Diese Woche gibt’s nicht nur ein Schnaps-Zahl-Weekly, sondern ich feiere auch meine Premiere als Weekly-Autorin. Hey, mein Name ist Anne und ich bin Social-Media-Redakteurin für Digitale Provinz. Solange meine Kollegin Susanne im wohlverdienten Urlaub ist, halte ich die Stellung und zeige euch, was diese Woche an der Schnittstelle #digitalregional so los war. Vorhang auf:

Provinz auf Probe: Die Grünen fordern Förderprogramm

Wenn wir eines in fast einem Jahr Digitale Provinz gelernt haben, dann: Ohne Moos nur wenig los und dass Rückenwind durch die Politik wichtig ist, um Projekte im ländlichen Raum vorwärts zu bringen. Und ja, manchmal müssen Politiker*innen ein wenig angestupst werden, damit Gelder locker gemacht und Förderanträge geschrieben werden. 

Ich fange am besten von vorn an. Die Fans der ersten Stunde unter euch werden sich vielleicht erinnern: Im November letzten Jahres waren wir beim Barcamp zum Summer Of Pioneers in Wittenberge dabei (und haben in einem Weekly special darüber berichtet). Thema war damals: Wie sieht die Zukunft auf dem Land aus? 

Der Summer of Pioneers macht’s vor, die Politik zieht nach

Gemeinsam mit Landbewohner*innen, Politiker*innen und Digital-Macher*innen wurde diskutiert und gebrainstormt, wie das Leben und Arbeiten im ländlichen Raum verbessert, angepasst und revolutioniert werden kann. Mit von der Partie war der Grünen Bundestagsabgeordnete Markus Tressel, der jetzt, ein gutes halbes Jahr später, gemeinsam mit seinen Kolleg*innen einen Antrag an die Bundesregierung gestellt hat, der da sagt: Wir brauchen gezielte Förderung für das Leben auf dem Land. Ausrufezeichen. Der Summer Of Pioneers scheint Eindruck hinterlassen zu haben.

Worum geht’s? Der Antrag wurde bereits am 30. Juli formuliert. Darin fordern Mitglieder der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN die Einrichtung eines Modellprojekts für „Neues Leben auf dem Land“ innerhalb der Bundesregierung. Ziel ist es, Projekte langfristig zu fördern, die das Landleben wieder cool machen wollen und sich dem innovativen und kreativen Wohnen und Leben im ländlichen Raum annehmen. 

Konkrete Ideen sind in den Augen der Antragsteller*innen etwa Projekte zum Probewohnen auf dem Land (wie zum Beispiel der Summer Of Pioneers), Coworking-Spaces in der Provinz, die Reaktivierung von Ortskernen und die inklusive Umgestaltung von Wohnraum im ländlichen Raum, „um für alle Menschen lebenswerte Dörfer zu schaffen“. 

„Eine Förderung von Projekten, die den Zuzug in ländliche Räume anstreben, kann eine sinnvolle Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik nicht ersetzen, aber sehr gut ergänzen.“

Quelle: Antrag, Ein Förderprogramm „Neues Leben auf dem Land“ auflegen, Deutscher Bundestag, Stand: 30.06.2020

Ja, aber: Was die Antragsteller*innen jedoch auch anmerken: Es geht nicht nur darum, innovative Wohn- und Arbeitsprojekte zu fördern, sondern auch darum, eine infrastrukturelle Basis zu schaffen. Im Klartext heißt das: Breitband und Mobilität. (Überraschung!) Erst dann werden langfristig Zuzüge in die Provinz gewährleistet werden können. Ein deutliches Signal Richtung Bundesregierung. 

Wir sind gespannt, ob und wie der Antrag in die Tat umgesetzt wird, drücken die Daumen und halten euch auf dem Laufenden. Den kompletten Antrag der Grünen findet ihr hier.

via Giphy

Hey, ihr Gründer*innen! Kommt auf’s Land!

Wo wir gerade beim Thema „junge-Menschen-in-die-Provinz-bringen“ sind: Es gibt mal wieder ein tolles Projekt, das wir euch unbedingt vorstellen wollen: Lab4Land. Abgesehen davon, dass der Name schon ziemlich fancy klingt, verbirgt sich dahinter eine großartige Möglichkeit für Gründer*innen, die ihre Idee(n) weiterentwickeln und der Provinz als Gründungsort eine Chance geben wollen.

Worum geht’s? StartUps und junge Gründer*innen-Teams sind bis jetzt vor allem in Metropolen wie Berlin, Hamburg oder München anzutreffen. Klar, schnelles Internet und der 5-Minuten-Takt der S-Bahn klingen schon verlockend. Gleichzeitig sind die Mieten für Büroräume überirdisch und Platz zum Entspannen gibt’s auch nicht an jeder Ecke. Deshalb lautet die Devise von Lab4Land-Organisator Lasse Kroll: Kommt auf’s Land und verwirklicht eure Ideen einfach hier! Gemeinsam mit den Kolleg*innen der Stiftung Zukunftsfonds Asse, der CoWorkland eG (inklusive bekannten Podcastgesichtern, wie Uli Bähr) und der DSTATION sucht er Teilnehmer*innen und Gründer*innen mit unternehmerischen Konzepten und Visionen für den ländlichen Raum. 

