Eine neue Woche, ein neues Weekly: Schön, dass du wieder dabei bist – und ich auch. Ich heiße Susanne und habe das Weekly diese Woche von Johanna übernommen! Ich habe die wichtigsten News rund um das digitale Leben und Arbeiten für dich zusammengetragen. Viel Spaß beim Scrollen!

Internationale Grüne Woche Berlin: Regional trifft digital

Seit dem 17. Januar treffen sich bei der Internationalen Grünen Woche (IGW) Berlin Food Start-Ups, Vertreter*innen von Landkreisen und neugierige Besucher*innen aus der ganzen Welt. Dabei dreht sich alles um Essen, Essen, Essen. Zumindest fast alles. Besonders in Halle 27 steht die ländliche Entwicklung im Vordergrund, wie unser Chef-Podcaster Daniel Krüger berichtet. Initiativen wie WIR – Wirtschaft – Innovationen – Region zwischen Rennsteig und Main oder die Wachstumsregion Ems-Achse, die Bewerber*innen helfen bei der Jobsuche in der Region und binden so gezielt Fachkräfte.

Spannend war für Daniel auch der Stand von Silicon Vilstal. Die Mitmachinitiative aus Niederbayern nimmt gezielt das digitale Potenzial der Region in den Fokus. Dank der engmaschigen Kooperation von Institutionen, Kommunen, Unternehmen und Einzelpersonen sind regional und digital hier kein Widerspruch. Absolut spannend!

Neben den Ständen der einzelnen Akteur*innen sorgte das Zukunftsforum Ländliche Entwicklung vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) für ordentlich Input. Wie kann die LEADER-Methodik (Liaison Entre Actions de Développement de l’Économie Rurale, dt. Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft) umgesetzt werden? Unterschiedliche Regionen bringen besondere Anforderungen mit. Wichtige Strategien zeigen Erfolgsprojekte wie die Demografiewerkstatt Kommunen, die bisher in über zehn Kommunen deutschlandweit Projekte unter anderem zum Thema Migration betreut.

Auch die Bühnendiskussionen zu Themen wie „Sind ländliche Orte Zukunftsräume?“ (Spoiler: Ja!) machen Lust auf Netzwerken und Austausch. Zeigt sich: Coworking auf dem Land trägt nicht nur genau dazu bei, sondern hält auch gut ausgebildete junge Menschen in den Regionen. Modern Arbeiten, regional leben – klappt.

Session mit Vertreter*innen des Think Tanks Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung, des Coconat Workation Retreat und Ulrich Bähr von der Heinrich-Böll-Stiftung (rechts). Bild: Daniel Krüger

Die Deutsche Vernetzungsstelle Ländliche Räume vernetzt, wie der Name schon sagt, Akteur*innen aus unterschiedlichsten Gebieten wie Dorfentwicklung über Integration bis Vermarktung miteinander. Ein weiter Fokus ist die gemeinsame Projektarbeit rund um Umwelt- und Naturschutz. Ähnliche Ansätze verfolgt die Bundesarbeitsgemeinschaft der LEADER-Aktionsgruppen in Deutschland. Hier organisieren sich die einzelnen LEADER-Gruppen, um Strategien gemeinsam verstärkt umzusetzen. Ziemlich viel Gestaltungswille und Power unter einem grünen Dach in Berlin! Die Internationale Grüne Woche endet übrigens am 26. Januar. Tickets gibt es hier.

Neben Vernetzung ist auch CoWorking eines der ganz großen Themen auf der Grünen Woche. Ulrich Bähr ist Projektleiter bei der Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein und für das Projekt CoWorkLand verantwortlich. Dabei wird CoWorking völlig neu gedacht. Als PopUp-Space zieht das Projekt durch ländliche Gebiete, um zu testen, ob ein Ort CoWorking-Space-tauglich ist. Dazu wird es demnächst bei uns mehr geben – Daniel hat Ulrich Bähr vor unser Podcast-Mikro gebeten. Also unbedingt dranbleiben! Bis dahin hört doch in die aktuelle Podcast-Folge mit Johanna Daher rein. Sie ist neue Autorin bei Digitale Provinz und liebt, lebt, atmet online.

