Herzlich Willkommen zu dieser neuen Weekly-Ausgabe! Ich freue mich sehr, dass du mit dabei bist. Ich bin übrigens Johanna Daher – vielleicht kennst du mich schon von vergangener Woche. Heute habe ich diese Themen für dich:

Besondere, digitale Projekte im Münsterland

Schauen wir heute als erstes nach Nordrhein-Westfalen. Dort gibt es die etwa 40.000-Einwohner-Stadt Ahaus. Was mich besonders freut: Von dort kommt unser Leser Dieter van Acken, der uns diese Info hier mitgeteilt hat. In Ahaus gibt es „eine Vielzahl vernetzter, digitaler Projekte, die auf einer zentralen ID beruhen. Darüber laufen auch alle Zahlungsvorgänge, bargeldlos und fast immer per Smartphone“, schreibt er.

Hier kannst du eine erste, digitale Sightseeing-Tour durch Ahaus machen und bekommst einige dieser Projekte vorgestellt. Mit dabei: Die Bar und Lounge „offsite“, in der Gäste mit ihrem Smartphone Getränke bestellen können. Eine weitere Besonderheit zeigt Dieter van Acken hier:

Richtig cool, wenn eine ganze Stadt gemeinsam so auf das Digitale setzt! Ich finde, dass das ein wichtiger Schlüssel ist: Wenn alle an einem Strang ziehen, können die Projekte noch besser gelingen. Dann sind Verknüpfungen, wie ein eigenes Bezahlsystem mit App, möglich.

Wenn du ebenfalls ein Thema für uns hast, melde dich gerne. Entweder als Kommentar unter diesem Weekly, Social Media (z.B. Twitter: @DigitaleProvinz) oder via E-Mail: digitaleprovinz@korrekturnachoben.de

Berühmt auf Social Media wegen gekaufter Likes?!

Vielleicht bist du auch viel in den sozialen Netzwerken aktiv und möchtest dort möglichst viele Likes, Abonnenten und Co. erreichen. Ich habe mir beispielsweise als Ziel gesetzt, dass ich in diesem Jahr die 1.000 Abos auf YouTube erreichen will – und zwar mit dem regelmäßigen Upload von guten Videos. Wenn dir das zu zeitaufwändig ist, könntest du auch zu sogenannten „Paid likes“ greifen. Du bezahlst einen bestimmten Betrag und bekommst im Gegenzug Likes.

Klingt irgendwie absurd und verrückt? Auf jeden Fall. Allerdings ist das ein echt großes Thema, Journalist Daniel George hat ihm eine gesamte Woche bei MDR SACHSEN-ANHALT gewidmet. In Magdeburg gibt es beispielsweise das Unternehmen „Paidlikes“, bei dem du Likes kaufen kannst. 10.000 Likes kosten dort 940 Euro.

Ob das legal ist? Da scheiden sich die Geister. Viele sagen, dass es Betrug ist, anderen vorzuspielen, dass man viele Follower hat. Sie sprechen von Wettbewerbsverzerrung, wenn Influencer zu diesem Mittel greifen und dadurch gegebenenfalls Werbe-Deals bekommen. Allerdings gibt es bisher kein Gerichtsurteil. Ich selbst finde, dass der Kauf von Likes keine gute Option ist. Ich würde dir auch nicht dazu raten. Und das nicht nur, weil ich auch finde, dass das verlogen ist. Durch den Kauf hast du zwar die Likes, aber keine treue Community, die dich bei deinen weiteren Inhalten unterstützt. Daniel George hat dir hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema notiert.

