Das kleine Wochenende ist eingeläutet und das heißt mal wieder: Weekly-Zeit! Ich, Susanne, habe diese Woche wieder die spannendsten News an der Schnittstelle #digitalregional rausgefischt aus den unendlichen Weiten des Netzes. Diesmal mit:

Spargel-Gate: Digitalisierung hilft

Der Spargel ist den Deutschen ihr wichtigstes Kulturgut. Ein böser Scherz, aber ich finde, diesen Eindruck konnte man zumindest in den letzten Tagen schon gewinnen. Bei allem fröhlichen Zynismus gilt auch hier: genauer Hingucken. Natürlich bedroht ein Ausfall der Ernte ganze Existenzen. Das ist schlimm und das muss verhindert werden. Das darf aber nicht bedeuten, dass Politiker*innen ernsthaft vorschlagen, Menschen ohne Lohnarbeit oder geflüchtete Menschen zur Ernte zu verpflichten, weil die Reisefreiheit wegen Corona stark eingeschränkt ist.

Und für den Spargel gibt es ja eine Ausnahme. 80.000 Saisonkräfte dürfen insgesamt im April und Mai nach Deutschland kommen. Der Bauernverband hat am Donnerstag die ersten 530 Erntehelfer*innen einfliegen lassen, so die FAZ unter Berufung auf dpa. Über eine Plattform des Bauernverbands haben die Betriebe laut FAZ ihren Bedarf angemeldet. Knapp 10.000 Anmeldungen seien allein für April eingegangen. Es gibt auch zusätzliche digitale Plattformen, die Saisonkräfte an Landwirt*innen vermitteln. Das schreibt Aktion Agrar.

Die Portale

  • Land-Arbeit: Das Portal ist von Junglandwirt Frederik und ECommerce-Unternehmer Till ins digitale Leben gerufen worden. Die Idee dahinter: Wer gerade nicht als Studi im Café jobben kann, versucht sich vielleicht mal als Erntehelfer*in. Das Ganze funktioniert über Gesuche und Anzeigen.
  • Das Land hilft: Die Aktion ist direktes Ergebnis der Spargel-Krise. Sie funktioniert ähnlich die Land-Arbeit über Anzeigen und Gesuche. Ein weiterer Ableger vermittelt branchenübergreifend Hilfskräfte und eine weitere dazugehörige Aktion sucht nach Schutzkleidung, die bei manchen Unternehmen wie Werkstätten oder eben landwirtschaftlichen Betrieben gerade nicht so dringend gebraucht werden wie in Krankenhäusern.
  • Saisonarbeit in Deutschland: Das Portal ist eine Kooperation der Deutschen Rentenversicherung und des Deutschen Bauernverbands. Wer sich ein Betriebsprofil erstellen will, bezahlt dafür eigentlich um die 100 Euro für ein Jahr. Aktuell ist dies bis zum 30. Juni jedoch kostenfrei.

Der Verein Aktion Agrar

Aktion Agrar macht sich für eine Agrarwende stark. Der Fokus liegt dabei auf Tierwohl, ökologischem Landbau und einer fairen, sozialverträglichen Landwirtschaft.

Studie: Go, digitale ländliche Pioniere!

Digitalisierung ist schon längst kein rein urbanes Thema mehr. In ländlichen Regionen tut sich virtuell so einiges, ich sage nur #digitalregional. Das hat auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) erkannt. Das Ministerium fördert ab April das Forschungsvorhaben DigPion – Digitale Pioniere in der ländlichen Regionalentwicklung. Das berichtet der Nachrichten Informationsdienst Wissenschaft.

Worum geht’s konkret: Im Fokus des Forschungsvorhabens stehen Netzwerke digitaler ländlicher Pioniere, „also nicht-öffentlicher Akteur*innen, die in ländlichen Räumen bereits neue Technologien für soziale Innovationen und Regionalentwicklung nutzen“, heißt es beim iwd. Dafür untersuchen die Forscher*innen zwei Modellregionen in Deutschland in einer vergleichenden Fallstudie. Daraus erhoffen sich Wissenschaft und Politik Handlungsempfehlungen für die Entwicklung ländlicher Räume. Abseits der Metropolen. In der digitalen Provinz. Ihr wisst schon.

Hintergrund: Die sogenannte Pionierforschung auf dem Land steckt noch in den wissenschaftlichen Kinderschuhen. Bisher beschränkte sich die Forschung auf urbane Räume. Beim „DigPion“-Projekt geht es auch darum, ob und wie diese Ergebnisse auf ländliche Räume und ihre besonderen Anforderungen übertragbar sind. Was schon fest steht: Die „DigPions“ beeinflussen das Verhältnis zwischen Dorf/Umland und Stadt massiv. Das Projekt ist übrigens am Fachgebiet Regionalplanung der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus–Senftenberg (BTU) angesiedelt und wird mit 263.000 Euro aus dem Bundesprogramm Ländliche Entwicklung (BULE) gefördert.

