Hallo zusammen, ich, Susanne, bin zurück aus dem Urlaub und direkt für euch wieder in die Tiefen des Internets getaucht! Diese Woche gab es wieder einiges an der Schnittstelle #digitalregional. Mit dabei sind diesmal:

Tangerhütte 4.0.: Verwaltung kann digital sein

In der Altmark in Sachsen-Anhalt geht es in Sachen Digitalisierung ziemlich ab, Stichwort Glasfaser und Breitbandausbau, darüber habe ich in Weekly #32 berichtet. Auch auf Verwaltungsebene sind die Altmärker*innen hier teilweise ganz vorne mit dabei. Zum Beispiel in Tangerhütte. Was genau da alles digital klappt und warum das eigentlich so wichtig ist, erklärt Bürgermeister Andreas Brohm im Kurzinterview mit MACH.

Worum geht’s: Dank ‚Rona musste Ende März plötzlich alles digitaler werden. Das galt auch für das Rathaus Tangerhütte. Für Bürgermeister Andreas Brohm eine Herausforderung, aber unvorbereitet sei die Verwaltung nicht gewesen. „Wir haben den grundsätzlichen Prozess zum Ausbau der Digitalisierung bereits vor drei Jahren angestoßen“, so Brohm gegenüber MACH. Die Lösung – ein Bürgerkonto. Angefangen vom Kita-Erstattungsformular bis hin zur Erstattung der Lohnkosten für die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr im Einsatz ist vieles digital möglich. Dabei stehe aber nicht nur die rechtskonforme Umsetzung im Fokus, sondern auch die User*innenfreundlichkeit, erklärt Brohm. Wichtig sei nun das, was den Bürger*innen wirklich nutze. Mittlerweile klappe sogar die Gewerbeanmeldung online.

Das ganze Interview findet ihr übrigens bei MACH. Disclaimer: Dafür müsst ihr eure Mailadresse angeben, das Interview gibt es dann als PDF in die Mailbox. Den Artikel, in den das Interview eingeflossen ist, findet ihr hier.

Forever in Jogginghose – Homeoffice macht produktiver und ist weniger stressig

Corona hat viele Menschen ins Homeoffice gezwungen – jetzt wollen sie nicht mehr raus. Zu Recht, wie eine Studie der Krankenkasse DAK aufzeigt. Darüber schreibt t3n mit Bezug auf die Deutsche Presseagentur (dpa), der die Studie vorliegt. Spoiler: Das Stresslevel ist bei vielen ordentlich gesunken, die Produktivität gleichzeitig gestiegen, aber so einigen fehlen die Kolleg*innen im Homeoffice.

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Worum geht’s: Für die Studie haben die Forschungsinstitute IGES und Forsa vor und während Corona insgesamt jeweils um die 7000 Arbeitnehmer*innen zwischen 18 und 65 Jahren befragt. Die erste Phase lief von Mitte Dezember 2019 bis Anfang Januar 2020, die zweite Phase von Ende April bis Anfang Mai 2020.

Ergebnisse kompakt

  • Tschüss, Stress – also, fast: Bei den täglich Gestressten ging das Stresserleben um 29 Prozent zurück. Der Anteil derer, die kaum oder nie gestresst sind, stieg um fast zehn Prozent auf 57 Prozent.
  • 56 Prozent der Befragten, die mittlerweile regelmäßig im Homeoffice arbeiten, sind nach eigener Aussage produktiver als im Büro.
  • Auch die Vereinbarkeit von Job und Familie ist gestiegen, so etwa zwei Drittel der Befragten. Das gilt besonders für Eltern mit Kindern unter 12 Jahren. Sie stimmen dem mit 77 Prozent zu.
  • Im Homeoffice fällt mitunter nerviges und zeitaufreibendes Pendeln weg. Über diese Zeitersparnis freuten sich ebenfalls knapp zwei Drittel.
  • Aber es gibt auch negative Rückschlüsse: So vermisst fast jeder Zweite die klare Trennung von Beruf und Privatleben. Offensichtlich arbeiten sie nicht in der Kreativbranche.
  • Und das vielleicht schönste Aber zum Schluss – drei Viertel der Befragten vermissen ihre Kolleg*innen. Dazu gehören auch kurze Absprachen zwischen den Kolleg*innen und mit den Chef*innen.

Arbeitnehmer*innen wissen: Homeoffice fetzt.

