Es ist Freitag und das bedeutet – Weekly-Tag! Ich bin es mal wieder, Susanne. Und ich habe diese Woche wieder die wichtigsten und spannendsten News rund um #digitalregional für dich rausgesucht. Mit dabei sind diesmal:

#WirVsVirus – das sind die besten Projekte des Hackathons

Nach dem Hackathon ist vor dem Weiterentwickeln – oder so: Nach dem krassen Erfolg des Hackathons #WirVsVirus der Bundesregierung hat eine Jury die 20 besten Projekte ausgezeichnet. Insgesamt 1.500 Projekte sind von letztlich rund 27.000 Teilnehmer*innen programmiert worden. Das berichtet Deutschlandfunk.

Die ausgewählten 20 Projekte sind nicht nur besonders kreativ und nützlich in der aktuellen Corona-Krise – das Kanzler*innenamt wird sich auch an deren Finanzierung beteiligen. Das hatte die Beauftragte für Digitalisierung der Bundesregierung Dorothee Bär auf einer Pressekonferenz mitgeteilt, so Business Insider.

Auf Youtube gibt es ein Video mit den einzelnen Projekten, die in separaten Kurzvideos vorgestellt werden.

Digitaler Unterricht für alle… ?

Die bundesweiten Schulschließungen sorgen für zahllose Sorgenfalten bei Pädagog*innen, Eltern und Politiker*innen. Viele Schulen sind für remote Unterricht nicht ausgestattet. Etliche Methoden wie etwa Moodle (Moo-was, ja, genau… ) sind teils veraltet und nicht unbedingt User*innenfreundlich. Umso schöner die Nachrichten von den Kolleg*innen von t3n. Das Hasso-Plattner-Institut ermöglicht jetzt mehr Schulen einen Zugang zu seiner renommierten Schul-Cloud.

„In diesen Wochen der Schulschließungen müssen wir alle Ressourcen mobilisieren, damit der Unterricht zumindest teilweise stattfinden kann“

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU), t3n, 30.03.2020

Was bedeutet das: Bisher war die Nutzung der Schul-Cloud nur den Schulen aus dem nationalen Excellence-Schulnetzwerk MINT EC vorbehalten. Nur Schulen mit einer Sekundarstufe II und „einem hervorragenden mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Schulprofi“ (Zitat MINT EC) können Teil des Netzwerks werden. Insgesamt nutzen bisher 128 Schulen im In- und Ausland die Cloud. Das Institut reagiert aber jetzt auf die Corona-Krise und weitet den Zugang für Schulen aus, die keine MINT EC-Schule sind und kein vergleichbares Angebot des Landes oder Schulträgers nutzen können, berichtet t3n unter Berufung auf dpa.

Hintergrund: Letzte Woche hatten sich Bildungsministerium und Länder darauf geeinigt, 100 Millionen Euro aus dem Digitalpakt für den Ausbau von Online-Angeboten und Lernplattformen im Netz zu verwenden. Der gesamte Digitalpakt umfasst fünf Milliarden Euro, macht also 20 Prozent für digitale Bildung und die nötige Infrastruktur. Das Geld soll aber auch in die Lerninhalte fließen. Eine Kooperation zwischen der HPI Schul-Cloud und Wikimedia Deutschland sowie Edu-sharing.net ist auch geplant.

Ja, aber: Auch wenn ich mich fühle, wie eine Platte, die springt – schade, dass es dafür erst eine Pandemie braucht! Dass diese Schul-Cloud bisher nur einem Excellence-Netzwerk zugänglich war, finde ich mindestens elitär. Gleichzeitig ist Schule auch Ländersache. Wenn eine Landesregierung anstatt einer modernen Cloud-Lösung auf veraltete Tools wie Moodle setzt, dann ist das Problem nicht unbedingt (nur) die Technik.