Digitale Kerze statt Dorfkirche

In Zeiten von Corona und Kontaktverboten fehlt besonders älteren Menschen die Dorfgemeinschaft. Dazu gehört für viele auch der Gang in die Kirche. Gerade in diesen Krisenzeiten fehlt vielen der Halt, den solche Rituale vermitteln. Ein bisschen digitalen Ersatz gibt es allerdings: Die Plattform VeLight übernimmt das digitale Versenden oder Anzünden von Kerzen. Das berichtet WDR Aktuell.

Plattform VeLight verschickt digital Kerzen

Wie das funktioniert: Auf der Website von VeLight stehen insgesamt vier Kategorien zur Auswahl. In diesen Kategorien wählt man dann entweder eine digitale Kerze für 1 Euro oder eine reale Kerze für zwei Euro oder eine Kombi für 2,50 Euro. Die digitale Kerze verschickt man dann per Email oder teilt sie in sozialen Netzwerken oder auf WhatsApp. Sie leuchtet ein Jahr lang. Die reale Kerze wird am Folgetag in einer der acht Partnerkirchen angezündet.

Aktuell werden in Zeiten von Corona alle Einnahmen aus den Kerzen an soziale Einrichtungen gespendet. Wer als Partnerkirche VeLight unterstützen will, meldet sich unter info@velight.com.

Homeschooling goes Late-Night-Show

Seit einigen Wochen haben die Schulen wegen der Corona-Pandemie bundesweit geschlossen. Nach dem Ende der Osterferien soll es möglicherweise wieder zurück in die Klassenräume gehen. Zumindest ist das der Plan. In der Zwischenzeit werden Eltern zu Lehrer*innen und Lehrer*innen zu YouTube-Stars und Influencer*innen. Also, ein bisschen. Zumindest der Hamburger Pädagoge Björn Lengwenus ist ganz vorne mit dabei. Er ist Schulleiter und neuerdings auch Show-Host. Der Spiegel hat mit dem kreativen Pädagogen ein Interview geführt.

Worum geht’s: Schulleiter Björn Lengwenus hat Homeschooling auf das nächste Level gebracht. Für die Schüler*innen der Hamburger Grundschule Alter Teichweg schlüpft der Pädagoge in einem Video in die Rolle eines Talkshow-Host. Die erste Folge Schule ohne Schüler*innen hat mittlerweile über 20.000 Klicks. Das Format ist richtig witzig und unterhaltsam!

Die Lehrer haben sich sehr in dieses Abenteuer reingehängt, die Schülerinnen und Schüler wurden mit Aufgaben versorgt und haben die gut bearbeitet. Aber Schule ist viel mehr als dieses Lernen an sich.

Schulleiter Björn Lengwenus, Spiegel, 06.04.2020

Hintergrund: Am Ende des Schuljahres feiert die Schule eigentlich eine traditionelle Abschlussveranstaltung. Das klappt wegen Corona natürlich nicht. Deshalb hat Björn Lengwenus das Ganze kurzerhand in eine Late Night Show gepackt. Dabei unterstützen ihn zwei Filmschaffende. Die beiden Freiberufler waren für ein Schulprojekt gebucht worden. Das klappte natürlich auch nicht, da die Schule geschlossen ist. Stattdessen produzieren sie jetzt Dulsberg Late Night. Die Show ist aber nicht nur für die Schüler*innen der Grund- und Stadtteilschule wichtig, sondern auch für den Pädagogen selbst. Aber lest selbst.

Nicht jede*r hat einen Computer

Ja, aber: Das ist ein schönes Beispiel und berührt auf jeden Fall. Aber es gibt auch die andere Seite. Dermaßen kreatives Homeschooling ist ein Privileg. Nicht jede*r Lehrer*in hat diese Ressourcen und die Unterstützung, die für eine kreative und schüler*innenfreundliche Annäherung an Homeschooling nötig ist. Spiegel selbst führt auch Beispiele an, in denen der neue Alltag aus etlichen Kopier-Arbeiten und Arbeitsblättern besteht. Nicht alle Schüler*innen haben außerdem Zugang zu einem Computer.

Eine Lehrerin berichtet, dass sie trotz datenschutzrechtlicher Bedenken deshalb WhatsApp und Skype nutzt. Beides nutzen die Schüler*innen in fast allen Fällen mit ihrem Smartphone. Manche wirft die Corona-Epidemie komplett aus der Bahn. Seelische Unterstützung ist auch Teil von Schule. Dies kommt in vielen Fällen jetzt zu kurz. Was sie aber auch betont: Die Gemeinschaft wächst, die Schüler*innen freuen sich auf den Austausch.

All das, was wir sonst an sozialer und pädagogischer Arbeit leisten – Hausbesuche bei den Familien, Gespräche mit Eltern und Sozialarbeitern – kommt in diesen Wochen leider zu kurz.

