Ist schon wieder Freitag? Ja! Und das bedeutet: Zeit für ein neues Weekly. Ich bin Susanne und habe diese Woche das Weekly von Johanna übernommen. Ich bin ein Original Digital Dorfkind und zeige dir, was diese Woche an der Schnittstelle #digitalregional wichtig war:

Die Hinterland of Things-Konferenz

Das Who is Who der Start-Up-Szene hat sich am Donnerstag im „Hinterland“ Bielefeld in Nordrhein-Westfalen getroffen: Die Konferenz Hinterland of Things 2020 hat etliche Start-Ups, CEOs und Investor*innen in die westdeutsche Provinz gelockt.

Hinterland 2020 Konferenz: Dr. Brigitte Mohn von der Bertelsmann Stiftung im Talk mit Ferry Heilemann, Co Founder der Leaders for Climate Action, und Sebastian Johnston, Gründer von Vivere. Foto: S. Klose

Worum geht’s: Die Konferenz bringt im dritten Jahr in Folge Start-Ups und Investoren zusammen. Dabei steht auch der Standort Bielefeld im Fokus. Von 9.30 Uhr bis 18 Uhr folgte hochkarätiges Panel auf spannendes Seminar auf Live Pitch. Wahnsinnig viel zu sehen – und zu netzwerken. Insgesamt 400 Minuten an interaktiven Panel, Master Classes mit Expert*innen und Gründer*innen tauschten sich im komplett ausverkauften Lokschuppen in Bielefeld aus.

Das Besondere: Auf einer Live Pitch-Bühne konkurrierten Start-Ups um den besten Pitch des Abends. Der glückliche Gewinner Steffen Heinrich von Peregrine freute sich über eine Reise nach Israel. Sein Start-Up analysiert mittels KI den Verkehr für den Fahrer. Das Ziel: mehr Sicherheit auf den Straßen und den Bürgersteigen. Den Rocket Mittelstands-Award für herausragenden Erfolg gewann Celonis, ein Start-Up aus dem Bereich Process Mining.

Die Speaker*innen: Neben großen Multiplayern wie Miele und Dr. Oetker hatten die Organisator*innen auch internationale Expert*innen geladen. Aus Israel war Wendy Singer, Executive Director der Non-Profit Start-Up National Central, angereist und erklärte die aktuellen Trends der israelischen Start-Up-Szene. Besonders lehrreich war die Master Class zum Thema Expansion von Startups von Nina Levchuk:

Kurios: Jede Menge Aufmerksamkeit zog der Talk von Schüttflix auf sich. Denn das Schüttgut-Unternehmen um Christian Hülsewig hatte prominente Unterstützung dabei. Die Schauspielerin Sophia Thomalla ist Gesellschafterin bei Schüttflix – und stand Modell für den firmeneigenen Kalender.

Schüttflix-CEO Christian Hülsewig (l.) und Sophia Thomalla (r.) auf der Live-Pitch Bühne bei HInterland 2020. Foto: Susanne Klose

Mein persönliches Highlight: Das letzte Panel mit Dr. Reinhard Zinkann, Executive Director und Mitinhaber von Miele & Cie. KG, Sarna Rösner, Rösner FAM-CEO und Bundesvorsitzende die Jungen Unternehmer, sowie Jan-Hendrik Goldbeck, Managing Partner bei Goldbeck. Ihr Panel zum Thema Familienunternehmen und Digitalisierung warf viele Fragen auf, besonders mit Blick auf #digitalregional. Dazu bald mehr in einem separaten Blogpost.

Thematisch bleiben wir noch ein bisschen in Bielefeld – dass eine Konferenz wie Hinterland of Things dort stattfindet, ist bezeichnend für das Potenzial der oft unterschätzten Stadt.

Bielefeld ist Open Innovation City

In Ostwestfalen läuft es diese Woche smart: Bielefeld ist die erste Open Innovation City Deutschlands. Das bedeutet vor allem eine engere Vernetzung von Wirtschaft, Hochschulen, Start-Ups, Politik und Gesellschaft, erklärt Almut Rademacher vom Verein OWL Maschinenbau in einem Interview mit dem Blog Smart Country.

Was ist Open Innovation: Laut Website steht das Prinzip der „Open Innovation“ für eine offene Innovationskultur, für gezielten Austausch und enge Einbindung der Menschen in Innovationsprozesse. Auf diese Weise soll in Zeiten schnellen technologischen und gesellschaftlichen Wandels die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit gestärkt werden, so die Entwickler*innen. Das Projekt „Open Innovation City“ setzt sich zum Ziel, das Prinzip auf eine Stadt zu übertragen.

