Thank God It’s Friday – TGIF! Das bedeutet: ein neues Weekly mit allen News rund um #digitalregional. Ich bin es mal wieder, Susanne. Ihr kennt mich vielleicht schon aus Klassikern wie Weekly 11 und Weekly 8. Oder aus unserer aktuellen Podcast-Folge. Diesmal habe ich für euch:

Silicon Vilstal ist ESER 2020

Das Silicon Vilstal gilt als Paradebeispiel für die gemeinnützige Verbindung von #digitalregional. Jetzt wurde die Mitmachinitiative von der EU-Kommission als European Social Economy Region 2020 (ESER) ausgewählt.

Worum geht’s: ESER will regionale und lokale gut aufgestellte Wirtschaftsregionen sichtbar machen. Dafür werden lokale Player gefördert. Weiteren deutsche ESER-Regionen 2020 sind Berlin, München, Mannheim und die Rhein-Necker Region.

Warum Silicon Vilstal: Die Initiative veranstaltet vom 17. – 20. September 2020 das Silicon Vilstal Erlebnisfestival. Auf einem historischen Bauernhof in Holzhausen/Vilstal bieten die Veranstalter*innen Vorträge, Kurse, Workshops und Mitmachaktionen. Schwerpunkt sind laut Website die Themen Innovation, Gründergeist und Kreativität. Das Festival ist der ESER-Beitrag 2020.

Tickets für das Event findet ihr übrigens hier.

Roboter Dino statt Glyphosat gegen Unkraut

Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat steht schon lange in der Kritik: schlecht für die Umwelt, wahrscheinlich krebserregend. Der Bayer-Konzern ist in den USA in mehreren Fällen zu Schadensersatzzahlungen in Millionenhöhe verklagt worden. Das Unternehmen hatte den Glyphosat-Hersteller Monsanto 2018 gekauft. Einen Überblick über das Thema bietet Zeit Online.

Eine nachhaltigere Alternative kommt aus dem Technik-Bereich. Die autonom arbeitende und elektrisch betriebene Landmaschine Dino von Naïo Technologies soll das lästige Unkrautjäten übernehmen. Das berichtet Auto, Motor und Sport.

Wie das funktioniert: Bevor er loslegt, muss Dino über sein Kommando-Display eingestellt werden. Dann jätet er los und muss weder weiter bedient noch beaufsichtigt werden. GPS-Überwachung überwacht den Standort von Dino. Sollte er sich nicht an seinem Bestimmungsort befinden, erhält der Besitzer eine Textnachricht, schreibt Auto, Motor und Sport. Die Maschine arbeitet bis auf zwei Zentimeter genau. Dafür muss ein Grundstücksplan hinterlegt werden. Dabei hilft die GPS-Überwachung und eine Kamera, die Dino mitteilt, was Unkraut und was Gemüse ist. 

Das Besondere: Dino kann pro Tag etwa fünf Hektar Land bearbeiten. Der Lithium-Ionen-Akku soll laut Naïo zwischen acht und zehn Stunden halten. Mit Allradgetriebe schafft Dino bis zu vier Km/h. Dabei kann Dino auf der Stelle wenden. Außerdem lässt er sch mit anderen Gerätschaften aus dem Hause Naïo wie einem Pflug oder Eggen koppeln.

Unkrautjäter Dino führt die Familientradition fort.

Fazit: Richtig cooles Ding, aber mit Kosten von mutmaßlich 200.000 Euro nicht gerade billig. Trotzdem eine gute Investition in Umweltschutz. Auto, Motor und Sport hat hier noch einen Tipp: Der Naio Oz ist ebenfall zum Unkrautjäten, dafür billiger und deutlich kleiner als sein 2,50 Meter langer und 1,30 Meter hoher Bruder mit knapp 800 Kilo.

Lebensmittel einkaufen 2.0 auf dem Dorf

Eine Kneipe, eine Bank, ein kleiner Tante-Emma-Laden – das sind die Dinge, die ein Dorf mindestens haben muss. Was aber, wenn Tante Emma schließt, wegzieht oder sogar stirbt? Spätestens dann beginnt das große Ausbluten. Wenn der nächste Laden 20 Minuten entfernt ist und der Bus nur einmal die Stunde fährt. Gerade ältere Menschen sind dann oft auf die Familie oder Nachbar*innen angewiesen. Neue Konzepte sollen diese Lücke füllen.

