Das Wochenende ist fast da, das Weekly gibt es schon jetzt! Ich, Susanne, habe diese Woche die wichtigsten News an der Schnittstelle #digitalregional für euch rausgesucht. Mit dabei sind diesmal:

Das digitale Dorf neu denken

Digitale Dörfer verbinden wir häufig mit Apps wie DorfFunk oder Car-Sharing-Optionen. Das klingt toll, aber oft bleiben alte Probleme bestehen. Der Bus kommt nicht öfter, nur weil jetzt ein digitaler Dorfplatz den Austausch untereinander fördert. Eine Gruppe Student*innen der Hochschule für Medien Stuttgart will die manchmal holprige Digitalisierung der Dörfer neu anpacken. Das schreibt das Magazin Kommunal.

Worum geht’s: Das Prinzip des Projekts – Lösungen für die Dörfer müssen aus den Dörfern kommen. Dafür haben die Student*innen Bürgermeister*innen und Dorfbewohner*innen interviewt. Dabei zeigen sich laut Kommunal drei Kernthemen: schnelles Internet, demografischer Wandel, schlecht ausgebauter ÖPNV.

„Bei unseren Befragungen haben wir aber auch etwas sehr Positives feststellen können, nämlich dass die Menschen Lust auf Veränderung haben!“

Jonas Wagner, So entsteht das Digitale Dorf, Kommunal.de, 19.04.2020

Das Ergebnis: In drei Schritten sollen Dörfer digitaler und vernetzter werden. Erst braucht es den Austausch innerhalb der Kommune, dann die effektive Umsetzung von Projektideen und danach den Austausch mit weiteren Kommunen. Dafür haben die Student*innen die Plattform Mein digitales Dorf gegründet.

Die Projekte: Bisher haben die Fulltime-Student*innen unter anderem aus Zeitgründen und der bisher eher mauen Resonanz der Kommunalpolitiker*innen nur ein Projekt anvisiert, das laut Homepage bald starten sollen: den digitalen Rollator. Das ist dafür umso cooler. Die Idee dazu stammt aus den Erfahrungen ihrer Großeltern. Eine kleine Box wird am Rollator befestigt und kann per Knopfdruck den Standort an ein Bürgertaxi vermitteln. Ein weiters Projekt soll sich mit dem digitalen Dorfarzt befassen, dazu gibt es bisher noch keine weiteren Informationen auf der Homepage.

Naturstadt oder doch Smart Village…

… oder doch beides? Aktuell laufen zwei spannende Ausschreibungen: der Wettbewerb Naturstadt und ein Förderprogramm für zukünftige Smart Villages.

Mach‘ deine Kommune endlich grüner!

Das Bundesprogramm Vielfalt sucht über den Wettbewerb Naturstadt Ideen und Projekte aus Städten, Gemeinden und Landkreisen rund um den – Naturschutz. Weil diese aber gerade eher mit Pandemie-Verordnungen denn mit grüner Projektplanung beschäftigt sind (schätze ich), wurde die Bewerbungsfrist bis zum 30. Juni verlängert. Das schreibt die deutsche Vernetzungsstelle Ländliche Räume DVS.

Was kriege ich: Laut Homepage werden die 40 besten Projektideen ausgezeichnet und mit jeweils 25.000 Euro prämiert. Das Preisgeld muss für die anvisierten Projekte umgesetzt werden, will heißen: Straße K 153 darf davon nicht saniert werden. Für die Umsetzung hat die Kommune zwei Jahre Zeit, Beratung bei der Umsetzung gibt es von Mitarbeiter*innen des Bündnisses „Kommunen für biologische Vielfalt e.V.“, inklusive fünf Vernetzungstreffen. Das Projekt muss dokumentiert werden, um nach fünf Jahren einen Vergleich zur vorherigen Situation zu ermöglichen. Mehr Infos zum zeitlichen Ablauf und den Anforderungen findet ihr hier.

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Wie kriege ich das: Für die Teilnahme am Wettbewerb müssen die Kommunen diesen Fragebogen ausfüllen. Dabei geht es um Infos zum Zeitplan, einer Kostenaufstellung und mögliche Partner*innen. Zusammen mit dem Anmeldeformular geht alles bis zum 30. Juni 2020 per Email an: wettbewerb-naturstadt@kommbio.de.