Leben und gründen in der Provinz

Bis zum 31. Juli können sich interessierte Macher*innen mit ihrer Geschäftsidee bewerben. Am 17. August erhalten alle Bewerber*innen Feedback von der Lab4Land-Jury. Für die fünf überzeugendsten Teams heißt es dann im September: auf nach Schöppenstedt, wo der vierwöchige Lab4Land Accelerator stattfindet. Die Gründer*innen leben und arbeiten für einen Monat lang auf dem Campus der DSTATION und haben Raum, Platz und Unterstützung, um zu tüfteln, zu brainstormen und zu netzwerken. Nach Ende der vier Wochen werden die fertigen Konzepte vor einer Jury, bestehend aus namhaften Investor*innen, präsentiert. Ziel ist es, mindestens zwei Teams längerfristig zu unterstützen. 

Workation in Schöppenstedt (Foto: Lab4Land)

Ok, ich weiß, das klingt schon alles ziiiiemlich gut. Aber es kommt noch besser: Für Unterkunft, Verpflegung, Mobilität, Netzwerk und Coaching sorgen die Köpfe hinter Lab4Land. Die Bewerber*innen erwartet also ein Rund-um-sorglos-Paket in der Provinz-Edition. Mehr Infos zum Programm und zur Bewerbung gibt’s hier. Außerdem verlinke ich euch hier noch ein Interview mit Organisator Lasse Kroll, in dem er erzählt, warum Gründen im ländlichen Raum eine richtig gute Sache ist.

Larven für’s Klima?

Zugegeben, besonders digital mag dieses Thema nicht klingen, aber spätestens seit unserer Virtuellen Afterhour zum Digitaltag wissen wir: Digitalisierung hat nicht nur etwas mit Technik zu tun, sondern meint auch Kreativität und Wandel. Themen, die auch in der Landwirtschaft mittlerweile eine große Rolle spielen. Drohnen und Tablets auf dem Acker, Unkrautjähte-Maschinen und automatische Bewässerungen gehören mittlerweile zum Alltag in vielen landwirtschaftlichen Betrieben. In puncto Tierhaltung gibt’s allerdings noch Nachholbedarf. Einen ersten Schritt macht jetzt das StartUp FarmInsect.


Foto: FarmInsect

Worum geht’s? Hinter FarmInsect steckt eine ausgeklügelte Technologie, die es Landwirt*innen ermöglicht, mithilfe ihrer biologischen Abfallprodukte eigenes Protein-Futtermittel für Tiere, wie Schweine, Hühner oder Fische, aus Insektenlarven herzustellen. Die Anlage funktioniert komplett automatisch: Von einer Mühle, in der Reststoffe als Mastfutter für die Insekten zerkleinert werden, bis hin zu einer Klimakammer, in der die Insekten bis zur Fütterung gehalten werden. Das schreibt das Online-Magazin bioökonomie. Über eine IT-Plattform, die mit speziellen Sensoren ausgestattet ist, können die Landwirt*innen den Prozess der Insektenproduktion selbst verfolgen. Vorkenntnisse nicht nötig. 

„Mit FarmInsect wollen wir Tierhaltung nachhaltiger und effizienter gestalten.“

Quelle: ÜBER FARMINSECT. FarmInsect auf farminsect.eu, Stand: 16.07.2020

Warum Insekten? Sogenannte Nutztiere, wie Schweine oder Geflügel, werden weltweit fast ausschließlich von Soja ernährt. Das hat verschiedene Gründe: Zum einen, weil Soja eine echte Protein-Bombe ist, zum anderen, weil es durch die enorme Nachfrage günstig ist. Das Problem dabei: Der Großteil des nach Deutschland importierten Soja stammt aus Südamerika, wo Millionen von Hektar Regenwald abgeholzt werden, um Sojaplantagen anzulegen (Quelle: Bundesinformationszentrum Landwirtschaft). Ökologisch gesehen eine Katastrophe! Seit 2017 sind Insekten offiziell als Tierfuttermittel in Deutschland zugelassen. Ziemlich naheliegend, wenn bedacht wird, dass sie sich aufgrund ihres hohen Eiweißgehalts mindestens genauso gut eignen wie Soja, nachhaltiger sind und importfrei in der Landwirtschaft eingesetzt werden können. FarmInsect könnte dafür den Grundstein gelegt haben.

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Ein nächster Schritt des StartUp-Unternehmens ist die Aufstellung einer Pilotanlage in einem der größten Fischzuchtbetriebe Bayerns. Der Vertrag ist schon unterschrieben. Im September 2020 soll es losgehen. (Quelle: bioökonomie)

Ja, aber: Der Einsatz von Insekten könnte die Landwirtschaft revolutionieren und eine echte Alternative zu sojabasiertem Futtermittel darstellen. Trotzdem sollten wir, dem Klima zuliebe, unser Ess- und Konsumverhalten reflektieren. FarmInsect schreibt auf der eigenen Website, dass laut Schätzungen des FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) bis 2050 mit einem weltweiten Anstieg des Fleisch- und Fischkonsums um 65% zu rechnen ist. Uff. Was wir tun können? Bewusstsein schaffen, Ressourcen schonen und ja, weniger Fleisch essen.