Mobiler Supermarkt mit regionalen Produkten

Das Forschungsprojekt Digitales Dorf will untersuchen, wie das mit Hilfe von digitaler Technik möglich ist. Das Projekt ist am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS in Nürnberg angesiedelt. Seit 2016 bemühen sich die Forscher und Entwickler mit staatlicher Unterstützung um neue digitale Lösungen in den Lebensbereichen Medizin und Pflege, Mobilität, Bildung und Nahversorgung. Das berichtet die Nürnberger Nachrichten. Eines dieser Projekte ist der Mobile digitale Dorfladen im Kreis Tirschenreuth. Er beliefert seit August 2018 knapp 33 Orte in der Region.

Wie das funktioniert: Auf einer digitalen Plattform vernetzen sich Bürger*innen und Anbieter*innen regionaler Produkte miteinander. Sie tauschen Daten aus und planen so die Touren des mobilen Dorfladens. Ein Online-Shop zeigt den potenziellen Kund*innen den Warenbestand an. Rund 200 Produkte befinden sich in dem MAN-LKW, auch Geldabheben ist möglich. Mit an Board: regionale Produkte von etwa 20 Anbietern. Etwa 4000 Bürger*innen nutzen das Angebot, so die Nürnberger Nachrichten.

Wann der mobile Dorfladen in welches Dorf fährt, erfährst du hier.

Der 24/7 Supermarkt in Altengottern

In Altengottern im Unstrut-Hainich-Kreis in Thüringen läuft das Ganze sogar ohne Personal: der 24h Tag & Nacht Markt hat immer offen. Das berichten Thüringer Allgemeine und der MDR.

Wie funktioniert das: Mit einer Zugangskarte lässt sich die Tür des Containers öffnen. Diese kann man online beantragen und laut Facebookseite vorläufig noch bis zum 22. Februar zwischen 10 und 15 Uhr vor Ort bei einer Mitarbeiterin abholen. Mit dem Einscannen der Karte am Lesegerät öffnet sich die Tür zum Vorraum. Dort öffnet sich dann nach Eingabe des PIN eine weitere Tür zum eigentlichen Verkaufsraum. Dann heißt es: shoppen, shoppen, shoppen. Eingescannt wird selbst, bezahlt per Karte. Dann geht es zurück durch zwei Türen nach draußen. Die zwei Türen sollen verhindern, dass jemand durch den Ausgang den Container ohne Karte betritt.

Was gibt es: Das Sortiment gleicht laut MDR dem eines durchschnittlichen Supermarkts. Rund 1000 Artikel befinden sich in den Regalen, nicht teurer als in anderen Supermärkten. Was es nicht gibt: Tabak und Alkohol. Da niemand das Alter der Käufer*innen überprüfen kann, verzichtet der 24/7-Laden darauf. Nach eigenen Angaben kaufen durchschnittlich 600 Bürger*innen dort ein.

„Wenn man mal was vergessen hat, ist es super das einfach spontan besorgen zu können. Egal wie spät es ist.“

Kunde Kevin Bawig aus Altengottern, Thüringer Allgemeine, 13.02.2020

Ja, aber: Prinzipiell ist das Konzept super. Was ich an dieser Stelle problematisch finde, sind die etlichen Kameras. Laut MDR-Beitrag befinden diese sich an der Decke und benutzen Gesichtserkennungssoftware. Eine digitale Verkäuferin mit vielen Augen, heißt es. Bleibt die Frage, wo die Gute ihre Daten speichert. Aus Datenschutz-Sicht finde ich das persönlich extrem bedenklich. Gleichzeitig ist es natürlich verständlich, dass ein Supermarkt ohne Personal auf Kameras angewiesen ist. Deshalb habe ich den Betreiber angefragt, wie mit den Daten verfahren wird, und halte euch auf dem laufenden.