Die Influencer*innen in unserem Einkaufskorb

Erst letzte Woche hatte Johanna Daher von eingekauften Likes und deren möglichen Auswirkungen in unserem Weekly #7 berichtet. Jetzt zeigt eine Studie des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW), wie weitreichend der Einkauf von Likes und der damit verbundene Einfluss von Influencer*in auf das Kaufverhalten ihrer Community haben kann: Jede fünfte Person in Deutschland folgt den Empfehlungen „ihrer“ Influencer*innen, wie t3n berichtet.

Bei Männern liegt der Anteil mit 17 Prozent danach niedriger, bei Frauen mit 22 Prozent etwas höher. Bei den jungen Verbrauchern zwischen 16 und 24 Jahren liegt der Anteil mit 43 Prozent sogar sehr viel höher.

t3n, 23.01.2020

Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die User*innen häufig in Kontakt mit den Influencer*innen kommen. Das sind aber nicht die besonders jungen Menschen, die ihre Freizeit in sozialen Netzwerken verbringen, wie die Studie offenbart. Ganze 53 Prozent der befragten Personen, die ein Produkt gekauft haben, weil sie es bei Influencer*innen gesehen haben, sind zwischen 35 und 44 Jahren alt.

Dass es sich bei dem auffällig unauffälligen Tragen von Markenkleidung, Taschen oder Gadgets um Werbung handelt, stört 72 Prozent der Studienteilnehmer*innen nicht. Die komplette Studie findet ihr übrigens hier.

Was denkst du? Nervt dich die Dauerwerbeanzeige auf sozialen Medien? Hinterlass uns gerne einen Kommentar!

Mit drei Klicks zum frischen Brot

Keine Brötchen, kein Kuchen, kein Schnickschnack: In Speyer haben die Brotpuristen nicht nur Backwaren im Kopf, sondern auch die neuen Anforderungen, die das Web 4.0 für traditionelle Berufe mit sich bringt. Sebastian Däuwel, Gründer der „Brotpuristen“, bringt seine Brote als Nachmittagsbäcker unter die Leute.

Der Clou: Per Onlineshop lassen sich Baguette und Co. easy vorbestellen. Dann werden sie entweder im Ladengeschäft in Speyer abgeholt oder am Brottruck in Neustadt Das bedeutet nicht nur maximale Flexibilität für die Kund*innen, sondern auch weniger Lebensmittelverschwendung. Seit 2014 erregen die Brotpuristen mediales Aufsehen – von der TV-Sendung Galileo bis zum Spiegel waren schon alle da. Sogar die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, stand schon knetend in der Backstube.

Warum Sebastian Däuwel für die Liebe zum Brot seinen Job als Controller aufgegeben hat und warum die Handelskammer seinem Gründer-Geist beinah einen Strich durch die Rechnung machte? Das erfahrt ihr unten im Video.

Ich finde: cooles Ding. Digitalisierung und uraltes Handwerk können zusammen hervorragend funktionieren. Der Erfolg gibt Sebastian Däuwel übrigens recht. Sein Projekt erhielt 2018 den KfW Award Gründen 2018 in der Kategorie Rheinland-Pfalz.

Event-Tipp: Innovationslabor New Work

Du bastelst an ähnlichen Ideen wie Sebastian Däuwel und seine Brotpuristen? Du möchtest dich mit anderen kreativen Köpfen austauschen? Oder du willst dich einfach von spannenden Gründer*innen inspirieren lassen? Dann solltest du dir den 12. März freihalten. Dann findet an der XU Exponential University of Applied Sciences in Potsdam von 15-18 Uhr das Innovationslabor New Work statt.

Auf der Tagesordnung stehen CoWorking, Digitalisierung in Unternehmen und Neue Arbeitsstrukturen und Organisationsformen. Und das Beste zum Schluss: Die Veranstaltung ist komplett kostenlos. Tickets gibt es bei Eventbrite.

Das Innovationslabor New Work ist eine Kooperation aus Brandenburger Agentur für Kultur und Kreativwirtschaft, dem Cluster IKT, Medien und Kreativwirtschaft und dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kommunikation.