Worum geht’s konkret: Die verschiedenen Akteure sollen noch enger zusammenarbeiten, um das volle Potenzial einer Stadt auszuschöpfen. Almut Rademacher verdeutlicht das am Beispiel einer fiktiven neuen medizinischen Fakultät an der Universität Bielefeld. Diese könne dann mit der Bodelschwinghschen Stiftung Bethel, den medizintechnischen Unternehmen und betroffenen Bielefelder*innen praxisnah kooperieren.

Wir möchten, dass Bielefeld auch weiterhin für hervorragende Innovationen steht, in Form neuartiger wissenschaftlicher Erkenntnisse mit hoher Relevanz für den Alltag und zukunftsfähiger Produkte und Patente.

Almut Rademacher (OWL Maschinenbau), Smart Country, 12.02.2020

Warum Bielefeld: Ja, Bielefeld existiert tatsächlich, alle bösen Witze rund um die Stadt in Nordrhein-Westfalen mal beiseite. Sie gilt als Stadt des Deutschen Mittelstands, wie Almut Rademacher betont. Die Stadt ist eines der wirtschaftlichen Zentren der Region. Viele spannende Projekte siedeln sich hier in Ostwestfalen an, siehe Hinterland of Things. Das ganze Interview lest ihr übrigens hier.

Mobil auf dem Dorf mit dem Bürgerauto

Jedes #Dorfkind kennt es: Der Bus fährt nur alle zwei Stunden in die nächstgrößere Stadt oder Dorf. Wenn er denn überhaupt fährt. In Nordrhein-Westfalen testen drei Gemeinden eine neue Lösung: das Bürgerauto. Das berichtet das Magazin Kommunal .

Das Modell: In Niederkrüchten, Schwalmtal und Brüggen im Kreis Viersen werden ab April insgesamt zwölf ehrenamtliche Fahrer*innen bei Bedarf zwischen 8 Uhr und 17 Uhr unterwegs sein. Anders als bei Projekten wie dem Bürgerbus, hält das Bürgerauto direkt vor der Haustür. Ein möglicherweise beschwerlicher Weg zur nächsten Haltestelle fällt weg. Die Betreuung übernimmt der Verein Jedermannhilfe. Die Fahrer*innen werden per Smartphone gebucht und koordinieren ihre Fahrten mit dem Renault Kangoo in der Elektro-Variante eigenständig. Einzige Voraussetzung: Die Personen müssen alleine ein- und aussteigen können.

Niederkrüchten Bürgermeister Kalle Wassong betont vor allem, dass das Bürgerauto keine Konkurrenz zu Taxi oder ÖPNV ist, sondern ein Ergänzung.

Kommunal.de, Drei Gemeinden testen Bürgerauto, 11.02.2020

Hintergrund: Die Gemeinden Niederkrüchten, Schwalmtal und Brüggen im Kreis Viersen bewegen sich alle im Bereich von 15.000 Einwohner*innen. Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ist hier wie in vielen kleineren Gemeinden nicht sonderlich gut ausgebaut. Ein Taxi ist teuer, der eigene Führerschein in einigen Fällen älter als so manche Nachbar*innen. Die Bürgermeister der jeweiligen Gemeinden sehen auch deshalb im Projekt viel Potenzial.

Kosten und Finanzierung: Pro Fahrt innerhalb der drei Orte werden je nach Entfernung ein bis vier Euro fällig. Neben den Ehrenamtlichen unterstützt die Bezirksregierung Düsseldorf das Projekt finanziell mit 30.000 Euro. Auch ein örtlicher Stromlieferant sowie die Sparkasse bezuschussen das Bürgerauto. Letztere hatte angekündigt, mehrere Filialen in den Gemeinden zu schließen. Dagegen protestierten die Bürgermeister und viele ältere Menschen. Der Zuschuss solle als eine Art Kompensation dienen, berichtet Kommunal

Mit dem Traktor auf TikTok

TikTok ist die App, über die gerade alle sprechen: Kurze Videos, die manchmal zum lachen sind, oft starkes Fremdschämen auslösen. Das Format funktioniert, über 800 Millionen Nutzer drehen kurze Sketche, singen Karaoke – oder nehmen die User*in mit in den Stall. Das macht Bauer Sebastian Bützler.

@bastbu

#einervondrei unserer #melk #roboter im #einsatz. #nurdasbeste für die #kuh. #roboticmilking #milking #robot #lely #a5 #landwirtschaft #farmlife #farm

♬ No Milk Today – Hermans Hermits

Der Agrarwirt aus der Eifel betreibt ist maximal #digitalregional unterwegs und betreibt auch einen eigenen Youtube-Kanal. In seinen Videos fliegt er auch mal mit der Drohne durch den Stall. Auch Sohnemann Moritz hilft seinem Papa beim Gülle ausfahren – das Video hat über 4 Millionen Klicks. Nebenbei bloggt der Bauer auch auf Hofheld.