Anonyme Lehrerin, Spiegel, 06.04.2020

Digitale Provinz-Autorin Johanna Daher beschäftigt sich auch intensiv mit dem Thema digitaler Unterricht. Auf ihrem Youtube-Kanal findet ihr auch Tipps für kreatives Homeschooling:

Corona: Kommunen in den roten Zahlen

Corona bedeutet nicht nur Social bzw. Physical Distancing, Homeschooling und generelle Anspannung. Die Pandemie bedeutet auch herbe finanzielle Verluste für die deutschen Kommunen. ZDF heute hat mit Akteur*innen aus Politk und Wirtschaft gesprochen. Ihr gemeinsame Tenor: Es drohen massive Schulden für Städte und Kommunen.

Kommunen: Apostolos Tsalastras ist der Kämmerer der Stadt Oberhausen. Oberhausen ist die am stärksten Verschuldete Kommune Deutschlands mit einem Defizit von 1,9 Milliarden Euro. Für 2020 drohen weitere 50 Millionen Euro an Schulden. Mannheims Erster Bürgermeister Christian Specht sieht laut SWR Mehrausgaben vor allem durch „Beschaffung von Schutzausrüstung, Verwerfungen in Kliniken in städtischer Trägerschaft, Einnahmeeinbrüche bei Veranstaltungen und Mehrausgaben im sozialen Bereich.“

Wir werden im Jahr 2020 über 50 Millionen Euro verlieren. Bei den strukturschwachen Kommunen wird das der Genickbruch sein.

Kämmerer Apostolos Tsalastras, ZDF heute, 05.04.2020

Lösungsansätze: Der deutsche Städtetag fordert einen kommunalen Rettungsschirm. Nachdem erst die Wirtschaft finanzielle Unterstützung erhalten hätten, müsse sich der Bund nun um Städte und Kommunen kümmern, so der Präsident des Deutschen Städtetages, Burkhard Jung. Das berichtet SZ unter Berufung auf dpa. Ökonom Martin Junkernheinrich von der TU Kaiserslautern fordert die Zusammenfassung der alten und der neuen Schulden. Und dann einen Cut – damit die Städte und Kommunen handlungsfähig bleiben.

Diskussion um Altlasten-Fonds neu entflammt

Hintergrund: Die Corona-Kriste bringt nicht nur Einzelhandel und Gastro an den Rand des Ruins. Mit ihnen brechen auch die Einkommens- und Gewerbesteuern weg. Bundesweit rechnen die Städte mit etwa 11 Milliarden Euro Verlust für 2020. Insgesamt betragen die Altschulden von Städten und Kommunen 115 Milliarden Euro. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hatte schon vor einiger Zeit die Idee eines Altschulden-Fonds ins Spiel gebracht. Diese hatten bisher vor allem reiche Bundesländer wie Bayern abgelehnt.

Mehr dazu: Kommunal-Chefredakteur Christian Erhardt schreibt über die Folgen der Corona-Krise für die Kommunen. Und über die Chancen, die sich bieten würden, wenn denn der Bürokratie-Apparat nicht wäre. Lest mal rein!

Preis für digitales Miteinander

Der Digitaltag will Menschen – wie der Name schon sagt – digital zusammenbringen. Am 19. Juni öffnet sich ein virtueller Raum für Diskussionen und Austausch und kunterbunte Projekte rund um das Thema Digitalisierung und wir. Mit dabei: der Preis für digitales Miteinander. Die Auszeichnung wird an diejenigen vergeben, die sich digital engagieren. Dabei reicht das Spektrum von App programmieren bis hin zur Datenaufbereitung.

Der Preis: In drei Kategorien wird der Preis für digitales Miteinander vergeben: digitale Teilhabe, digitales Engagement und ein Corona-Sonderpreis für digitalen Zusammenhalt in Zeiten der Pandemie. Die jeweiligen ersten Plätze in den Kategorien sind mit 10.000 Euro dotiert. Projekte und Personen bewerben sich bis zum 30. April. Mehr Infos zu den Teilnahmebedingungen und den einzelnen Kategorien findet ihr hier.

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Hintergrund: Hinter dem Digitaltag steckt das Bündnis Digital für alle. Die Initiative setzt sich für digitale Teilhabe in Deutschland ein. Zum Partner*innennetzwerk gehören unter anderem die AWO, der Bitkom Digitalverband, die Gewerkschaft Verdi und die Diakonie.

Tschüss & bis nächste Woche

Wir sind hier mit dem Weekly wieder am Ende. Bevor es jedoch ins Wochenende geht, habe ich noch einen Tipp für euch: unseren Event-Kalender! YAY! Der steckt voller spannender und interessanter Webinare, unter anderem von Bitkom und von den Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren. Schaut mal rein!

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