Stadt, Land, Tschüss – Corona-Edition

Der alte Streit Dorf vs. Stadt geht in eine neue Runde. Im SZ-Magazin schreibt Vinzent Tschirpke eine Abschiedskolume an die Großstadt Bremen. Er kehrt wegen der Corona-Krise der Großstadt den Rücken zu und zieht zurück auf das Land. Zumindest für einen ausgedehnten Besuch.

Worum geht’s: Die Vorteile liegen für den Autor klar auf der Hand. Weniger Menschen, weniger Ansteckungsrisiko, weniger Anonymität, weniger egoistische Kleintier-Käufe. Eine Rasenmäh-Autowasch-Routine, die Halt gibt in Zeiten, in denen der Grat zwischen Panik und Vorsicht dünner ist als Nachbars Maschendrahtzaun. Er räumt aber auch ein, dass ohne die Pandemie das Großstadtleben immer noch gewinnt.

Absolute Leseempfehlung, weil der Kommentar das Dorfleben schön und sanft und ohne Kitsch umschreibt, gleichzeitig aber auch die negativen Seiten nicht außen vor lässt, Stichwort sozialer Druck. Wer das hektische Großstadtleben ohne Grün und mit viel Grau satt hat, für den kann ein Dorfbesuch mehr als heilsam sein. Und vor allem zeigen: Nicht alles auf dem Dorf ist schlecht und bieder und Glasfaser-los. Das Stichwort hier ist für mich, Dorfkind born and raised, allerdings auch Besuch. Das schließt das Leben in der Stadt, das sich in vielen Fällen übrigens auch wie ein Dorf anfühlen kann, auch nicht aus.

Wie immer gilt: Lesen und selbst sinnieren, ob mensch die Ausgangssperre und all ihre Freund*innen auf dem Dorf wirklich leichter aushält. Den Beitrag findet ihr hier.

Homeoffice macht nicht unproduktiv(er)

Bevor wir ins Detail gehen: Ja, Homeoffice ist ein Privileg. Das sollten wir nicht vergessen. Es gibt etliche Menschen, die auch inmitten einer Corona-Pandemie nicht von ihrer Arbeitgeber*in ins Homeoffice geschickt werden. Das ist nur manchmal technisch begründet. Viele glauben, dass Homeoffice nichts anderes ist als bezahlt in Jogginghose Kaffee trinken. WRONG, PEOPLE! Also – nicht nur. Homeoffice kann genauso produktiv sein wie das Arbeiten im regulären Büro. Das schreibt die Zeit mit Berufung auf Forschungsarbeiten der norwegischen Organisation Sintef.

Zusammenfassung: Das produktive Arbeiten im Homeoffice hängt stark von den Kommunikations-Tools ab, die für Teamarbeit genutzt werden. Mit der richtigen digitalen Infrastruktur kann das gefürchtete Homeoffice sogar produktiver sein als das Arbeiten im Büro. Durch das Arbeiten im Homeoffice ist die Wahrscheinlichkeit einer Unterbrechung im Work-Flow geringer. Wird etwa ein Developer bei der Arbeit unterbrochen, braucht er 20 Minuten um wieder zu seiner Aufgabe zurückzufinden, so Moe gegenüber der norwegischen Online-Plattform Norwegian SciTech News.

Es ist unglaublich wichtig, Videokonferenzen zu nutzen und miteinander zu sprechen, anstatt Gedanken und Bedürfnisse einfach nur schriftlich auszutauschen“

Wissenschaftler Nils Brede Moe, Zeit, 26.03.2020

Der Wissenschaftler Nils Brede Moe rät, tägliche Videokonferenzen zur Pflicht für alle Arbeitnehmer*innen zu machen. Im Homeoffice sei die Versuchung groß, wichtige Meetings durch einige Slack-Nachrichten weg zu rationalisieren. Bei dieser schriftlichen Kommunikation könnten jedoch Missverständnisse entstehen.

