Endlich Freitag! Und endlich wieder das wöchentliche Weekly mit den News an der Schnittstelle von #digitalregional. Ich bin es wieder, Susanne. Und das habe ich diese Woche für dich in diesem Internet gefunden:

Deutsche Bahn macht in Co-Working

Angekündigt hatte die Deutsche Bahn es bereits seit 2018, jetzt wird es ernst: Im Berliner Hauptbahnhof entsteht aktuell der erste Co-Working-Space des Konzerns. Das berichtet Co-Working-Experte Tobias Kremkau unter Bezug auf die Funkschau.

Worum geht’s: Auf einer Fläche von 1.500 Quadratmetern im 10. Stock des Bügelbaus will der Konzern etwa 300 Arbeitsplätze vermieten, heißt es bei t3n. Dabei sollen in einer ersten Phase die Arbeitsplätze an langfristige Mieter vergeben werden. Ab April können Pendler*innen diese dann flexibel per App mieten. Aktuell suche die Deutsche Bahn weiterhin einen Betreiber für den Coworking Space am Berliner Hauptbahnhof. An den Start gehe das Projekt EveryWorks trotzdem, so die Immobilienzeitung unter Berufung auf die Presseabteilung der Deutschen Bahn.

Hintergrund: EveryWorks sollte bereits vor Monaten anlaufen. 2018 hatte die Deutsche Bahn im Rahmen eines Pilotprojekts erstmals im Berliner Hauptbahnhof einen temporären Co-Working-Space eingerichtet, in Kooperation mit WeWork. Im Herbst 2018 wurden die Pläne für EveryWorks dann bekannt, so die Immobilienzeitung. Mitte 2019 wurde dann über das Kartellamt bekannt, dass Deutsche Bahn und Office Designs ein Joint Venture planen. Laut Immobilienzeitung fehlten einige Genehmigungen, sodass die geplante erste Eröffnung des Co-Working Space im Herbst 2019 abgesagt werden musste. Jetzt ist das gesamte Joint Venture abgeblasen.

Übrigens: Tobias Kremkau ist nicht nur Co-Working-Master, er war auch der allererste Gast bei uns im Podcast. Hört mal rein!

Stadt Soest ist Digital Hub in NRW

Mitten in Nordrhein-Westfalen liegt eine der digitalsten Kleinstädte Deutschlands. Die Stadt Soest wird seit 2018 als eine von fünf digitalen Modellregionen in Nordrhein-Westfalen vom Land gefördert. Bis heute das die Stadt 20 von 30 anvisierten digitalen Projekten umgesetzt. Damit ist sie Spitzenreiter der Modellregionen. Das Blog Smart Country hat dort vorbeigeschaut.

Worum geht’s: Insgesamt gibt es in NRW fünf Modellregionen. Neben Soest sind auch Paderborn, Aachen, Wuppertal und Gelsenkirchen dafür ausgewählt worden. Soest gilt laut Smart Country als Leitkommune, mit der Stadt Soest, dem Kreis Soest und der Stadt Lippstadt. Bis Sommer 2022 läuft das Projekt noch, das mit zehn bis 15 Millionen vom Land gefördert wird.

App Big Bird Westfalen macht ÖPNV barrierearm

Soest Digital: Im Zentrum des digitalen Unterfangens stehen E-Government, Bildung, Infrastruktur, eine attraktive Innenstadt, Mobilität, Gesundheit und Bürgerbeteiligung. Besonders die Stadtverwaltung soll möglichst mit zwei Klicks zum Besuch einladen. Ein weiteres spannendes Beispiel ist die App Big Bird Westfalen. Diese soll beim Einsteigen in Bus und Bahn automatisch das günstigste Ticket für den Fahrgast ziehen. Das funktioniert via Bluetooth über das Smartphone und ein in Bus oder Bahn installierte Box. Das macht den ÖPNV besonders barrierearm für Menschen, die visuell beeinträchtigt sind. Etliche weitere Projekte laufen dazu parallel wie die Bürgerwolke, die in Echtzeit Wetterdaten in Soest misst oder das Stadtlabor: eine digitale Spielwiese für Bürger*innen.

Warum Soest: Die Stadt mit den knapp 50.000 Einwohnern kämpft wie viele Kleinstädte gegen Abwanderung von Mensch und Industrie. Dagegen soll der Fokus auf Digitalisierung helfen. Die Mühe hat sich augenscheinlich gelohnt. Seit 2019 gilt die Stadt offiziell als Smart City. Auch die Verwaltung hat die Zeichen der Zeit erkannt. Um etwa gegen den demografischen Wandel im öffentlichen Dienst anzugehen, setzt die Stadtverwaltung verstärkt auf Online-Dienstleistungen. Der Wille zur Digitalisierung und dem Nutzen dieses Potenzials zieht sich durch die gesamte Stadt.