Windows 7-Umstellung: Dann ist alles viel zu spät

Photo by Vitor Fontes on Unsplash

Zu spät, zu spät – Die „Ärzte“ hatten 1984 sicherlich nicht den auslaufenden Support von Windows 7 im Kopf, als sie ihren Song „Zu Spät“ veröffentlichten. Aber: ein bisschen passt es trotzdem. Seit dem 14. Januar wird Windows 7 nicht mehr kostenlos unterstützt. Dass das passieren wird, ist schon seit Jahren bekannt. Trotzdem hat der Bund die Umstellung bislang nicht geschafft. Stattdessen: voraussichtliche Kosten von 800.000 Euro für das „Extended Security Update“-Programm, das Unternehmen und Behörden weiter Updates liefert.

Das geht aus einer Anfrage der Grünen hervor, wie t3n unter Bezugnahme auf das Handelsblatt berichtet: Mindestens 33.000 PCs nutzen zum Stichtag weiterhin die alte Software, heißt es. Die Dunkelziffer dürfte jedoch weitaus höher sein, wie der Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz dem Handelsblatt sagte. Zwar laufe seit einiger Zeit in der Bundesregierung die Umstellung auf Windows 10, aber viele Landesverwaltungen nutzen weiterhin Windows 7. Wie viele Computer bundesweit in Verwaltungen und in den Bundesministerien insgesamt noch das ältere Betriebssystem nutzen? Das weiß niemand genau, wie CDU-Staatssekretär Günter Krings dem Handelsblatt gegenüber erklärt.

Die genaue Zahl lässt sich nicht ermitteln, da eine „zentrale Übersicht“ nicht vorhanden sei, wie Krings einräumt. Fünf der 14 Bundesministerien mit Tausenden von Mitarbeitern sind demnach in der Auflistung des Innenministeriums nicht enthalten.

Handelsblatt, 21.01.2020

Das Problem: Durch die fehlende Umstellung drohen massive Sicherheitslücken. Kritik kommt auch vom Bund der Steuerzahler. Es hapere an einer effektiven ressortübergreifenden Abstimmung, jedes Ministerium werkele bei der IT für sich allein, so Verbandspräsident Reiner Holznagel gegenüber dem Handelsblatt. Die Bundesregierung selbst rechne nicht mit Problemen nach Ablauf des Supports für Windows 7, sagt CDU-Staatssekretär Günter Krings.

Und ihr? Seid ihr noch 7 oder schon 10? Tipps für die Umstellung findet ihr übrigens hier:

Shitstorm der Woche: CDU-Kampagne #Dorfkinder

Es sollte die ins Licht rücken, die von den coolen Kids in urbanen Zentren oft vergessen werden: die Dorfkinder, die sich ehrenamtlich engagieren und die Dorfgemeinschaft am Leben halten. Aber es wurde zum Desaster für die CDU. Die Kampagne #Dorfkinder von Agrarministerin Julia Klöckner zeigt vor allem eins: fehlende Investitionen in ländliche Regionen.

Auf dem Twitter-Profil Klöckners ging die Kampagne am Anfang der Woche viral. Der Hashtag trendete innerhalb von 24 Stunden massiv auf Twitter. Allerdings nicht so, wie sich Klöckner das vorgestellt hat. Etliche Nutzer*innen posten unter #dorfkinder, wie ihr Alltag als Dorfkinder tatsächlich aussah: Busse, die nur einmal in der Stunde fahren, betrunkene Dorfnazis, fehlendes Breitband. Ich habe die besten Tweets für euch rausgesucht:

Julia Klöckner selbst reagierte laut Tagesspiegel auf Twitter auf die Kritik: „Es ist mir ein Anliegen, dass das Leben auf dem Land attraktiver wird. Ich hoffe, die Debatte ist Anstoß für uns alle, bestehende Probleme auf dem Land anzugehen.“

Und jetzt bist du dran: Du wohnst auf dem Land, bist ein echtes #Dorfkind und liebst alles rund um Digitalisierung? Erzähl uns von innovativen Projekten aus deiner Region! Du bist gerade selbst dabei, eines aufzubauen? Super! Schreib uns entweder als Kommentar unter diesem Weekly, bei Social Media (z.B. Twitter: @DigitaleProvinz) oder via E-Mail: digitaleprovinz@korrekturnachoben.de

Das war es für diese Woche mit dem Weekly #8.

Hab ein schönes Wochenende & leg auch mal das Handy weg! #digitaldetox