Ich, du, er, sie, es, wir alle werden Smart Village!

Ich habe schon viel über Smart Villages geschrieben, zuletzt über die Smart Cities Soest und Ahaus (Grüße nach NRW!). Eine ähnliches Programm läuft derzeit für ländliche Regionen: Smart Village. In Deutschland wird das europaweite Förderprogramm vom Institut für Ländliche Strukturforschung (IfLS) umgesetzt. EU-weit läuft die Ausschreibung unter dem Namen Smart Rural Project. Die gute Nachricht: Das aktuelle Förderprogramm für zukünftige Smart Villages läuft noch – jetzt die etwas schlechte – bis zum 5. Mai. Das berichtet Kommune 21.

Aus dem Aufruf: „Europaweit werden im Rahmen des Projekts insgesamt 17 „Smart Villages“ gekürt. In Folge erhalten sie Begleitung und Unterstützung bei der Entwicklung und Umsetzung „smarter“ lokaler Ansätze und Strategien sowie die Gelegenheit, von anderen „Smart Villages“ zu lernen. Digitale Lösungen spielen eine Schlüsselrolle, sind jedoch nur eines von mehreren Elementen neben anderen technischen und sozialen Innovationen. Die im Projekt gesammelten Erfahrungen sollen helfen, künftige EU-Initiativen besser auf die Bedürfnisse von Kommunen auf ihrem Weg zu „Smart Villages“ abzustimmen. In der Vorphase des Projekts wurden bereits fünf „Smart Villages“ in Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland und der Tschechischen Republik ausgewählt.“ (Quelle: https://www.ifls.de/news/details/mehr-als-digitalisierung-laendliche-kommunen-auf-dem-weg-zum-smart-village-bewerbung-bis-05-mai/)

Was kriege ich: Kurz gesagt, Austauch und Unterstützung auf ziemlich hohem Niveau. Expert*innen helfen bei der Strategieentwicklung und -umsetzung auf dem Weg zum Smart Village. Im Rahmen des Programms kann die ausgewählte Kommune andere Smart Villages besuchen und sich inspirieren lassen. Dabei stehen Austausch und Synergien mit anderen smarten Kommunen im Fokus. Und natürlich bedeutet das auch Sichtbarkeit innerhalb europäischer Debatten. So steht es im englischsprachigen Aufruf.

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Wie kriege ich das: Dafür ist erst einmal ein bisschen Schreibarbeit nötig. Laut Infoblatt sollen die Kommunen aufzeigen, was ihre „wichtigsten Merkmale, Herausforderungen, Stärken und Möglichkeiten“ sind, warum die Kommune ein Smart Village werden will, was sie sich für einen Mehrwert erhofft und welche Unterstützung sie dafür braucht.

Die Grundvoraussetzungen sind auf jeden Fall Motivation, personelle Ressourcen und idealerweise eine technische Grundausstattung, letzteres ist jedoch nicht zwingend nötig. Mehr Infos zu den Kriterien gibt es hier. Weiteres zum Prozedere und die Ansprechpersonen für Deutschland findet ihr hier.

Smart City vs. Smart Village?

Kurz gesagt: Das eine ist ein Dorf, das andere eine Stadt. Laut der Definition von Autor und Forscher Anthony M. Townsend ist eine Smart City ein Ort, wo sich Informationstechnologie in Kombination mit der Umgebung, der Infrastruktur und sogar unseren Körpern zusammen tut, um Probleme aus Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt anzugehen. Smart Villages wiederum befinden sich in ländlichen Gebieten. Diese Kommunen bauen nicht nur auf ihre bestehenden Stärken auf, sie wollen sich auch aktiv weiterentwickeln. Dafür nutzen sie traditionelle und bestehende Netzwerke, die durch Technologie erweitert werden. Das sagt die EU Action for Smart Villages.

Als europäische Vorzeige-Smart-City gilt übrigens Helsinki. Die Kolleg*innen von Kommunal wissen dazu mehr.