„Wenn man heute als Kommune überlebensfähig bleiben möchte, muss man sich über digitale Technologien ernsthaft Gedanken machen“

Stephan Siegert, Soest Digital, Smart Country, 02.03.2020

Den ganzen Beitrag findet ihr hier. Eine Übersicht über alle Projekte findet ihr hier. Dass Soest mittlerweile ein digitaler place to be ist, hat mir auf der Hinterland of Things auch Dennis Wiosna von Spot AR erzählt.

Digitalisierung stärkt Teilhabe

Was die Soester App Big Bird Westfalen direkt umsetzt mit ihrem vereinfachten Ticketkauf, belegt eine Studie des Instituts für Wirtschaft in Köln in Zahlen. Digitalisierung bietet für Menschen, die körperlich eingeschränkt sind, große Chancen, wie der Informationsdienst des deutschen Instituts für Wirtschaft (iwd) berichtet.

Hintergrund: Laut iwd haben 55 Prozent aller Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren mindestens einen Mitarbeiter mit Behinderung beschäftigt. Etwa 88 Prozent der beschäftigten Menschen mit schweren Behinderungen arbeiten auf Fachkräfteniveau. Dennoch ist diese Gruppe laut iwd häufiger und länger von Arbeitslosigkeit betroffen als Menschen ohne Behinderung.

Worum geht’s: Das IW hat 1.200 Unternehmen in einer Online-Befragung um eine Einschätzung gebeten, inwiefern die Digitalisierung die Arbeitswelt für Menschen mit Behinderungen beeinflussen könnte. Fast 30 Prozent der befragten Unternehmen glaubt, dass die Digitalisierung die Chancen auf dem Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung verbessert. Die weiteren Ergebnisse findet ihr in den Infografiken.

So viel Prozent der Unternehmen, die Menschen mit Behinderung beschäftigen oder beschäftigt haben, sehen in der Digitalisierung Chancen für die Inklusion. Quelle: iw
Hemmnisse und Erleichterungen im Arbeitsalltag für Unternehmen, die Menschen mit Behinderung
beschäftigen oder beschäftigt haben. Quelle: iw

Ja, aber: Solange kein grundsätzliches Umdenken in der Gesellschaft zum Thema Inklusion passiert, bleiben viele dieser Chancen Schall und Rauch. Menschen mit Behinderungen werden gesellschaftlich sprachlich zu „Behinderten“ gemacht. Dafür gibt es den sozialwissenschaft-lichen Begriff des Ableism. Dazu gibt es eine gute Broschüre des Vereins Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ILS). Ableismus beschreibt kurz gesagt die Reduzierung eines Menschen auf seine oder ihre Beeinträchtigungen. Es ist toll, wenn die Umfrage die Bereitschaft von Unternehmen zeigt, Menschen mit Beeinträchtigungen zu beschäftigen. Es ist nur schade, dass dies etwas besonderes ist und nicht Alltag.

Virtuelle Realitäten helfen Senior*innen

Deutschland wird immer älter, das zeigen zahlreiche Studien. Gerade in ländlichen Gegenden wohnen viele Senior*innen häufig ihr ganzes Leben lang im gleichen Dorf. In vielen Gegenden blutet die Dorfgemeinschaft jedoch aus. Oft ist die eigene Mobilität durch Alterserscheinungen oder schlecht ausgebauten ÖPNV dann noch eingeschränkt. Diese Kombination steigert vor allem eins: das Gefühl von Einsamkeit. Dagegen hiflt? Virtual Reality, schreibt das Forbes Magazin.

Das Projekt: Kenta Toshima, ein Wissenschaftler in Tokyo, nutzt VR-Brillen, um ältere Menschen zurück an bekannte Orte aus ihrer Vergangenheit zu bringen. Und wer schon immer mal das Taj Mahal besichtigen wollte, kann das nun im hohen Alter per Knopfdruck doch noch nachholen. So könne er das körperliche Handicap der Älteren mit neuer Technologie ausgleichen, erklärt der Forscher gegenüber Forbes. Dies steigere die Lebensqualität der Senior*innen und kann im Fall von Krankheit sogar helfen, die Motivation auf Heilung zu steigern.

Hintergrund: Toshima arbeitete in einem Pflegeheim und eine Bewohnerin erzählte im, dass sie gerne noch einmal ihren liebsten Pflaumenhain sehen würde. Der Wissenschaftler machte daraufhin Bilder vor Ort, um sie ihr zu zeigen. Dabei bemerkte er, dass es schwierig war, Bilder zu machen, die ihren Erinnerungen gerecht wurden. Die Lösung: Aufnahmen mit der 3D-Kamera für eine bessere Rundumansicht und ein realeres Erlebnis.

Was bringt das: Eigentlich nutzt man die VR-Brillen allein. In besagtem Pflegeheim nutzen Bewohner*innen die Technologie jedoch gemeinsam. Das schafft Gemeinschaftsgefühl – und damit weniger Einsamkeit.