Vom Teamleiter zum Supporter

Auch die Rolle des Teamleiters sollte sich den Gegebenheiten im Homeoffice anpassen. Der Fokus sollte hier auf Problemlösung liegen. Diese sollte der Teamleiter sowohl im ganzen Team als auch mit jedem Teammitglied erarbeiten. Besonders auf technischer Ebene muss eine einheitliche best-practice-Lösung für die Teamarbeit gefunden werden. Diese sollte jedoch nicht stärker kontrolliert werden als im Büro. Das Stichwort hier ist Vertrauen. Eine Maßnahme dafür sei beispielsweise das an- und abmelden zur Arbeit, sagt Brede. Wer den anderen kurz die eigene Tagesplanung mitteilt, stärkt das gegenseitige Vertrauen.

Das Arbeiten vom heimischen Desk kann allerdings auch dazu führen, dass sich manche Mitarbeiter*innen alleine fühlen. Brede rät hier, immer zwei Mitarbeiter*innen gleichzeitig arbeiten zu lassen, sodass auch ein Austausch untereinander möglich ist. Dafür empfiehlt er Messenger-Dienste wie Slack.

Neue Mitarbeiter*innen virtuell willkommen heißen

In Zeiten von Homeoffice kann das Einarbeiten neuer Kolleg*innen eine besondere Herausforderung sein. Keine Führung durchs Büro, kein Kuchen zum Einstand. Das kann laut Brede ein virtuelles Get-Together abfedern. Zusätzlich sollte ein neues Teammitglied eine*n Ansprechpartner*in bekommen, die bei Problemen weiterhilft.

Generell sind Video-Meetings absolut wichtig für das Arbeiten im Homeoffice-Team. Nils Brede Moe hat fünf Tipps für produktive Video-Meetings zusammengefasst:

  • Meetings sollte nicht nur für Status-Updates genutzt werden. Diese können auf anderen Wegen kommuniziert werden. Sie nutzen nur den Projektmanagern, alle anderen Teammitglieder brauchen diese Infos nicht unbedingt.
  • Achte darauf, dass alle Teilnehmer*innen zu Wort kommen. Bei längeren Meetings können dabei Check-In-Aufgaben helfen.
  • Jede*r sollte abwechselnd die Moderation des Meetings übernehmen. Damit soll die Verantwortung nicht nur auf einer Person lasten.
  • Benutze immer das Format Video-Konferenz.
  • Das Video-Meeting sollte nicht mehr als elf bis zwölf Teilnehmer*innen haben. Bei mehr Teilnehmer*innen sinkt der Gehalt des Meetings für den oder die Einzelne. Wenn viele Menschen teilnehmen, sollten die Menschen die Hand heben, wenn sie etwas sagen wollen.

Den kompletten Artikel auf englisch findet ihr hier, die Zeit-Version auf deutsch hier.

Netzwerkdurchsetzungsgesetz 3.0

Hassrede im Netz ist strafbar. Das ist per Gesetz geregelt. Der Weg zur Anzeige kann jedoch kompliziert werden. Das soll sich jetzt ändern. Am Mittwoch hat die Bundesregierung einem Entwurf für eine Reform des Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) zugestimmt. Das berichtet der Spiegel unter Berufung auf dpa. Dies ist bereits der zweite Entwurf in 2020. Laut Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz handelt es sich dabei um zwei unabhängige Vorhaben.

Auszug aus dem Gesetz: Laut NetzDG müssen eindeutig strafbare Inhalte auf sozialen Netzwerken innerhalb von 24 Stunden gelöscht oder gesperrt werden. Auf eine Beschwerde müssen die Netzwerke innerhalb von 48 Stunden reagieren, so der Spiegel. Jedes halbe Jahr müssen die Betreiber*innen außerdem berichten, wie sie mit Beschwerden und Vergehen umgehen. Das Gesetz war am 1. Oktober 2017 beschlossen worden.