Twitter testet neue Antwortmöglichkeiten

Bleiben wir eben bei Social Media. Der Tweet von Magdalena Rogl, Head of Digital Channels bei Microsoft, ist in meinem Feed ziemlich viral gegangen. Diskutiert wird darunter über den Artikel von Reuters, in dem es um neue Antwortmöglichkeiten auf Twitter geht. Der Kurznachrichtendienst hat nämlich angekündigt, dass diese neuen Optionen Anfang des Jahres getestet werden sollen. User sollen einstellen können, wer auf ihre Tweets antworten kann:

Hintergrund ist laut Twitter dabei, dass es so weniger Hasskommentare geben soll. Ich persönlich habe dazu gespaltene Gefühle. Auf der einen Seite finde ich es auch gut, wenn nicht jeder Troll seinen Hass dort ablassen kann und den Diskurs damit vergiftet. Die Diskussionskultur wiederum ist der Punkt auf der anderen Seite: Es ist echt schade, wenn auch Leute, die positiven Input geben wollen, sich daran nicht beteiligen können. Allerdings, und so wirkt es ja bisher, kann scheinbar jeder selbst einstellen, wer antworten kann. Vielleicht lassen viele User die Antworten ja auch für alle offen. Dann würde sich nichts ändern. Oder es entwickeln sich dadurch auch ganz neue Möglichkeiten, die wir uns gerade noch nicht vorstellen können. Lass uns das gespannt mitverfolgen. Sobald es die Funktion gibt, erfährst du im Weekly davon.

Mitteldeutsche Zeitung + Volksstimme = 1?

In Sachsen-Anhalt gibt es hingegen eine definitiv unschöne Entwicklung. Dort hat diese Woche der DuMont-Verlag seine „Mitteldeutsche Zeitung“ (MZ) an den Bauer-Verlag verkauft. Schwierig daran: Die Volksstimme ist ebenfalls Teil des Bauer-Verlags. Durch den Kauf der MZ gibt es somit nur noch einen Zeitungsverlag im Bundesland. Medien-Experten wie Horst Röper sehen darin eine Einschränkung der Medienvielfalt und damit auch eine Gefahr für die Demokratie. Das Bundeskartellamt muss dem Kauf noch zustimmen, Röper geht aber davon aus, dass es das tun wird.

Die Gründe, weshalb die Mitteldeutsche Zeitung verkauft wird, sind, dass die Leserzahlen weniger wurden und das Online-Geschäft bisher nicht ertragreich war. Wie ein Medienhaus mit Online-Journalismus Geld verdienen kann, wird in der Branche immer wieder diskutiert. Wieso das nicht wirklich möglich ist? Weil die User von Anfang an daran gewöhnt waren, dass es die Infos im Internet umsonst gibt. Medienhäuser selbst, aber auch so gut wie alle anderen Seiten, haben ihren Content dort einfach immer kostenlos veröffentlicht. Und die User zu einem anderen Denken erziehen? Das ist ganz schön schwierig, da viele, sobald sie eine „Paywall“, also eine Bezahlschranke, bei Medienhäusern sehen, denken: „Naja, dann google ich halt und finde die Antwort kostenlos wo anders.“ Bisher gibt es deshalb auch kein perfektes Modell für Medienhäuser. Nach der Entscheidung des Verkaufs der Mitteldeutschen Zeitung hat User Oliver Leiste getwittert:

Bei vielen Medienhäusern, die eine Bezahlschranke haben, sieht es derzeit so aus, dass einzelne Abos abgeschlossen werden müssen: die BILD-Zeitung hat zum Beispiel BILDplus, manche festgelegten Artikel können nur gegen Bezahlung gelesen werden. Das Nachrichtenportal „mittelhessen„, das Oliver Leiste benennt, hat – wie beispielsweise die New York Times auch – ein sogenanntes „Metered Modell„. Damit kann der User eine gewisse Anzahl an Beiträgen im Monat kostenlos lesen, erst danach muss gezahlt werden. Was unter seinem Tweet zusätzlich genannt wurde, ist die Plattform „Blendle“, die noch stärke in die von Leiste genannte Richtung geht. Dort bekommen die User in einer Art digitalem Kiosk Zugang zu einer größeren Anzahl an Medienangeboten und zahlen dann für einzelne Artikel oder Ausgaben, die sie wirklich interessieren. Mit dabei sind dort zum Beispiel die Süddeutsche Zeitung, die FAZ und der Stern.

