Herzlich Willkommen zum ersten Weekly in 2020! Schön, dass du mit dabei bist. Ich bin übrigens Johanna Daher, wie meine Kollegin Katrin Pauer dir im vergangenen Weekly angekündigt hat, und habe heute folgende Themen für dich:

Start ins neue Jahr: Das bringt die Zukunft

Typischerweise verfassen viele Medien zu Beginn eines neuen Jahres Artikel, die zeigen, was sich zukünftig verändern wird. Der von Buzzfeed (Artikel: Das ist unsere Zukunft ab 2020) wurde in den sozialen Medien häufig geteilt. Er zeigt nicht nur, was 2020 anders wird, sondern was die fernere Zukunft bringen soll. Darin geht es beispielsweise um diese digitalen, technischen Themen:

  • Ab 2020 soll es Roboter-Exoskelette geben, die Senioren das Bewegen erleichtern.
  • Menschen auf dem Mars? Das ist der Plan von Teslas CEO Elon Musk und SpaceX für 2024. Sechs Jahre später soll auf dem Planeten die erste Stadt entstehen.
  • In 2026 soll es in Frankreich einen neuen Fusions-Reaktor geben, der eine neue Energiequelle erforscht, die letztendlich Atomkraftwerke ablösen soll.
  • Insektenartige Roboter sollen ab 2027 Pflanzen bestäuben können.
  • 2070: Ein Fahrstuhl soll von der Erde bis ins All führen.

Was davon wirklich passiert, bleibt abzuwarten. Ich finde die Überlegungen, was so kommen soll, aber echt spannend. Das Coole: Wir alle können diese (digitale) Zukunft mitgestalten.

Im Podcast: Martin Müller, eSport-Bund Deutschland

Jemand, der diese Zukunft aktiv mitgestaltet – und damit kommen wir zurück zur Gegenwart – ist Martin Müller. Er ist Vizepräsident des eSport-Bund Deutschland und Vorsitzender des Vereins eSport Magdeburg. Derzeit baut er als Projektleiter das Landeszentrum für eSport und Digitalisierung in Schleswig-Holstein auf und hat mit dafür gesorgt, dass die ESL Meisterschaft (großes eSport-Event) in Magdeburg gespielt wurde. Er ist der Gast der aktuellen Folge unseres Podcasts und erzählt dort beispielsweise, wieso eSport wichtig für die Gesellschaft ist:

YouTube-Trend: Persönliche Einnahmen zeigen

Eigentlich ist es ein Tabu-Thema: Über Einnahmen und Finanzen reden. So heißt es doch eigentlich: „Über Geld spricht man nicht.“ Vor allem in Influencer-Kreisen gilt das meistens. Wieso? Weil sie mit Kooperationen, YouTube-Videos, Social Media und Co. einiges verdienen, genaue Beträge aber nicht preisgeben wollen. Seit kurzem ändert sich das aber. Viele große YouTuber, darunter MontanaBlack, HeyMoritz, Inscope21 und UnsympathischTV – alle haben über eine Millionen Abonnenten – haben bereits ihre aktuellen Einnahmen an Video-Beispielen gezeigt. In der Vergangenheit haben das nur vereinzelte getan.

Das Ergebnis: Sie bekommen alle echt unterschiedlich viel Geld. Natürlich ist das bereits von Video zu Video bei einem einzelnen YouTuber so – da gibt es viele YouTube-Parameter für, die darüber entscheiden. Allerdings ist beispielsweise dieser Vergleich enorm: MontanaBlack hat für ein Video mit 882.000 Aufrufen im Dezember (das ist der werbestärkste Monat wegen Weihnachten) 8.000 Dollar bekommen. UnsympathischTV erhält deutlich weniger Geld. Sein Video mit 1,5 Millionen Aufrufen im November brachte 253,16 Euro ein. Das kritisiert er verständlicherweise stark:

Meine Meinung: Öffentlich als Influencer über Geld reden? Ein wichtiger Schritt, wie ich finde. Natürlich könnten die Zahlen einige Personen eifersüchtig machen und es sind auch Clickbait-Titel. Trotzdem finde ich es gut und wichtig, dass sie Einblicke in die sonst so geheimen Infos und Funktionsweisen von YouTube geben. Auch das ist ein wichtiger Teil von Medienpädagogik: Verstehen, wie YouTube funktioniert, was etwa wie viel Geld bringt und was Influencer verdienen.

Fördermittel + Kommunen = ganz schwierige Situation?

Wir bleiben beim Thema Finanzen, allerdings nicht für einzelne Persönlichkeiten, sondern für Projekte von Bund, Ländern, Kommunen und Forschungseinrichtungen. Die haben nämlich scheinbar ein Problem, ihre Fördermittel auszugeben.