Ja, aber: Überraschend sind die Ergebnisse der Studie für viele Arbeitnehmer*innen nicht. Umso wichtiger das wissenschaftliche „Ja, isso!“ für alle Homeoffice-Skeptiker*innen. Homeoffice kann das Leben weniger stressig machen, vor allem mit Kindern. Das bedeutet aber nicht, dass die Gleichzeitigkeit von Kinderbetreuung und Homeoffice nicht stressig ist. Klingt kompliziert, soll aber nur heißen: Kind + Homeoffice ungleich weniger Stress. Grundsätzlich kann es aber die Planung vereinfachen. Wir von Korrektur NachOben sind auch in großen Teilen weiterhin im Homeoffice, ich persönlich auch, weil weniger Stress, auch ohne Kind. Und das mit der Work-Life-Balance? Einfach mal den Podcast mit #socialmediagedönstante Ute Schulze hören. Mehr Zen geht nicht.

Die komplette Studie findet ihr als Präsentation übrigens hier.

Welche Entwicklungen uns im Zuge der Corona-Krise mit Blick auf New Work noch erwarten? Darüber schreibt Zukunft der Arbeit über – ja, genau – die Zukunft der Arbeit.

Digitale Provinz-Podcast: Neue Folge mit Frederik Fischer, digitaler Pioneer und Kodorf-Initiator

Am Mittwoch ist unsere neue Digitale Provinz-Podcastfolge erschienen – mit niemand geringerem als Frederik Fischer! Er ist nicht nur digitales Mastermind hinter dem Summer of Pioneers, er hat auch einfach mal das KoDorf auf den Weg gebracht: quasi die Verstetigung des Summer of Pioneers. Warum wir solche Projekte gerade dringend brauchen und warum Brandenburg ziemlich cool ist? Klickt und hört mal rein:

Wer mehr zum Summer of Pioneers und den aktuellen Stand der mittlerweile zwei angedachten KoDörfer wissen will, klickt ins Weekly #32 und ins Weekly #29. Und wer wissen will, was Frederik sonst noch so denkt und sagt, klickt sich mal in unsere Digitale Afterhour anlässlich des Digitaltags. Super digital!

Wie digital ist das digitale Bürgeramt?

Digitale Bürgerämter erinnern gefühlt oft an das Märchen vom Kaiser und seinen neuen Kleidern. Der hat ja bekanntlich gar keine an, nur traut sich keine*r, das auch laut zu sagen. Bei den Bürgerämtern ist es bis heute so, dass viele als digital beworben werden, nur die wenigsten es im Jahr 2020 auch sind. Ja, es gibt Ausnahmen, Grüße ans Digitale Rathaus Tangerhütte. Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung zeigt aber auch: Wo digital draufsteht, ist oft nur wenig digitales drin. Darüber schreiben die Studienmacher*innen Sabine Kuhlmann, Jörg Bogumil und Moritz Heuberger bei Kommune21. Sie haben an der Studie mitgewirkt. Ein ähnlicher Text mit zusätzlichen Infografiken ist auch auf dem Blog des Kompetenzzentrums Öffentliche IT erschienen.

Worum geht’s: Die Studie Bürgerämter in Deutschland. Organisationswandel und digitale Transformation hat in einem umfassenden Prozedere nicht nur Fallstudien in Mannheim, Karlsruhe und Freiburg mit Blick auf Digitalisierung durchgeführt, sondern auch schriftlich alle (!) Kommunen in Deutschland mit mehr als 20.000 Einwohner*innen befragt, eine Mitarbeiterbefragungen in Karlsruhe und Bochum durchgeführt sowie eine Bürgerbefragungen in Mannheim, Karlsruhe und Bochum. Um die digitale Wertschöpfung zu ermitteln in all its glory, haben die Studienmacher*innen verschiedene E-Government-Entwicklungsmodelle benutzt: Dabei unterscheiden die Forscher*innen zwischen der reinen Online-Informationsbereitstellung, digitalen Kommunikationswegen, der Transaktion sowie Integration. Auf diese Kategorien haben sie unterschiedliche Dienstleistungen der Bürgerämter untersucht. Spoiler: Sieht nicht gut aus.