Aber wie siehst du das? Zeige uns gerne hier, wie du zum Thema „Bezahlen für (journalistische) Online-Inhalte“ stehst. Ich bin gespannt auf deine Meinung.

Würdest du Online für (journalistische) Inhalte bezahlen?
Ja, würde ich.
Nein, würde ich nicht.
Ich weiß es nicht genau.
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Event-Tipp: Die Messe E-world energy & water

Passend zur Ahaus-Thematik (siehe Anfang des Weekly) findet vom 11. bis 13. Februar 2020 die Messe E-world energy & water in Essen statt. Thematisch geht es dort um Smart City, Smart Energy und Climate Solutions. Das Event wird vom Unternehmen con|energy organisiert. Als Aussteller vor Ort und vielleicht spannend für dich zum Netzwerken: Microsoft, Shell, eon und viele weitere. Insgesamt werden rund 780 Aussteller und über 25.000 Besucher erwartet. Hier findest du Tickets, Messepläne und Anreisemöglichkeiten. Ebenfalls als kleiner Tipp, wenn du dich für Smart Cities interessierst:

Schlechtes Netz? Kein Problem, dank der Boten!

Klar gibt es Städte wie Ahaus in Deutschland, in denen die Digitalisierung schon so richtig fortgeschritten ist. Gleichzeitig gibt es aber auch einige Probleme, die sich nicht leugnen lassen. Zum Beispiel die schlechte Netzabdeckung und Internetverbindung in vielen Orten. Während Finnland gerade als erstes Land weltweit Breitband zu einem Anrecht für jeden Bürger gemacht hat (mindestens 1 Megabit pro Sekunde), beschreibt das Satire-Magazin Postillon die Situation in Deutschland so:

„‚Unsere Berechnungen haben gezeigt, dass diese Lösung – inklusive Mindestlohn und Versorgung der Pferde – deutlich kostengünstiger ist als die Errichtung und Wartung der benötigten Anzahl von Funkmasten‘, so ein Sprecher des Konsortiums. ‚Zudem lässt es sich wesentlich schneller durchsetzen, da es sich bei berittenen Boten um eine seit Jahrhunderten bewährte Datenübermittlungstechnologie handelt.'“ Für ein paar Schmunzel-Momente empfehle ich dir also den gesamten Artikel: „Telefonanbieter planen Einsatz berittener Boten in Gebieten mit schlechter Netzabdeckung

Natürlich leben wir auch nicht im Mittelalter, wie der Postillon überspitzt darstellt. Aber: Wir sind in Deutschland in Sachen Digitalisierung auch noch lange nicht da, wo wir sein könnten. Jeder von uns kann diese digitale Zukunft mitgestalten und sich dafür einsetzen, dass zukünftig andere Themen auf der Satire-Agenda des Postillon stehen – weil dann die Digitalisierung gut läuft.

Fünf Online-Tools für deinen Arbeitsalltag

Anknüpfend an vergangene Woche, möchte ich dir auch dieses Mal wieder ein paar Tools mit auf den Weg geben. Ich hoffe, dass sie dir in deinem Arbeitsalltag helfen können.

Starte gut in die neue Woche & bis zum nächsten Mal!

Für heute war es das schon wieder mit dem Weekly. Aber keine Sorge: Nächste Woche bekommst du schon das nächste! Wie du vielleicht vom letzten Mal noch weißt, liebe ich kreative Ideen. Deshalb zeige ich dir auch heute zum Schluss wieder eine. Dieses Mal stammt sie von Marie-Louise Timcke, Datenjournalistin bei der Berliner Morgenpost. Sie strickt seit neustem ganz besondere Kleidungsstücke. Und zwar mit Daten-Visualisierungen darauf. Mega cool, oder?