitsfahrer an Bord, der im Notfall eingreifen kann. Mercedes-Benz und Bosch wollen mit dem Testbetrieb herausfinden, wie sich automatisierte Fahrzeuge in den Verkehr einer Millionenstadt integrieren lassen. Mehr dazu: t3n, golem, Daimler.

Wir könnten uns diese Alternative übrigens auch gut auf dem Land vorstellen.

Zeigt autonomes Taxi von Mercedes
Bild: Daimler

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