Herzlich Willkommen zum heutigen Weekly! Schön, dass du mit dabei bist. Ich bin’s mal wieder: Johanna Daher. Heute habe ich diese digitalen Themen für dich:

Gegenentwurf zur #Dorfkinder-Kampagne

Starten wir mit einem Hashtag, der in den letzten Wochen große Wellen geschlagen hat und echt negativ beim Großteil der Online-Community ankam: #Dorfkinder. Vielleicht erinnerst du dich noch an ihn. Meine Kollegin Susanne hat dir vergangene Woche im Weekly davon erzählt. Dabei geht es um die Kampagne von Agrarministerin Julia Klöckner. Sie wollte eigentlich zeigen, wie cool Dorfkinder sind, wie sie sich ehrenamtlich engagieren und die Dorfgemeinschaft bereichern:

Letztendlich zeigte die Kampagne aber fehlende Investitionen in der ländlichen Region. Jetzt gibt es allerdings einen Gegenentwurf. Und zwar von Tim Hartmann, einem Dorfkind aus dem 320-Einwohner-Ort Mittelrode, südlich von Hannover. Er ist voll und ganz Dorfkind und erzählt darüber auf seinem Blog „Dorf statt Stadt“. Im Interview mit „Jetzt.de“ sagt er, dass die Kampagne der Agrarministerin nicht ehrlich genug war. „Die Kampagne war eine Chance, die nicht genutzt wurde“, schreibt er auf Twitter. Deshalb veröffentlicht er jetzt solche Beiträge als Gegenentwurf:

Als gebürtiges Dorfkind (Ort mit 680 Einwohnern in Nordhessen) mag ich seine Ehrlichkeit wirklich gerne und kann die von ihm angesprochenen Punkte auch super nachvollziehen. Was ich aber zusätzlich total schade finde, ist das komplett negative Bild, das viele Menschen von Dorfkinder haben. Ja, da gibt es viele Schwierigkeiten, wie von Tim Hartmann angesprochen, gerade weil nicht besonders gut in den ländlichen Raum investiert wurde. Aber deshalb ist man kein Hinterwäldler. Darüber möchte ich nämlich jetzt mit dir sprechen:

Stadt vs. Dorf?: Jeder ist globales Dorfkind

„Die Verachtung für die Landpomeranzen ist immer noch immens. ‚Da draußen‘ wird die Wurzel allen Übels verortet, die Schuld für das Abdriften nach rechts. Wann endlich hören Städter auf, sich für die Krone der Schöpfung zu halten?“, schreibt Welt-Journalistin Hannelore Crolly. Es ist ein Kommentar, den sie nach der #Dorfkinder-Kampagne verfasst hat. Sie erklärt weiter: „Aber aufschlussreich war, was bei dieser Gelegenheit ebenfalls zutage befördert wurde aus den sozialen Netzen: die tiefe Verachtung und Abscheu nämlich, die offenkundig gebildete, ihrem Selbstverständnis nach ganz bestimmt höchst liberale, tolerante, weltläufige Städter gegenüber der deutschen Provinz empfinden.“

Crolly spricht daraufhin von Klischees, wie, dass alle Dörfler zu viel Alkohol trinken, und das bereits seit sie 13 sind, weil sie vom Dorfleben so gelangweilt sind. Dabei seien 93 Prozent in Deutschland nicht großstädtisch, 60 Prozent der Deutschen würden in Dörfern, Klein- und kleineren Mittelstädten wohnen. Deshalb appelliert die Journalistin daran, dass Dorf und Stadt keine Gegner sein sollten, „sondern miteinander kommunizierende Röhren. Lokal gebunden, global verbunden, so umschreiben das die Zukunftsforscher: Wir reisen und bleiben dennoch ortsverbunden, denken global und handeln lokal. Der Mensch ist letztlich genau das: ein globales #Dorfkind.“

Und diese Zukunftsforscher haben sich bereits vermehrt zu Wort gemeldet und sprechen von sehr positiven Aussichten für die Dörfer. Daniel Dettling ist einer von ihnen. Er schreibt im Magazin „Kommunal“: „Dem Dorf gehört die Zukunft!“ Denn – und so führt er weiter aus: „Die Grenzen zwischen Urbanität und Dörflichkeit verschwimmen zunehmend. Damit entstehen neue Chancen und Perspektiven für den ländlichen Raum und damit auch für die Kommunen. Es geht in Zukunft darum, vor Ort vorhandene Stärken zu stärken und neue zu entwickeln. Weltoffenheit, Kreativität, vernetztes Denken und kulturelle Diversität werden nicht nur in den Städten gelebt.“