Die Entwürfe: Der erste Entwurf von Februar setzt die Maßnahmen um, die 2019 zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Hasskriminalität beschlossen wurden. Damit sollen die Betreiber sozialer Netzwerke dazu verpflichtet werden, Vergehen wie Volksverhetzung dem Bundeskriminalamt zu melden. Jetzt fordern Politiker*innen in einem zweiten Entwurf einfachere Meldeverfahren ohne viele Klicks und Screenshots. Dies resultiert aus den praktischen Erfahrungen mit dem bisherigen Gesetz. Die Betreiber*innen sollen auf Anfrage der Nutzer*innen erklären, warum sie einen Post gelöscht haben – oder eben nicht. Verlangt ein Gericht zudem die Herausgabe der Daten einer Nutzer*in, müssen Twitter und Co. die Identität offenlegen.

Kritik vom Digitalverband Bitkom

Kritik: Der Digitalverband Bitkom sieht hier eine Verlagerung von Pflichten. „Die neue Reform führt zu noch mehr Unsicherheiten und eben nicht zu mehr Transparenz“, so Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder gegenüber Spiegel. Rohleder kritisiert die Unschärfe der Regelungen und die unterschiedliche Handhabungen zwischen den einzelnen Plattformen: So nehme die Bundesregierung für Videosharing-Anbieter das Herkunftsland in die Pflicht – für die sozialen Netzwerke das Zielland. Stattdessen will der Bitkom-Verband lieber einen kompletten Neuanfang beim Kampf gegen Hasskriminalität, schreibt das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) mit Bezug auf dpa.

Bisher liegen nur die Entwürfe für die Reform des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes vor. Diese gehen in einem nächsten Schritt in den Bundestag ein. Wir halten euch auf dem Laufenden.

Vollständiger Gesetzestext und FAQ

Die Zusammenfassung ist natürlich nur ein Auszug aus dem kompletten Gesetzestext. Die komplette Fassung des aktuellen NetzDG findet ihr hier. Ein FAQ zum Inhalt und dem Vorgehen mit den beiden vorliegenden Entwürfen findet ihr hier.

Digitale Zivilgesellschaft stärken!

Die Corona-Krise verändert nicht nur den Alltag. Sie könnte unsere gesamte Gesellschaft langfristig verändern. Immerhin zeigt sich spätestens jetzt, wie wichtig freie Zugang zu Wissen und eine gut funktionierende digitale Infrastruktur sind. Das greift ein Zusammenschluss aus digitalen Verbänden jetzt auf: Am 1. April haben sich mehrere zivilgesellschaftliche Organisationen zusammengeschlossen und gemeinsam die Kampagne Digitale Zivilgesellschaft stärken ins Leben gerufen.

Zu diesen Organisationen gehören unter anderem Wikimedia, D64, freifunk.net und Bits & Bäume. Die NGOs fordern den Aufbau eines „gemeinwohlorientierten, digitalen Ökosystems“ mit Fokus auf Open Source. Die Kampagne und weitere Infos findest du hier.

Ich finde die Kampagne super! Das Internet hat sich durchgesetzt und ist schon längst kein Neuland mehr. Digitale Teilhabe ist wichtig. Auch für Oma und Opa. Das weiß auch Katja Bröckl-Bergner. Sie ist Medientrainerin und Speakerin und hat mir in unserem aktuellen Podcast erklärt, warum digitale Bildung für alle zugänglich sein muss.

Mach’s gut & bleib‘ gesund!

Das war’s für diese Woche mit dem Weekly. Eine gute Nachricht habe ich aber noch. Die Apps DorfFunk und DorfNews, von denen ich dir im letzten Weekly schon berichtet hatte, gibt es jetzt in ganz Rheinland-Pfalz kostenfrei!

Damit soll Social bzw. Physical Distancing ein bisschen abgefedert werden. Eine tolle Idee, finde ich!