Einsamkeit ist auch in vielen Dörfern ein großes Thema. Warum junge Menschen vom Dorf häufig in die Stadt ziehen und was dagegen überhaupt helfen könnte, erklärt uns in unserem aktuellen Podcast Dr. Felix Rösel vom ifo Institut Dresden. Er forscht auch zum Potenzial von sogenanntem Sozialkapital, also Beziehungsnetze, Vereine usw. in Dörfern. Dabei geht er der Frage nach, ob diese helfen können, Rechtspopulismus einzudämmen.

Event-Tipp: Summer of Pioneers

Frederik Fischer ist ein digitaler Alleskönner: KoDorf auf dem Land aufziehen? Check. Digital Nomades für den Summer of Pioneers nach Homberg locken? Kein Problem! Nach der ersten Runde Summer of Pioneers im brandenburgischen Wittenberge letztes Jahr geht es nun nach Hessen.

Worum geht’s: Das Prinzip bleibt das gleiche wie in Wittenberge. Pioniere wohnen in möblierten Wohnung und erhalten Zugang zu einem neu eingerichteten Coworking Space. Der steht aber auch allen anderen Menschen in der Region kostenlos zur Verfügung. Das schließt auch die Nutzung von E-Bikes und ein Mentor*innenprogramm mit ein. Letzteres wird vom Projektpartner HOMEberger aufgestellt. Das Netzwerk ist 2018 von Nachhaltigkeitsjournalist Jonathan Linker gegründet worden.

Warum Homberg: Das erklärt Frederik Fischer in seinem Gastbeitrag für Kommunal. Die Kleinstadt ist eine von nur 22 Gemeinden in Deutschland, die als Cittaslow ausgezeichnet sind. Cittaslow ist ähnelt der Slow Food Bewegung, nur für Städte. Sie steht für den besonders lebenswerten Charakter eine Stadt, die zum leben, verbleiben und flanieren einlädt.

Bewerben kann man sich noch bis zum 09.03. Offizieller Start des Projekts ist der 01.05. Weitere Infos zum Summer of Pioneers in Homberg findet ihr hier.

GIF oder JIF?

Es ist eine Debatte, die fast so alt ist wie das Internet und das Pesto hinten links in deinem Kühlschrank ist. GIFs sind die kleinen Videos, die über Sprachbarrieren hinweg Emotionen und Gefühle ausdrücken können. Mittlerweile widmen sich sogar Forscher*innen der kulturellen Relevanz dieser Bildschnipsel. Und sie sind einfach verdammt witzig, diese – naja, GIFs oder JIFs. Der Streit über die Aussprache der großen drei Buchstaben geht weiter.

Hintergrund: GIF steht für Graphics Interchange Format. Das G müsste eigentlich hart ausgesprochen werden, siehe Graphics. Aber GIF-Erfinder Steve Wilhite sah das von Anfang an anders. Angekündigt hatte er seine Erfindung laut eines Artikels des Time Magazins im Jahr 1987 mit dem Slogan „Choosey developers choose Jif.“ Damit spielte er auch eine amerikanische Erdnussbuttermarke an, die diesen Spruch in ihren alten Werbespots nutzt. Im Mai 2013 erhält Wilhite den Lifetime Achievement Award bei den Webby Awards. Alle Presiträger*innen dürfen sich nur in fünf Worten bedanken. Steve Wilhite sagte: It’s pronounced JIF, not GIF.

Und was soll das jetzt? Die Marke Jif springt auf diesen Wagen jetzt noch einmal auf: Zusammen mit Giphy, dem bekanntesten Internet-Dienst für GIFs, bringt die Marke eine limitierte Doppelvariante ihrer Erdnussbutter heraus, bedruckt mit Gif statt Jif. Das schreibt das Online Magazin Wired. Leider sind die Gläser beim großen internationalen Versandhandel mit A schon ausverkauft. Aber die Debatte um harte und weiche Gs hat der Marketing-Coup nochmal ordentlich angeheizt. Bei Giphy gibt es übrigens einen eigenen Channel nur für Jif-Gifs. Haha.

via GIPHY

Tschüss & schönes Wochenende!

Das war es wieder mit dem Weekly – fast. Eine Kleinigkeit habe ich noch für dich. Am Sonntag ist Frauenkampftag. Der 8. März steht ganz im Zeichen von Gleichberechtigung. Dabei geht es auch um Sichtbarkeit, nicht nur in Politik und Wirtschaft, sondern auch im Film. Dafür gibt es den Bechdel-Test. Filme bestehen diesen nur, wenn :

  1. Mindestens zwei Frauen mit Namen im Film mitspielen, die
  2. miteinander sprechen über
  3. Themen abseits von Männern.

Den Bechdel-Test gibt es als Add-On für Mozilla Firefox!

Nach dem Installieren prüft das Add-On, ob ein Film bei IMDB (Internet Movie Data Base) diesen Test besteht. Probiert es mal aus!