Smart die Dorfstraße reparieren mit KI

In manchen Teilen Deutschlands gleichen die Straßen mehr einem asphaltierten Flickenteppich als einer, nun ja, Straße. Ob und wann eine Kreis- oder Landstraße erneuert wird, hängt oft vom Haushalt der Kommune ab. In vielen Fällen bedeutet das jedes Jahr aufs neue – nächstes Jahr. Wenn dann das Ingenieursbüro der die Mitarbeiter*innen der Stadt den Zustand der Straße manuell erfasst haben. Das kann mitunter lange dauern. Zumindest das klappt jetzt schneller und digitaler, nämlich per Smartphone. Das Start-Up vialytics hat eine Software entwickelt, die Schäden digital aufnimmt und katalogisiert.

Foto: Vialytics

Wie das funktioniert: Vialytics stellt den Bauhöfen und Mitarbeiter*innen ein Smartphone zur Verfügung. Das wird an der Außenseite des Fahrzeugs befestigt. Alle vier Meter nimmt das Smartphone dann ein Bild der Straße auf und diese landen dann im vialytics-System. Dort analysieren Algorithmen den Zustand der Straße und katalogisieren die Schäden und deren Schwere in einer GIS-basierten Karte. Die Karte filtert nach Bedarf die Schwere der Schäden. Die Software arbeitet laut Start-Up nach DSGVO und zensiert mögliche personenbezogene Daten. Diese Zustandserfassung geschieht in vielen Gemeinden manuell durch Ingenieursbüros oder Mitarbeiter*innen der Stadt.

Über das Start-Up: Vialytics sitzt in Stuttgart. Hinter dem Start-Up stecken Patrick Glaser, Danilo Jovicic und Achim Hoth. Sie sind laut Gründer Wiwo bei einem Biergartenbesuch auf die Idee gekommen. Aktuell nutzen etwa 50 Kommunen die Software, der größte Teil davon in Baden-Württemberg.

Transparenz: Vialytics hat uns per Mail kontaktiert. Ich habe mir das Projekt angeschaut und entschieden, das Projekt in unserem Weekly zu featuren. Die Software ist nicht kostenlos, pro Kilometer Straße kostet sie ab 100 Euro. Digitale Provinz macht hier keine Werbung und erhält nichts für die Veröffentlichung. Ich finde das Projekt einfach grundsätzlich interessant und denke, dass KI eine immer stärkere Rolle in der digitalen Provinz spielen wird.

Ein A-Team bleiben, trotz Corona

Homeoffice bedeutet nicht nur massive Doppelbelastung für homeschoolende Eltern, sondern auch besondere Herausforderungen für Teams. Gerade dann, wenn neue Mitarbeiter*innen dazu stoßen. In diesem Weekly habe ich schon einmal über gute Video-Konferenzen geschrieben. Jetzt hat t3n noch Tipps für teambildende Maßnahmen, wenn das Team sich nur virtuell treffen kann.

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Die stammen aus der digitalen Feder von Isa von Hobe, der Inhaberin der Webagentur mit möglicherweise einem der besten Agenturnamen nach Korrektur NachObenallcodesarebeautiful. Das Wichtigste für ein gut funktionierendes digitales Office-A-Team:

  • Small Talk einbauen und pflegen:
    Dazu gehört der digitale Kaffeeklatsch vorm Meeting genauso wie der Austausch der neuesten Serien. Wir von Korrektur NachOben haben das auch schon selbst probiert.
  • Mit Empathie kommunizieren
    Dabei geht es vor allem um gute Kommunikation, die gerade in Messengern wie Slack mal ordentlich daneben gehen kann. Was helfen soll? Emojis 😀 *zwinkersmiley*. Auch Kurzimpulse Richtung Skill Sharing können das Team-Klima fördern.
  • Routinen etablieren
    Wir von Korrektur NachOben und Digitale Provinz treffen uns jeden Montagmorgen, um einmal die wichtigsten Dinge in großer Runde zu besprechen. Das hilft nicht nur bei den Abläufen, sondern bezieht auch alle Teamkolleg*innen mit ein. Gleiches kann auch ein gemeinsames Feierabendbier leisten.
  • Kolleg*innen kennenlernen
    Holt raus eure Katzenbilder! Ein Kanal nur für random Sachen und lustige Bilder bei Slack hebt die Stimmung. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Grüße an die Kolleg*innen!
  • Gute digitale Office-Strukturen schaffen
    Wie wichtig regelmäßige und gute Meetings sind, habe ich hier schon einmal geschrieben. Auch Isa von Hobe geht hier mit. Eine weitere Idee: Meetings dokumentieren. So geht nix verloren.
  • Gemeinsame Erlebnisse ermöglichen
    Ist gerade etwas schwierig, aber klappt laut Isa von Hobe gut mit einem gemeinsamen Urlaubstag. Wie der verbracht wird, entscheidet jede*r selbst. Die Erinnerungen dann gerne mit den Kolleg*innen teilen. Oder einfach online auf ein ausgiebiges Bier treffen.