Ob diese Chancen genutzt werden und ob deshalb zukünftig besser in den ländlichen Raum investiert wird: Ich würde es mir sehr wünschen. Das bleibt auf jeden Fall ein großes, spannendes und wichtiges Thema, das uns hier immer wieder beschäftigen wird. Deshalb heißen wir ja auch „Digitale Provinz“. Weil wir zeigen wollen, was abseits der Metropolen passiert.

In 48 Stunden ein eigenes Spiel entwickeln!

So lautet die Challenge für alle Teilnehmer*innen des Global Game Jams. Heute (Freitag, 31. Januar) startet der weltweit größte Wettbewerb für Spieleentwickler*innen. Die wiederum sind die gesamte Woche schon total gehyped, wie aus ihren Tweets hervorgeht:

Mit dieser guten Laune starten die Teilnehmer*innen heute Nachmittag ab 17 Uhr in das Event. Dann wird überall auf der Welt das Thema bekanntgegeben. Und zu dem müssen sie dann innerhalb von 48 Stunden ein eigenes Spiel entwickeln. In Deutschland haben sich vorab 47 Locations angemeldet, an denen die Teams starten. Mit dabei sind beispielsweise die Städte Kiel, Herrenberg, Trier, Wuppertal und Leipzig. Übrigens: Ich werde in Wernigerode an der Hochschule Harz mit dabei sein und bin mindestens schon genauso vorfreudig, wie der Twitter-User.

Neben all dem Spaß und der Unterhaltung können Spiele aber noch viel mehr. Darüber hat beispielsweise diese Woche der game-Verband gesprochen:

Ich finde, dass das etwas ist, was viele Menschen, die nicht Teil der Games-Branche sind oder sich nicht so oft mit Spielen auseinandersetzen, meistens nicht auf dem Schirm haben. Mit Spielen kann Wissen vermittelt werden, sie fördern Teamwork, das soziale Miteinander, motorische und kognitive Fähigkeiten. Deshalb sind immer mehr Unternehmen an sogenannter „Gamification“ interessiert, außerdem gibt es extra Spielgenres, wie Serious-, Educational- oder Newsgames, die das Ziel haben, Wissen zu vermitteln und über ernstere Themen zu sprechen. Das werden wir auch hier zukünftig noch häufiger thematisieren.

Besondere Medienbildung aus Finnland

Bleiben wir beim Thema „Bildung und Digitales“. Allerdings weniger mit dem genauen Blick auf Spiele, sondern eher mit dem Fokus auf Medienbildung und Medienpädagogik. Dazu hat Martin Fehrensen nämlich etwas Spannendes getwittert:

Ein sehr wichtiges Themenfeld, das meiner Meinung nach unbedingt Teil des Unterrichts werden sollte. Gerade, weil (fast) alle Schüler*innen im Internet aktiv sind und deshalb jederzeit auf solche Fakes treffen können. Wirklich gut, dass sich andere Länder das Ganze von Finnland abschauen und so das Thema präsenter wird. Ebenfalls wichtig: Lehrer*innen müssen dafür medienpädagogisch besser ausgebildet werden. Bisher habe ich das Gefühl, dass sich der Großteil der Lehrer-Community (zum Beispiel die, die ich täglich auf Twitter erlebe) in seiner Freizeit mit diesen Themen beschäftigt. Weil sie Lust auf Digitalisierung und ihre Projekte haben. Das muss viel stärker gefördert werden – auch finanziell und nicht nur mit dem Kauf von Tablets. Denn die wurden in einigen Schulen angeschafft, aber ohne richtige Fortbildungen der Lehrer*innen.