Was ist los? Eigentlich klingt es gar nicht so schwierig: Eine Kommune bekommt einen gewissen Betrag an Fördermitteln zu Verfügung gestellt, zum Beispiel vom Bund. Die können sie für ihre Projekte nutzen. Mir persönlich würden da viele Dinge einfallen, wofür ich so viel Geld ausgeben würde. Auch die Kommunen haben viele Ideen – trotzdem wurden aktuell über 20 Milliarden Euro von Ländern, Kommunen und Forschungseinrichtungen nicht genutzt; hinzu kommen mehrere Milliarden, die der Bund selbst nicht ausgegeben hat, wie das Handelsblatt erklärt (Artikel: Staat sitzt auf mehr als 30 Milliarden Euro – und kann das Geld nicht ausgeben). Dort heißt es weiter:

Am gravierendsten ist das Problem auf kommunaler Ebene. Obwohl in manchen Schulen die Toilettenspülung nicht funktioniert, Brücken gesperrt und Straßen übersät sind von Schlaglöchern, bleiben Städte und Gemeinden auf sage und schreibe einem Drittel ihrer Investitionsmittel sitzen.

Handelsblatt, Martin Greive & Donata Riedel, 07.01.2020

Wieso passiert das? Stichwort: Bürokratie. Auch, wenn viele Gelder vorhanden sind, ist es gar nicht so leicht, Zugang zu den Mitteln zu bekommen. Und das, obwohl sie von den jeweiligen Bereichen lange im Voraus beantragt wurden. Wie schwierig der gesamte Vorgang ist, hat Kommunen2030 in einem Thread bei Twitter dargestellt:

Außerdem, so erklären die Handelsblatt-Autor*innen, gibt es zu wenig Bauingenieure in Kommunalverwaltungen. Die gingen lieber in die Bauwirtschaft als in die Verwaltung, weil sie dort besser verdienen würden.

Wie sollte es weiter gehen?: Die Idee, dass einfach weniger Gelder zur Verfügung gestellt werden, bis die Mittel ausgegeben wurden, wurde oft diskutiert. Das halte ich aber, genau wie einige Experten aus dem Artikel, für kein gutes Signal. Die Geldgeber sollten weiterhin ihre finanzielle Unterstützung verdeutlichen, so dass beispielsweise zukünftig mehr Personen aus dem Bauwesen eingestellt werden können. Eine langfristige Personalplanung ist nur mit einer sicheren finanziellen Zusage möglich.

Und: Es sollte nicht weniger Gelder für Projekte geben, sondern einfachere Prozesse und weniger Bürokratie. Die Idee der Förderung ist super und wichtig. Der Umgang, wie diese Gelder genutzt werden können, ist es nicht. Deshalb: Dran bleiben! Auch aktuell gibt es einige offene Fördermittel-Ausschreibungen, wie beispielsweise diese hier:

Debatte: Dürfen Behörden auf Social Media bleiben?

Anfang des Jahres hat Stefan Brink, Datenschutzbeauftragter von Baden-Württemberg, eine Diskussion darüber entfacht, ob Behörden in den sozialen Netzwerken vertreten sein dürfen. Derzeit machen das viele Städte und Gemeinden. Seine Meinung: Sie sollten es nicht.

Was sind seine Gründe dafür? Stefan Brink hat selbst einen Twitter-Account mit etwa 5.500 Followern – den will er Ende Januar löschen. Sein Grund: Twitter sammle Nutzerdaten und verwende diese zu Werbezwecken. Das sei für ihn mit seiner Arbeit als Datenschützer nicht vereinbar. Hintergrund ist auch eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs zu Facebook. Darin geht es darum, dass Nutzer der Plattform eine Mitverantwortung für den Umgang mit ihren Daten tragen. Das Bundesverwaltungsgericht hat das Ganze bereits auf das deutsche Recht angewandt.

Müssen Behörden Social Media wirklich verlassen? Gegenüber der dpa hat Brink gesagt, dass er diesen Schritt nicht nur für sich selbst wichtig findet, „sondern für alle Behörden und auch Privatunternehmen, die soziale Medien nutzen“. Privatpersonen stellt er die Entscheidung frei, die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) gelte seiner Meinung nach an dieser Stelle für sie nicht. Brink will als nächstes viele Gespräche mit Behörden, Ministerien und Unternehmen führen.