Die wichtigsten Ergebnisse

  • Ganze 83 Prozent aller Kontakte mit dem Bürgerbüro, im Fachjargon auch „one stop-shop“ genannt, findet immer noch in persona statt. Nur zehn Prozent der Bürger*innen nutzen den digitalen Weg.
  • Zu drei von vier Dienstleistungen bieten die Bürgerämter online Informationen an. Die Studie nennt hier Beispiele wie Öffnungszeiten oder Formulare. Klingt nicht so innovativ, ist es bei näherem Hinsehen auch nicht, denn: Die wenigsten Dienstleistungen, zu denen die Infos online auffindbar sind, sind digital nutzbar. In knapp ein Viertel der Fälle können zumindest Formulare heruntergeladen werden. Diese müssen die Bürger*innen dann ausdrucken und postalisch zusenden. Das nennt die Studie einen Medienbruch. Immerhin ist in neun Prozent der Ämter die digitale Beantragung von Anwohner*innenparkausweisen möglich. Übrigens nicht in Magdeburg. Just saying.
  • Die Studie hat insgesamt drei Reifegrade mit Blick auf E-Government untersucht. Der erste Reifegrad der Digitalisierung beschreibt die Bereitstellung von Informationen online. In dem Bereich sieht es gut aus. Beim zweiten Reifegrad – der Kommunikation zwischen Bürger*in und Amt – nimmt dies schon ziemlich ab. Ähnlich sieht es beim dritten Reifegrad aus, der medienbruchfreien Transaktion, also beispielsweise wenn Bürger*innen ein Formular online ausfüllen und dieses dann auch online übermitteln können. Kurz gesagt: Viele Infos online, wenig tatsächlich digital machbar.

Digitale Informationen yay, digitale Abwicklung nay

Hier zeigt sich schon: Es sieht nicht gut aus, wenn es um Digitalisierung und Bürgeramt geht. Laut Studie gibt es wenig bis kaum Sachverhalte, die wirklich digital abzuwickeln sind und wenn es sie gibt, dann empfinden die Bürger*innen sie nicht als nutzer*innenfreundlich. Das soll aber nicht heißen, dass auch die Leistungen der Bürgerämter schlecht empfunden werden, ganz im Gegenteil. Diese wird laut Studienmacher*innen durch alle Altersschichten als gut eingeschätzt. Yay! Dazu gehören auch die Online-Terminbuchung und Terminsprechstunden allgemein. Gleichzeitig sind in den Verwaltungen immer mehr Stellen abgebaut worden. Das bemerken eben auch die Bürger*innen.

Es gibt (…) keine einzige Verwaltungsleistung, die deutschlandweit in allen Bürgerämtern als medienbruchfrei online abschließbar einzustufen wäre.

Quelle: Studie Bürgerämter in Deutschland. Organisationswandel und digitale Transformation, S. 99.

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Digitalisierung? Leider nein.

Neben den Bürger*innen sind auch die Mitarbeiter*innen befragt worden, von Bürgermeister*in bis hin zur Sachbearbeiterin. Dabei zeigt sich auch der digitale Generationenkonflikt. Während sich alle einig sind, dass ein Bürgeramt auch bürger*innenfreundlich agieren muss, bedeutet das für die Befragten nicht unbedingt, dass dies auf digitalem Weg geschehen muss: Digitalisierung wird „als deutlich weniger wichtig für eine bürgerorientierte Leistungserbringung eingeschätzt (…), was mit mangelnder Funktionsfähigkeit und Anwenderfreundlichkeit sowie dem Generationeneffekt zu tun hat“. UFF.

Und jetzt?

Naja, gute Frage. Ein guter Anfang wäre aus Sicht der Studienmacher*innen auf jeden Fall die Aufstockung des Personals. Die immer höheren gesetzlichen Anforderungen machen sich im Arbeitsaufwand bemerkbar. Und das zieht sich hin bis zur Digitalisierung der Bürgerämter. Dabei wäre an erster Stelle laut Forscher*innen eine größere Nutzer*innenfreundlichkeit nötig, vor allem bei den Diensten, die auch tatsächlich häufig von Bürger*innen genutzt werden. Wer sich schonmal durch die verschiedenen Terminoptionen und Formular„depots“ geklickt hat, weiß, was ich meine. Fairerweise muss hier auch gesagt werden, dass dafür eben auch Gesetzesänderungen nötig sind. Es ist nicht alles eine Frage des Mindsets. Die fünf Euro ins Phrasenschwein zahle ich gern.

Ja, aber: Die Verwaltungen sind in weiten Teilen noch nicht im Jahr 2020 angekommen. Das ist durchaus erschreckend, aber wenig überraschend. Dafür können die Mitarbeiter*innen jedoch am wenigsten. Wer sowieso schon Überstunden schiebt, weil die Kolleg*innen A bis K nicht mehr da sind, dem bringt auch eine Online-Terminvergabe keine Entlastung. Deshalb müssen bei der (Weiter)Entwicklung der digitalen Verwaltungen auch die Kolleg*innen HINTER dem Schreibtisch bedacht werden. Wer merkt, dass Digitalisierung das Arbeitsleben vereinfacht, hat auch mehr Lust darauf. Sage nicht nur ich, sondern auch die Studie. Der digitale Wandel lässt sich nicht aufhalten.

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Die ganzen 105 Seiten-Studie mit noch weiteren tiefgehenden Ergebnissen findet ihr GRATIS in der digitalen Version hier. Die Kurzversion mit den Ergebnissen zu Digitalisierung gibt’s auf dem Öffentliche IT-Blog und bei Kommune21.

Ihr arbeitet in einer Verwaltung und nehmt das alles komplett anders war? Schreibt uns eine Mail an digitaleprovinz@korrekturnachoben.de oder hinterlasst uns einen Kommentar.

Bürger*innen beteiligen!

Ein ähnliches Thema ist die Beteiligung von Bürger*innen an Entscheidungsprozessen. Wie das besonders mit Blick auf ländliche Räume aussehen kann? Dazu hatten die Grünen in Sachsen-Anhalt im Februar die #Landleben-Konferenz veranstaltet. Ja, pre-Corona, noch ganz klassisch mit Personen, die Älteren unter uns erinnern sich. Aus den Ergebnissen dieser Konferenz hat die Fraktion einen Fragenkatalog zur Bürgerbeteiligung erarbeitet mit adhocracy. Dabei geht es auch um das Thema Digitalisierung auf dem Land. Dafür schlägt unser digitales <3, das wisst ihr. Klickt mal rein!

Lesetipp: Blog-Reihe Soziales im Digitalen

Ihr wisst, ich bin besonders Fan von der Verbindung #digitalregional. Dazu gehört für mich auch Digital & Sozial. In Weekly #31 habe ich kurz über den Podcast Irgendwas mit Menschen von Benedikt Geyer berichtet (hört rein!), heute gibt es was auf die Augen und den Kopf. Die Reihe Soziales im Digitalen von D3 – so geht digital.

Worum geht’s: Die Reihe Soziales im Digitalen oder auch Soziale Wärme beschäftigt sich mit der emotionalen Ebene der Digitalisierung. Gerade in Corona-Zeiten und social distancing (ihr erinnert euch?!) ist empathisches Verhalten in digitalen Räumen wichtig. Das ist das Thema der aktuellen Folge 3: Tools und Tipps. Insgesamt zehn Stück hat der Kollege Michael Metzger für euch rausgesucht. Einige kennt ihr vielleicht schon, andere sind euch bisher vielleicht nicht in den Sinn gekommen. Spoiler: Einfach mal ne Grimasse ziehen.

Ganz wichtig: die Netiquette. Wer darf was und wann. Vorab sollte abgefragt werden, wie es den einzelnen Personen geht. Das kann so manchem Kommentar die Schärfe nehmen und Konflikte vermeiden. Auch Icebreaker helfen, die manchmal durchaus befremdlichen virtuellen Meetings aufzulockern. D3 empfiehlt sowas wie Grimassenschneiden, ich persönlich bin ja immer für lustige Tassen oder Memes zu haben.

Die restlichen Tipps findet ihr im Artikel hier. Sehr wholesome das Ganze!

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Tschüss & Mundschutz auf!

Es ist fast Wochenende! Wer wie ich circa ständig am Smartphone hängt, kennt am WE vor allem auch das: ein ständiges Vibrieren und Klingeln diverser plötzlich aufploppender Gruppenchats. Das haben sich die Kolleg*innen von Extra 3 mal vorgenommen – und ins echte Leben™ adaptiert. Ich hoffe, Tante Inge kriegt was Schönes!

So, das war’s! Macht’s gut und haltet Abstand <3

Digitale Provinz ist ein Projekt der Kommunikations-Agentur Korrektur NachOben.