Darüber haben Daniel Krüger, Chef der „Digitalen Provinz“, und ich auch in unserer jüngsten Podcast-Folge geredet. Falls du sie noch nicht gehört hast, hol das gerne hier nach:

Social Media-Trend: #DollyPartonChallenge

Na, bist du auch auf Facebook, Twitter, LinkedIn, Instagram und Co.? Dann dürftest du ja ungefähr im Kopf haben, was für Bilder du wo postest oder wie du dich dort vielleicht darstellst. Oder du hast einfach die zahlreichen Foto-Collagen gesehen, die seit Tagen in den sozialen Netzwerken geteilt werden. So beispielsweise auch von Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitales:

Worum geht es? Diese Kombination aus vier Fotos, die den User selbst auf den jeweiligen Social Media-Plattformen zeigen, heißt #DollyPartonChallenge. Sängerin Dolly Parton hat mit diesem Trend angefangen, als sie selbstironisch das Meme von sich in den vier sozialen Netzwerken LinkedIn, Facebook, Instagram und Tinder postete. Das Ganze untertitelte sie mit: „Get you a woman who can do it all“ (Such dir eine Frau, die das alles kann):

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Get you a woman who can do it all 😉

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Was ist das Besondere an der #DollyPartonChallenge? Sabine Winkler, Journalistin bei der Welt, kommentiert: „Das Ganze hat eine tiefe Eigenironie. Ausgerechnet eine 74-jährige Frau hält uns mit diesem Meme einen Spiegel vor, macht nebenbei eine feministische Gesellschaftskritik und zeigt, wie absurd es ist, dass wir gar nicht mehr wir selbst sein können im Netz. Und trotzdem feiert die Netzwelt diese Collagen und jeder will Teil davon sein, was eigentlich absurd ist.“

Ist die Challenge etwas Gutes? Ich finde: Ja! Es kann uns nie schaden, wenn wir uns genauer und vor allem kritisch mit dem auseinandersetzen, was wir so posten. Ich plane zum Beispiel seid Anfang des Jahres ganz genau, wann ich was veröffentlichen will. Viele Influencer haben richtige Shootings und wissen, wie sie sich selbst darstellen wollen. Natürlich finde ich es auch schön, wenn man so professionelle Bilder posten kann.

Was wir uns dabei nur immer fragen sollten: Wie viel Fake oder Realität wollen/sollten wir zeigen? Ist das Kunst und kreativ? Oder bearbeiten wir zu sehr, photoshoppen uns dünner als wir sind, weil wir uns in Beauty-Schubladen stecken und uns damit unglücklich machen? Wissen die Leute in unserer Community, dass manche Bilder so stark bearbeitet sind oder denken sie, dass wir so super schlank sind und fangen dann an, sich selbst zu dick zu finden? Das sind nur ein paar der vielen Fragen, die bei dem Thema aufkommen (können). Ich will hier gar nicht so ein großes Fass aufmachen. Vielleicht nimmst du die Fragen einfach für dich mit und denkst darüber nach. Auch so eine Diskussion kann Teil der #DollyPartonChallenge sein. Deshalb befürworte ich den Trend.

Wir sind auf Instagram!

Bleiben wir eben bei Social Media. Und zwar genauer: Bei Instagram! Da sind wir mit der Digitalen Provinz nämlich seit Anfang der Woche. Unter dem Hashtag #DigitalRegional wollen wir dort digitale Projekte abseits der Metropolen zeigen. Spannende Geschichten von Macher*innen erzählen und mit dir über digitale Themen diskutieren. Wenn du möchtest, folge uns gerne.

Vielleicht hast du dich auch schon länger gefragt, wer eigentlich hinter der Digitalen Provinz steckt. Das erfährst du in diesem Post und zukünftig auf dem Channel genauer:

Starte gut ins Wochenende und bis bald!

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Ist euer Dorf hilfsbereit? Meins ja

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Für heute war es das mit dem Weekly schon wieder. Schön, dass du mit dabei warst! Ich freue mich über deine Meinungen und Gedanken – lass uns über die heutigen Themen in den Kommentaren reden. Und: Da wir heute so intensiv übers Dorfleben gesprochen haben, möchte ich diesen Insta-Post zum Abschluss mit dir teilen. Egal ob du ein Dorfkind bist oder nicht: Lass uns das „Jeder hilft jedem“ als persönliche Aufgabe mit in die neue Woche nehmen. Denn, und da hat Hannelore Crolly aus meiner Sicht total recht: Dorf und Stadt sollten nicht für Spaltungen, sondern für gegenseitige Unterstützung sorgen. Starte gut ins Wochenende und bis zum nächsten Mal!