Mittlerweile gibt es einige Kommentare zum Thema: Anwalt Thomas Stadler fragt sich, ob man im Sinne des Datenschutzes twittern kann (Artikel: Kann man noch datenschutzkonform twittern?). Franz-Reinhard Habbel vom Gemeindebund meint zur Debatte:

Meine Meinung: Datenschutz ist ein wichtiges Thema, gar keine Frage. Aber: Er wurde meiner Meinung nach auch eingeführt, um für die Nutzer der Plattform zu sein. Also um ihre Daten zu schützen und damit die User selbst zu unterstützen. Wenn Brink fordert, dass sich die Behörden von den sozialen Plattformen zurückziehen sollen, argumentiert er nicht im Sinne der Behörden. Social Media ist der Ort, an dem sich der Großteil der Menschen aufhält. Hier erreichen Städte und Gemeinden jederzeit viele ihrer Einwohner*innen und können kontaktiert werden. Brinks Vorschlag ist dementsprechend komplett realitätsfern. Wer 2020 denkt, dass man Social Media ausblenden könnte, hat die dazugehörigen Netzwerke noch nicht verstanden. Sie sind nicht mehr nur Seiten im Internet, sondern wichtige Plattformen der Kommunikation und des Informationsaustauschs.

Natürlich kann es auch nicht sein, dass die großen sozialen Netzwerke, wie Twitter, Facebook und Co. gegen den Datenschutz verstoßen. Deshalb sollte sich Brink eher dafür einsetzen, dass die Betreiber der Seiten für den Datenschutz sorgen müssen. Natürlich kann er das nicht alleine, sondern die Politik müsste ihn dabei unterstützen. Auch, wenn es etwas utopisch wirkt. Wenn die Behörden die sozialen Netzwerke tatsächlich verlassen müssten, fände ich das mehr als schade und ein ganz falsches Signal. Gerade in Zeiten, wo sich viele Bürger*innen durch die DSGVO eingeschüchtert fühlen. So denke ich über das Thema. Zeige uns hier, welche Meinung du hast:

Sollten Behörden auf Social Media sein dürfen?
Ja, auf jeden Fall.
Nein, sollten sie nicht.
Ich weiß es nicht.
Created with Quiz Maker

Event-Tipp: „Barcamp Education Ost“

Zu Beginn dieses Weekly haben wir in die fernere Zukunft geschaut. In der nahen passiert aber auch einiges. Und zwar wird es in den kommenden Monaten wieder spannende Events zu digitalen Themen geben. Zum Beispiel ist seit Anfang Januar die Anmeldung zum „Barcamp Education Ost“ (#BEO20) in Magdeburg möglich. Lehrer*innen und am Thema „Bildung“-Interessierte, sprechen am 4. April 2020 unter anderem über die Digitalisierung der Schulen.

Wenn du Veranstaltungen, Konferenzen und Co. hast, die wir hier thematisieren sollen, kommentiere gerne diesen Artikel damit. Du kannst sie uns auch an digitaleprovinz@korrekturnachoben.de schicken.

Mit WhatsApp-Plakat für „Tag der offenen Tür“ werben

Wie kreativ Lehrer im Digitalen bereits sein können, zeigt das Beispiel von Jan-Martin Klinge. Er hat einen fiktiven WhatsApp-Verlauf als Werbung für den „Tag der offenen Tür“ an seiner Gesamtschule Schießberg in Siegen erstellt. In den Kommentaren erklärt er, dass er das Ganze mit PowerPoint gebaut hat, fiktive WhatsApp-Gespräche aber auch mit dem „FakeWhats Generator“ erstellt werden können.

Solche Online-Tools, mit denen ganz unterschiedliche, kreative und interaktive Projekte realisiert und effizienter geplant werden können (z.B. interaktive Bilder, Datentransfer und Co.), gibt es viele. Man muss sie nur kennen. Deshalb hat „Gemeinsam Digital“ eine Liste mit digitalen Hilfsmitteln für mehr Effizienz im Arbeitsalltag veröffentlicht. Ich habe zusätzlich den Fokus auf die Projekte selbst und ihre (interaktiven) Medien gelegt. Auf meinem Blog habe ich dir deshalb einige Tools mit „Schritt für Schritt“-Anleitungen und speziellen Ideen für den Einsatz im Unterricht zusammengestellt. Du kannst die Tools aber auch für alle anderen Themen-Bereiche nutzen (Artikel: Online-Tools für den Unterricht nutzen (Ideen + Tutorials)).

Mach’s gut und bis zum nächsten Mal!

Für heute war es das erstmal mit diesem Weekly. Schön, dass du mit dabei warst. Ich hoffe, du konntest einige Infos und Inspirationen mitnehmen. Ich freue mich, dich hier in einer Woche wieder begrüßen zu dürfen und bis dahin von dir zu hören. Entweder als Kommentar unter diesem Artikel, bei Social Media (Twitter: Digitale Provinz) oder als Mail: digitaleprovinz@korrekturnachoben.de

Achso, und zu diesem Tweet: Der hat mir so gut gefallen, dass ich ihn noch mit dir teilen wollte. Ich liebe einfach solche kreativen Ideen.