Parkplatzsuche adé

Alle Städter*innen, die regelmäßig mit dem Auto unterwegs sind, werden das Problem kennen: Feierabend, wie das duftet und dann findet sich wieder kein Parkplatz. Oder es kommt erst gar nicht so weit, weil man in einem dieser wunderbar-nervtötenden Staus steht, weil Autofahrer*innen auf der verzweifelten Suche nach einem Parkplatz immer wieder im Kreis fahren. Na, habt ihr auch gerade Herbert Grönemeyers „Mambo“ im Kopf?

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Die Stadt Jena hat sich da mal was ausgedacht: Ein Parkplatzfinder in der App MeinJena. Die Anwendung gibt’s bereits seit drei Jahren und wird stetig um neue Funktionen erweitert. Von Tickets für die Öffis, über Wohnungsanzeigen, bis hin zu einem Veranstaltungskalender gibt die App so ziemlich alles her, was die Bewohner*innen Jenas im Alltag so brauchen. 

Und jetzt gibt’s unter dem Menüpunkt Mobilität eben auch eine Suchfunktion für innerstädtische Parkplätze und Parkhäuser plus Auskunft über Öffnungszeiten, Parkscheingebühren und Erreichbarkeit. Umgesetzt wurde die Funktion durch eine Kooperation der Stadtwerke mit dem Kommunalservice Jena (KSJ), das schreibt Kommune 21.

Der KSJ plant außerdem die Installation eines Parkleitsystem im Jenaer Stadtgebiet, welches die Auslastung von Parkplätzen mittels technologischer Vorrichtungen an Schranken und Einfahrten erfasst und die Daten direkt an die MeinJena-App übermittelt. 

„Mit dem städtischen Parkleitsystem wollen wir dazu beitragen, Jenas Innenstadt vom Verkehr zu entlasten. Schön, dass wir dabei die ersten Schritte in der App MeinJena gehen können.“

Quelle: Christopher Helbig, Abteilungsleiter Infrastruktur und Digitalisierung beim KSJ, Kommune 21

Mehr Infos zur App und ihren Funktionen findet ihr hier

Supporte deine liebsten Digital-Macherinnen

Was treibt eigentlich den digitalen Wandel voran? Es sind Ideen, Konzepte, Visionen und vor allem: kluge Köpfe! Dass davon eine Menge weiblich sind, geht manchmal ganz schön unter. Gründerinnen, Politikerinnen, Gestalterinnen, Expertinnen – sie alle tragen durch ihr Engagement dazu bei, dass die Digitalisierung weiter voranschreitet und tolle digitale Projekte geboren werden. Das soll gewürdigt werden: Mit dem Digital Femal Leader Award 2020. Die Jahreszahl verrät es schon: Die Auszeichnung gibt es bereits seit 2018. Seitdem werden jedes Jahr Frauen und ihre Arbeit in der Digital-Branche in verschiedensten Kategorien ausgezeichnet. Von New Work, über Mobilität, bis hin zu Diversity und Gesundheit, ist so gut wie jede denkbare Digital-Bubble dabei.

Der Digital Female Leader Award ist eine Initiative von Global Digital Women, ein internationales Unternehmen innerhalb der Digitalbranche, das sich die Vernetzung, Sichtbarkeit und Stärkung digitaler Köpfe auf die Fahne geschrieben hat. Durch die Verleihung des Awards sollen Geschichten und Karrierewege von Frauen in der Digitalwirtschaft erzählt und sichtbar gemacht werden. Die Bewerbungsphase für dieses Jahr läuft noch bis zum 29. Juli. Bis dahin könnt ihr euch selbst oder inspirierende Digital-Macherinnen nominieren. Für jede Kategorie werden am Ende drei Finalistinnen ausgewählt, deren Gewinnerin bei einer Preisverleihung am 28. November bekannt gegeben wird, wuhu!

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Apropos Female Empowerment: Schon in unsere aktuelle Podcastfolge reingehört? Kollegin Susanne hat mit Sonja O’Reilly, der Gründerin von #SheDoesFuture, über digitale Bildung von Mädchen und jungen Frauen gesprochen und was das eigentlich mit Digitale Provinz zu tun hat:

Macht’s gut und bis bald!

Das war’s von mir und meinem ersten Weekly! Oder wartet, eine Kleinigkeit habe ich noch. Die Smart Country Convention geht nämlich in eine neue Runde und ist ein Muss für alle Digital-Fans. Dieses Jahr findet sie am 27. und 28. Oktober ausschließlich (Überraschung!) virtuell statt. Thematisch wird es vor allem um E-Government und Smart Cities gehen. Kostenlos anmelden könnt ihr euch jetzt schon hier.

So, jetzt aber wirklich. Macht’s gut, habt’s schön und vor allem: bleibt digital! ☼


Digitale Provinz ist ein Projekt der Kommunikations-Agentur Korrektur NachOben.