Die App: TikTok hatte zuletzt viel Kritik kassiert. Moderator*innen begrenzten mindestens in der bis September 2019 die Reichweite von Videos von User*innen mit Autismus oder nicht-schlanken Menschen, wie die Tagesschau berichtete. TikTok rechtfertige diese Diskriminierung dieser „besonderen Menschen“ (Zitat TikTok) mit Schutz vor Mobbing. Auch Videos mit Kritik an TikTok erhielten weniger Reichweite. Datenschützer warnen auch vor der App: In der Standard-Einstellung sind alle Videos zunächst öffentlich. Die Nutzung der App ist laut AGB erst ab 13 Jahren erlaubt und Minderjährige brauchen eine Einverständniserklärung ihrer Eltern. Aber – wer prüft das schon nach?

Trotzdem ist die App extrem erfolgreich. Das hat auch Technik-Gigant Google erkannt – und will jetzt nachziehen, wie Johanna im letzten Weekly erklärt hat.

Neues vom KoDorf und Co-Working auf dem Land

Co-Working gehört zu Metropolen wie der Flat White zum urbanen Lifestyle. Mittlerweile holt das Land auf: In vielen kleineren Städten und Landkreisen sind Co-Working Spaces in der Planung.

Neuigkeiten gibt es aber erst einmal vom KoDorf: Nach einem weiteren Treffen in Kreuzberg am vergangenen Mittwoch sind fast alle Grundstücke für das KoDorf Wiesenburg vergeben. Gründer Frederik Fischer freut sich über das hohe Interesse an seinem Projekt:

Die Atmosphäre war einfach toll! Die Leute schätzen unseren undogmatischen Ansatz. Das zeigt auch: Die Zeit ist reif für so ein Projekt

Frederik Fischer

Ich finde das Projekt super innovativ und werde dich weiter auf dem Laufenden halten. Neben dem KoDorf hat sich diese Woche einiges rund um Co-Working getan.

Im hessischen Schwalmstadt ist Co-Working jetzt auch angekommen. Hier stehen 14 mietbare Arbeitsplätze zur Verfügung, wie die Hessische Niedersächsische Allgemeine (HNA) berichtet.

Für das moderne Projekt nutzt die Stadt das ehemalige Postgebäude neben dem Bahnhof Treysa. Finanziert wird das Projekt von der Stadt Schwalmstadt. Weitere Fördermittel flossen aus dem Kommunalen Ausgleichsstock des Schwalm-Eder-Kreises und aus Mitteln der ländlichen Regionalentwicklung (LEADER). Und so sieht die Zukunft der Arbeit in der knapp 19.000 Einwohner*innen-Stadt aus:

Im Westen noch mehr Neues: In Freudenberg in Nordrhein-Westfalen liebäugeln Stadt und Deutsche Post mit einem Co-Working-Space im Briefzentrum. Dort ist seit dem Umzug der Post eine komplette Etage frei – perfekt für Unternehmen, findet Bürgermeisterin Nicole Reschke.

„Die Nachfrage nach Immobilien für Unternehmen ist riesengroß, doch es fehlt in Freudenberg an Flächen.

Bürgermeisterin Nicole Reschke, Westfalenpost, 09.02.2020

Co-Working ist das große Thema, wenn es um Digitalisierung und Neue Arbeit geht. Viele sehen darin die Zukunft der Arbeit auf dem Land. Im letzten Podcast hat Daniel dazu Ulrich Bähr vor’s Mikro gebeten, Projektleiter von CoWorkLand. Die Folge könnt ihr übrigens kostenlos bei Spotify hören:

Event-Tipp: Digital:Relaunch-Konferenz in Berlin

Am 17. und 18. Februar dreht sich bei Digital:Relaunch Konferenz+Seminar in Berlin alles um Digitalisierung und Mittelstand. Am ersten Tag finden Vorträge von Expert*innen aus Bereichen wie Content Management und Künstliche Intelligenz statt. Abends gibt es mit zwei DJ-Sets auf der Party Digital:Bash ordentlich was auf die Ohren. Der 18. Februar ist dann dezidierter Seminartag mit Best Practice-Beispielen zur Umsetzung digitaler Strategien im Mittelstand.

Die Digital:Relaunch Konferenz+Seminar findet in Europas erstem Musik Hotel nhow Berlin, Stralauer Allee 3, statt. Tickets für das Event findest du hier.

Mach’s gut und bis bald!

Starte entspannt ins Wochenende und leg auch mal das Handy weg. #digitaldetox

Übrigens: Wenn du gerne kreativ bist, habe ich hier noch ein cooles Tool für dich: Calligraphr. Damit kannst du aus deiner Handschrift fix deine ganz persönliche Schrift entwickeln. Einfach das Template ausdrucken, handschriftlich ausfüllen, abfotografieren, hochladen – fertig ist der eigene Font. So kann das Ganze dann aussehen: