GuMo, liebe Freund*innen der Digitalen Provinz! Es ist Freitag und das bedeutet Weekly-Tag! Ich, Susanne, habe wieder die wichtigsten #digitalregional News für euch recherchiert. Mit am Start sind diesmal:

Das war das #COWORK2020 Barcamp

2020 könnte das Jahr der ausgefallenen Konferenzen werden – könnte. Tut es vielleicht aber doch nicht. Viele Offline-Tagungen wandern jetzt in den digitalen Seminar-Raum. Dazu gehört auch die #COWORK2020. Rund 280 Teilnehmer*innen haben am Samstag im Rahmen eines Barcamps zusammen diskutiert, sich vernetzt und ausgetauscht. Ich habe dazu exklusiv mit Tobias Kremkau gesprochen, Mitorganisator der #COWORK2020, Master of Co-Working und Vorstandsmitglied der German CoWorking Foundation e.V..

Das Barcamp: Am Samstag um 9 Uhr öffneten sich die digitalen Tore. Eigentlich bedeutet Barcamp vor allem, dass die Planung der einzelnen Sessions am gleichen Tag beschlossen wird. Das ist virtuell so spontan nur schwer möglich. „Wir haben am Mittwoch vorher die Session-Einreichung geschlossen“, erklärt Tobias Kremkau. Alles andere sei organisatorisch nicht zu bewältigen gewesen, denn die Anmeldung für das virtuelle Barcamp habe die Erwartungen positiv gesprengt. „Wir hatten mit etwa der Hälfte gerechnet“, sagt Kremkau.

In fünf Runden à 60 Minuten inklusive 15 Minuten Pause ging es dann um Themen wie Nachhaltigkeit im Coworking-Space oder Rural Coworking. Für die Pause gab es einen virtuellen Kaffeeraum, dazu noch einen Support-Raum für mögliche Probleme. Jede Session habe zwischen 35 bis 50 Teilnehmer*innen gehabt. Um 16.30 Uhr ging das Barcamp dann offline.

Das Virtuelle ersetzt nicht das Physische

Wobei das Wort Teilnehmer*innen für Tobias Kremkau nicht ganz zutrifft. „Ich würde schon sagen, dass die Schwelle für die Moderation einer Session bei einem Barcamp virtuell höher ist. Dafür gibt es aber mehr Teilnehmer*innen. Wobei man hier vielleicht eher von Zuschauer*innen sprechen muss“, so Kremkau. Sich spontan dazu entscheiden eine Session zu hosten, so wie es das Prinzip Barcamp eigentlich fördert, ist virtuell schwierig. Das wiederum haben einige Session-Hosts mit interaktiven Elementen wie Umfragen aufgefangen. „Eine Kollegin hat das Tool Icebreaker.Video ausprobiert“, so Tobias Kremkau. Das Tool lost zufällig zwei Personen aus, die sich dann in einem Video-Chat treffen.

Tobias Kremkau selbst hat auch eine Session moderiert zum Thema Narrative Strategien über CoWorking-Spaces. Sein persönliches Barcamp-Fazit: Das Virtuelle ersetzt nicht das Physische. „Mir hat das Zufällige, die kleinen Wahrnehmungen, das kleine Schmunzeln gefehlt“, erklärt der Co-Working-Chef. Aber das Virtuelle könne eine gute Ergänzung sein. Was sich Tobias Kremkau für die #COWORK2021 wünscht? „Dass sie wieder physisch stattfinden kann.“

Die Orga: Eigentlich ist die COWORK eine physische Veranstaltung. „Aber sechs Wochen vorher zeichnete sich ab, dass das so nix wird“, so Tobias Kremkau. Weil – Corona. In einem ersten Impuls habe die German CoWorking Federation das Event abgesagt. Dann aber kam die Frage auf: Geht das vielleicht auch digital? Ja, das geht, wie ein Besuch des virtuellen Barcamps Neckar-Alb zeigte. Deshalb entschied sich das Orga-Team, zumindest das traditionelle Barcamp am Samstag zu veranstalten.

Hosting via Circuit, Session-Orga mit Trello

Für die Umsetzung des digitalen Barcamps hat das Orga-Team um und mit Tobias Kremkau dann bei Netz & Work virtuell angeklopft. Die Lösung: Circuit. Die Software ermöglicht Veranstaltungen für bis zu 300 Teilnehmer*innen. Gleichzeitig entspreche sie laut Tobias Kremkau auch den Datenschutzanforderungen. Circuit öffnet virtuelle Räume, die die Teilnehmer*innen ohne Anmeldung betreten können. Die Tagesplanung des Barcamps wurde via Trello organisiert.

Den Erfahrungsbericht zum Tool Icebreaker auf dem Barcamp findest du hier. Tobias Kremkau bloggt nicht nur zum Thema Co-Working, er betreibt auch einen Telegram-Channel. Weitere Eindrücke vom Barcamp findet du auf Twitter unter dem Hashtag #COWORK2020.

Bienenfutter aus dem Automat

Fast blinde Fenster, hinter denen sich die Plastik-Schätze und Zuckerbomben nur noch schwer erahnen lassen: Der Kaugummi-Automat ist fester Bestandteil meiner Dorfkindheit, in vielen Regionen aber nur noch ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten. Bis jetzt. In Dortmund ist 2019 ein kleines Projekt gestartet, das einen einzelnen Automaten umgebaut hat: Statt zäher Kaumasse gibt es jetzt eine Samenmischung mit Pflanzen für Wild- und Honigbienen. Das schreibt die Rhein-Neckar-Zeitung unter Berufung auf dpa.

Das Projekt: Das Green-Hacking der Kaugummi-Automaten geht auf das Konto des Dortmunders Sebastian Everding. Er hat den ersten Automaten Ende 2019 in Dortmund-Hombruch aufgestellt. Für 20 Cent gibt es statt Zuckerbombe eine Samenmischung, für 50 Cent eine Frühlingskrokus-Zwiebel, berichtet Heise mit Verweis auf dpa. Mittlerweile gibt es bundesweit 20 dieser Automaten, Interesse steigend. Die aktuelle Zahl findet ihr auf der Karte hier. Wer jetzt an Plastikverpackungen denkt – hat leider recht: Aktuell gibt es noch keine komplett nachhaltige Alternative, aber die Kapseln werden in einem Mehrwegsystem in einem Behälter neben dem Automat gesammelt und wieder aufgefüllt.

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Hintergrund: Die Wildbiene ist nach wie vor vom Aussterben bedroht. Neben einem tödlichen Virus sind es vor allem die landwirtschaftlichen Monokulturen, die Nutzung von Pestiziden und die Landflächenversieglung, die ihr das Leben extrem schwer machen. Das ist nicht nur schlimm für die Biene, sondern auch für uns. Deshalb sind Projekte wie der Bienenautomat ein wichtiger Baustein.

„Rund 85 Prozent der Erträge im Pflanzen- und Obstbau in Deutschland hängen von der Bestäubung der Honigbienen ab

Bundesumweltamt, 14.08.2015

Mehr Infos zum Projekt Bienenautomat findest du hier. Weitere Möglichkeiten, die Biene zu unterstützen findest du auf dem grünen Portal Utopia oder auch beim Nabu.

Homeoffice ist noch nicht New Work

Viele haben es bereits geahnt, jetzt liegt eine erste Befragung vor: Corona hat dafür gesorgt, dass das Arbeiten plötzlich flexibler und digitaler möglich ist, aber bedürfnisgerechter wird es dadurch nicht. Das hat eine Befragung der Energy Factory St. Gallen gemeinsam mit HR Pepper Management Consultants gezeigt, wie Haufe berichtet.

Worum geht’s: Die Befragung zeigt, dass zwar mehr in virtuellen Teams interagiert wird und digitale Kommunikation und Tools benutzt werden, aber damit geht nicht die Anpassung an die individuellen Bedürfnisse der Arbeitnehmer*innen einher. Kurz gesagt – selbstbestimmteres Arbeiten bedeutet nicht bedürfnisgerechteres Arbeiten.

Über die Befragung: In einer Online-Befragung vom 3. bis 20. April 2020 ist untersucht worden, wie sich die Corona-Pandemie auf „New Work und Kultur sowie auf Produktivität und Wohlbefinden der Mitarbeitenden auswirkt“. Dafür nutzte die Studie den Fragebogen zur Erfassung von New Work und Culture aus der New-Work-Forschung von Heike Bruch, Co-Autorin des Haufe-Artikels. Insgesamt haben 307 Personen aus Unternehmen verschiedener Größenklassen und Branchen an der Befragung teilgenommen.

Ergebnisse kompakt

  • Das Arbeiten im Homeoffice nimmt zu
    Insgesamt arbeiten von den Befragten nur noch fünf Prozent gar nicht im Homeoffice. Vor der Corona-Krise haben nur vier Prozent überhaupt am heimischen Desk gesessen.
  • Die Unternehmenskultur passt sich kaum an
    Die Digitalisierung der Arbeit bzw. ihrer Bedingungen hat kaum frischen Wind in die vorherrschende Unternehmenskultur gebracht. „Analog gibt es auch nur leichte Unterschiede in der Flexibilität der Teamstrukturen, der Nutzung von agilen Methoden im Team sowie der Selbstkompetenz der Mitarbeitenden zur Arbeit in flexiblen Strukturen“, schreibt Haufe.
  • Mitarbeitende an der Belastungsgrenze
    Wer hat es nicht geahnt – 20 Prozent der Befragten geben an, an ihrer Belastungsgrenze zu arbeiten. Da sollten bei allen Unternehmen die Alarmglocken mindestens klingeln! Was besonders besorgniserregend ist: Es gibt „keine nennenswerten Unterschiede bezogen auf das Wohlbefinden bei der Arbeit und außerhalb der Arbeit“, so Haufe. Daraus schließen die Autor*innen, dass die Grenzen zwischen Privatleben und Arbeit derzeit noch stärker verschwimmen. Oder wie Freelancer sagen: normaler Arbeitstag.
  • Nur naheliegende Maßnahmen werden umgesetzt
    Was sich aktuell im Arbeitsprozess verändert, geschieht nur, weil es muss. Das ist ein eher niederschmetterndes Ergebnis der Befragung. Will heißen: Was auch so klappt, bleibt auch so, auch wenn gerade jetzt eine gute Zeit für Innovationen wäre. Das wiederum widerspricht dem New Work-Prinzip, das eine inspirierende Kultur im Unternehmen fördern will.
  • Chancen werden nicht ausgeschöpft
    Tja, siehe oben. Das Ergebnis der Autor*innen: „Durch die Corona-Pandemie wurde bisher keine Veränderung von Leadership, Kultur oder Kompetenzentwicklung erzielt.“ Unternehmen, die bereits vorher die New Work Transformation angestoßen haben, können jetzt die Chance nutzen, sie weiter zu forcieren. Die anderen Unternehmen nutzen sie nicht; darunter leiden dann nicht nur die Marktorientierung sondern vor allem die Mitarbeiter*innen.

Ja, aber: Ein bisschen nimmt das Ergebnis dem New Work-Optimismus den Wind aus den digitalen Segeln. Etliche Unternehmen haben New Work bisher ignoriert und sie werden es weiterhin tun, sobald die Mitarbeiter*innen wieder ins Büro kommen. Eine so verkrustete Arbeitskultur aus Kontrolle und Präsenz, wie wir sie teilweise in Deutschland haben, ist nur schwerlich aufzubrechen.

Gegenwind vom Arbeitgeberverband

Es kann jedoch klappen. Wenn sich die Arbeitnehmer*innen organisieren und gezielt dafür einsetzen. Und wenn sogar Arbeitsminister Hubertus Heil an einem Gesetz für das Recht auf Homeoffice arbeitet, wie t3n berichtet, dann sollten Arbeitgeber*innen besser zuhören. Und nicht wie Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, deklarieren, dass darunter die Wirtschaft leide. Wer ist wirklich aus der Zeit gefallen, wie Kampeter laut t3n sagt: Ein Gesetz, dass das Recht auf freiwilliges Homeoffice regelt? Oder Arbeitgeber*innen, die sich nicht von Unternehmenskultur aus den 1960ern lösen wollen.

Den kompletten Artikel aus der Feder von Prof. Dr. Heike Bruch und Matthias Meifert findet ihr hier.

Übrigens: Zum Thema New Work hat Daniel Krüger für den Digitale Provinz-Podcast die New Work-Expertin Inga Höltmann vor das Mikro gebeten. Hört mal rein:

Hidden Champions auf dem Land suchen

Wie ihr wisst, will Digitale Provinz Initiativen und Projekte sichtbar machen, die sich mit allen Verzweigungen der Digitalisierung in ländlichen Räumen befassen. In Gießen hat sich die Justus-Liebig-Universität ein ähnliches Anliegen auf die Fahne geschrieben. Das Forschungsprojekt Hidden Champions will wirtschaftliche, gesellschaftliche und räumliche Veränderungen untersuchen, die sich im Zusammenhang mit der Digitalisierung in ländlichen Räumen abzeichnen. Dafür gibt es jetzt Förderungen vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in Höhe von knapp 136.000 Euro. Das schreibt die Gießener Allgemeine.

Das Projekt: Hidden Champions sind laut Gabler Wirtschaftslexikon eigentlich „mittelständische  Unternehmen, die in Nischen-Marktsegmenten Europa- oder Weltmarktführer geworden sind.“ Sie sind unsichtbar, aber extrem erfolgreich. Übertragen auf den ländlichen Raum fokussiert das Projekt an der Justus-Liebig-Universität Unternehmen, Projekte und Organisationen, die die fortschreitende Digitalisierung der ländlichen Räume für sich nutzen. Was das für die Region bedeutet und welche möglichen Wechselwirkungen dabei mit den Hidden Champions entstehen – das will das Forschungsprojekt untersuchen.

Krisenkommunikation mit Chatbots?

Corona treibt die Digitalisierung voran. Plötzlich geht alles digital – ob das so bleibt, sei mal dahingestellt. Was aber bleiben könnte: Die fortschreitende Digitalisierung der Kommunikation. Das schreibt die neue Corona-Plattform des Verbands Kommunaler Unternehmen (VKU) zum Auftakt der neuen Serie Lösungswege Corona.

Worum geht’s: Im ersten Teil steht die Kommunikation zwischen Bürger*innen und kommunalen Unternehmen in Zeiten von Physical Distancing im Mittelpunkt. Im Fokus stehen dabei Chatbots, das sind „Dialogsysteme mit natürlichsprachlichen Fähigkeiten textueller oder auditiver Art“, sagt das Gabler Wirtschaftslexikon. Sie werden oft im Kundendienst benutzt, etwa bei Mobilfunkanbietern. Der VKU sieht ihren Nutzen aber auch im Austausch mit Bürger*innen während der Corona-Krise.

Themenfelder für Chatbots

Konkret: Einen Corona-Bot gibt es schon. Den haben PRO energy consult aus Köln zusammen mit dem Technologiepartner addBots aus München und den Stadtwerken Troisdorf basierend auf dem Stadtwerke-Chatbot entwickelt. Eine erste Testrunde haben die Gemeindewerke Stockelsdorf an der Ostsee und die Stadtwerke Karlsruhe durchgeführt. VKU-Mitglieder können die Corona-Chatbot-Version drei Monate kostenlos testen. Disclaimer: Wir wurden nicht vom VKU kontaktiert, dies ist keine Werbung, bitte gehen Sie weiter.

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Ja, aber: Kommunikation in Zeiten von Physical Distancing ist nicht einfach. Trotzdem glaube ich nicht, dass Chatbots hier die beste Lösung sind. Denn diejenigen, die im Zweifelsfall wissen, was ein Chatbot ist und wie mensch mit diesem kommuniziert, sind diejenigen, die sowieso Smartphone /PC haben. Wichtiger ist es doch, die zu informieren, die nicht zu den heavy User*innen gehören. Und da hilft ein Chatbot nur bedingt, finde ich.

Digitale Provinz-Podcast mit Katja Diehl!

Ich bin ein ziemlicher Fan von Katja Diehl und ihrer Initiative #Shedrivesmobility. Und deshalb umso aufgeregter zu schreiben: WIR HABEN SIE IM PODCAST!

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Unser Head of Digitale Provinz Daniel Krüger hat mit ihr zusammen über das Ende der Auto-Ära gesprochen – mein persönliches YAY! – und über ihre Motivation hinter #shedrivesmobility. Hört und staunt selbst und macht euch am besten Notizen. Spoiler: #Autokorrektur hat hier nix mit dem Smartphone zu tun.

Tschüss & bleibt gesund!

Bevor es ins Wochenende geht, habe ich hier noch was für euch. Wie oft habt ihr schon irgendein cooles Ess-Ding gegoogled, auf die Menükarte geguckt, dann geguckt, ob jetzt lieber über Plattform LieferX oder HeldY bestellt wird? Ja, ich auch. Google jetzt so: Hold my beer. Golem berichtet, dass der Tech-Gigant bei Maps und der normalen Suche eine neue Funktion einführen will, bei der mensch direkt bei Restaurants bestellen kann, ohne Umwege über andere Plattformen.

Das Ganze geschieht laut Golem in Kooperation mit Lieferando über zwei Schaltflächen: Zum Mitnehmen bestellen oder Bestellen und liefern lassen, schreibt Golem. Und das bedeutet auch: Wenn das Restaurant nicht bei Lieferando ist, dann klappt auch die Bestellung über Google Maps nicht. Trotzdem eine coole Idee, finde ich. ABER: Am besten ist immer noch direkt selbst anrufen, gerade jetzt. Denn viele der Plattformen erhalten einen Anteil des Umsatzes. Und der ist wegen Corona gerade natürlich nicht so hoch. Macht’s gut und bleibt digital!