Mehr Tipps findet ihr im t3n-Artikel hier.

Corona pusht die digitale Teilhabe

Die Pandemie-Vorkehrungen werden aktuell teilweise gelockert. Ob es jedoch sinnvoll ist, jetzt Oma und Opa zu besuchen? Ich finde NEIN, NEIN, NEIN, aber das muss jeder Mensch selbst entscheiden. Eine gute Alternative bleibt immerhin der digitale Besuch. Denn Corona pusht nicht nur allgemein die Digitalisierung, sondern bringt auch immer mehr Silver Surfer hervor. Das schreiben die österreichischen Kolleg*innen von Falter.

Worum geht’s: Wer sich jetzt nicht real sehen kann, will sich zumindest digital sehen. Das ist für die Generation X bis Z meist kein Problem, aber dann kann es schwierig werden. Es gibt technisch versierte Senior*innen, es gibt aber auch die anderen, die sich mit der Bedienung von Smartphones und Laptops undsoweiter schwer tun. Medientrainerin Karin Niederhofer erklärt dem Falter, dass es dabei nicht nur um Bedienung geht, sondern auch um Dinge wie Sicherheit und Fake News. Dennoch bleibt der digitale Austausch in Zeiten von Besuchsverboten in Pflegeheimen eine einigermaßen gute Alternative.

Doch natürlich seien Videotelefonate kein Ersatz für die Besuche, in der Krise aber die beste Möglichkeit, um Einsamkeit zu verringern. So ein Videoanruf trage zur Tagesstruktur bei, sei aktivierend, ein Moment der Nähe in den Zeiten der Isolation, sagt Elisabeth Stögmann. Sie ist Professorin an der Universitätsklinik für Neurologie der MedUni Wien.“

Oma und Opa sind jetzt online, falter.at, 21.04.2020

Ja, aber: Es gibt Senior*innen, die wollen digital werden. Das ist toll und dabei sollten sie unbedingt unterstützt werden. Es gibt aber auch diejenigen, die nicht wollen. Einfach weil sie es – zumindest nach eigener Aussage – nicht interessiert. Darüber lässt sich diskutieren, aber mehr auch nicht. Ein Nein zur Digitalisierung muss mensch akzeptieren, auch wenn es selbst schwer vorstellbar ist.

Übrigens: Für eine unserer Podcast-Folgen habe ich mit Medientrainerin Katja Bröckl-Bergner gesprochen. Sie erklärt, warum digitale Teilhabe so wichtig ist und wie diese altersgerecht klappen kann.

Und wir bleiben beim Thema Podcast!

Digitale Provinz: Homeschooling Special

Wie ihr vielleicht wisst – oder auch nicht, macht nichts, ich schreibe es jetzt – erscheint alle zwei Wochen unser Digitale Provinz-Podcast. Letzte Woche habe ich mit Martin Gneist und Michael Behr vom Kinder- und Jugendring Sachsen-Anhalt gesprochen. Und der nächste Podcast käme eigentlich erst nächsten Mittwoch. EIGENTLICH! Denn: Unser Head of Digitale Provinz Daniel Krüger hat den Schülern Milon und Bennet zum Thema Homeschooling auf den Zahn gefühlt. Und dabei gab es einige Überraschungen. Spoiler: Beide vermissen die Schule. VER-MISSEN DIE SCHULE. Ernsthaft. Warum? Das hört ihr seit hier:

Tschüss & keep distancing!

Auch wenn die Vorschriften zu Corona gelockert werden – it’s not over yet. Und auch wenn es schwerfällt, sollten wir weiter darauf achten, uns nicht zu nah zu kommen. Das klappt sogar beim tanzen, wie das Ensemble der Opéra national de Paris zeigt. Das Ballet in der Jogginghosen-Home-Edition zeigt ZDF heute journal.