Gesichtserkennung in Supermärkten

Übrigens ist Gesichtserkennung in einigen Supermärkten bereit Realität, wie unter anderem der Spiegel schon 2017 berichtet. So ließ der Supermarktbetreiber Real die Gesichter von Kunden analysieren, die im Kassenbereich auf Werbebildschirme schauten.

Die Kamera analysiere Geschlecht und Alter und speichere die Dauer der Betrachtung. Das Unternehmen nutzt nach eigener Aussage die entstandenen Daten nicht, sondern übermittelt sie an den Betreiber Echion. Die Augsburger Firma wolle damit die Qualität der ausgestrahlten Werbefilme zielgruppenorientiert anpassen.

Spiegel, Real lässt Gesichter von Kunden analysieren, 29.05.2017

Real selbst argumentierte gegenüber dem Spiegel, dass die Kamera nur Alter und Geschlecht erfasse, nicht aber die Person. In einem ähnlichen Zeitraum testete auch die Deutsche Post in ihren Filialen die Gesichterkennungssoftware. Aktivisten vom Verein Digitalcourage hatten laut SZ Anzeige gestellt gegen beide Firmen, da diese Praxis gegen das Gesetz verstoße. Daraufin hatte Real die Nutzung eingestellt.

Die Deutsche Post hatte erst Mitte 2017 weitere Testläufe angekündigt. Es würden keinerlei Bild- oder Videoaufnahmen gespeichert, weshalb in dieser Testphase nicht die Zustimmung der Kunden nötig sei – auch rechtlich nicht, so Post-Sprecher Dieter Nawrath gegenüber der Welt. Ob weiterhin Gesichtserkennungssoftware genutzt wird? Eine entsprechende Anfrage läuft.

Die Zeit hat dazu eine nicht ganz ernstgemeinte Umfrage in Postschlangen durchgeführt. Um zu wissen, was die Leute wirklich wollen. Ich sage nur: Bushidoerkennungsssoftware.

Was für 1 Kuh-les Leben im Stall!

Landwirtschaft goes Social Media: Der Trend in den Ställen Deutschlands geht eindeutig zu Youtube, Instagram, TikTok und Co. Letzte Woche habe ich dir in Weekly #11 den TikTok-Bauer Sebastian Bützler vorgestellt. Neue Maßstäbe setzt die Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e.V. mit dem Youtube-Kanal My Kuh Tube. Dafür gab’s einen Preis für die besten Kommunikatoren in der Agrar-Branche.

Worum geht’s: Insgesamt 18 Landwirt*innen aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen nehmen die Viewer*innen mit in den Stall. Zwei Videos pro Woche werden auf Youtube und der Projekt-Website veröffentlicht. Dabei geht es – natürlich – nicht nur um niedliche Kühe, sondern auch aum Aufklärung. Das greift die Website noch einmal gesondert auf: Vom Sozialleben der Kuh bis hin zur Besamung. Insgesamt 600 Videos gibt es laut ZDF heute mittlerweile, mit insgesamt 26 Millionen Aufrufen.

Wir nehmen die Leute da hin mit, wo sie sonst nicht hinkommen würden

Landwirtin Maren Boltes, Kühe als Internet-Starts, ZDF heute, 05.02.2020

Ja, aber: Ja, die Kühe sind süß und vielleicht ist das der neue Cat Content. Trotzdem fehlt mir hier die kritische Seite. Zwar sprechen die Bäuer*innen auch Dinge wie die Milchpreise an. Vergessen sollte die Viewer*in aber nicht, dass nicht jede Stallhaltung automatisch tierfreundlich oder gar -gerecht ist, nur weil im Video niedliche Kühe in die Kamera blinzeln. Über die Kühe freuen, ja. Aber auch kritisch auf die Haltungsbedingungen gucken.

Nachhaltig unterwegs mit Fahrkreis

In Regionen mit schlechter Infrastruktur ist das Auto ein Muss: Ohne Auto kein Einkaufen, kein Besuch bei Freund*innen, kein Arzttermin. Manchmal ist sogar der Weg zur Schule oder Ausbildungsstätte schwierig. Dabei soll jetzt die App Fahrkreis helfen. Entwickelt wurde sie von Forscher*innen der Arbeitsgruppe Wirtschaftsinformatik der Universität Oldenburg. Sie gehört zum Forschungsprojekt NEMo – Nachhaltige Erfüllung von Mobilitätsbedürfnissen im ländlichen Raum. Das berichtet das Jugendhilfeportal.

Wie das funktioniert: Die App übernimmt die komplette Routenplanung und verbindet Auskunft zum Nahverkehr mit weiteren Features. Neben der Vermittlung von Mitfahrgelegenheiten verbindet Fahrkreis mehrere Transportmittel miteinander. Wer sieht, dass Bus X erst in 40 Minuten fährt, findet vielleicht über die App Nachbar*in Y, die sowieso in die Richtung möchte. In einem anderen Szenario berechnet Fahrkreis den Weg zum nächsten Bahnhof vielleicht mit den Rad. Nach dem Umsteigen könnte es dann mit dem Bus weitergehen.

Das Besondere: Ein Ausweissystem soll Fahrer*innen und Mitfahrer*innen ein sicheres Gefühl vermitteln. Denn beide kennen sich nicht unbedingt. Und wer steigt schon gerne zu einer fremden Person ins Auto? Richtig.

Die Entwicklung: Der Landkreis Wesermarsch in Niedersachsen ist extrem dünn besiedelt. Wer hier kein Auto hat, hat ein Problem. Genau richtig also für das Projekt NEMo. Die Forscher*innen haben den Wesermascher*innen in Online-Befragungen und Interviews auf den Zahn gefühlt. Als Zielgruppe für die App kristallisierten sich Berufspendler*innen, Senior*innen und Azubis heraus. Spannend auch die Antworten auf die Frage, warum die meisten Menschen lieber alleine Auto fahren. Neben einem gewissen Sicherheitsbedenken ging es vor allem um mögliche Haftpflicht und Zeitverlust. Dies lösten die Entwickler mit besagtem Ausweissystem. In einer weiteren Testphase rund hundert Personen in der Stadt Oldenburg und den umliegenden Landkreisen die App.

Event-Tipp: Shake up the Workplace!

In Zürich dreht sich am 9. März alles um das Thema New Work: Shake up the Workplace will Technik und Mensch enger zusammenbringen. Anders als eine klassische Konferenz sehen sich die Veranstalter*innen als eine Un-Konferenz. Keine starren Strukturen, sondern eine Grundagenda, in der sich jede*r frei bewegen kann.

Mit dabei: Viele coole Speaker*innen wie Heiko Fischer, CEO von Resourceful Humans und beim Thema New Work ganz weit vorne mit dabei. Tickets findet ihr hier. Bis zum 23. Februar könnt ihr übrigens ein Ticket gewinnen!

NEU: Das Weekly To Go

Wir haben uns lange Gedanken gemacht, wie wir unser Weekly noch besser und barrierearmer gestalten können. Deshalb gibt es jetzt das Weekly To Go, einen Mini-Podcast mit den wichtigsten News aus dem regulären Weekly, für alle die lieber hören statt lesen oder visuell eingeschränkt sind. Das Weekly findet ihr auf allen unseren Kanälen und natürlich hier auf dem Blog. Probiert es aus!

Mach’s gut & bis zum nächsten Weekly!

Das war’s mit unserem #digitalregional-Weekly #12. Ich hoffe, du hast ein erholsames Wochenende und kannst ein bisschen abschalten. Dafür würde ich dir noch ein cooles Gadget ans digitale Herz legen. Ich kann besonders gut entspannen, wenn ich weiß, dass ich zu 92,654 Prozent meinen Kram auf dem Schirm habe. Im Fall von Planny auf dem Bildschirm.

Planny 3 funktioniert wie eine To-Do-Liste, macht aber weitaus mehr Spaß. Voreingestellte Reiter und Schlagwörter wie EInkaufen oder Studium erleichtern dir deinen Orga-Stuff. Entwickelt wurde Planny übrigens von Kevin Reutter. Der Mittzwanziger studiert Informatik in Hamburg. Aus seiner Technik-Hand stammt auch die App Flappy, ein digitales Karteikartensystem.