Hello zum ersten Weekly im August! Bevor wir in eine zweiwöchige Sommer-Pause gehen, habe ich, Anne, hier nochmal die wichtigsten Digital-News der Woche für euch. Vielleicht kennt ihr mich noch aus Weekly #33 oder von unseren Social-Media-Kanälen (Wenn wir schon mal dabei sind: Folgt uns! Folgt uns! Folgt uns!). Da bin ich nämlich normalerweise anzutreffen. Solange Kollegin Susanne aber noch im Urlaub ist, bin ich eure Digital-Botin und habe folgende Themen für euch:

Bundesregierung gründet Bundeszentrale für Digitale Aufklärung

Fakenews, fragwürdige Bots, Hatespeech: Im Internetz passieren tagtäglich die merkwürdigsten Dinge. Gerade die Menschen, die nicht zu den Digital Natives gehören, kann das ganz schön verunsichern. Steckt hinter dem Account tatsächlich ein Mensch? An wen kann ich mich wenden, wenn ich merke, dass Falschmeldungen gestreut werden? Und was ist überhaupt dieses 5G? Fragen über Fragen, die beantwortet werden möchten. Die Bundesregierung hat jetzt Butter bei die Fische gemacht und dafür eine neue Institution gegründet: die „Bundeszentrale für Digitale Aufklärung“, die am 30. Juli durch Dorothee Bär, Staatsministerin im Bundeskanzleramt für Digitalisierung, ins Leben gerufen wurde.

Worum geht’s? Das Projekt will Bürger*innen für einen kritischen Internet- und Medienkonsum sensibilisieren, mit Vorurteilen gegenüber digitaler Transformation aufräumen und Digital-Nutzer*innen mit neuen Technologien, wie KI oder 5G, vertraut machen. Außerdem soll sie die Medienkompetenz der Bürgerinnen und Bürger stärken“, heißt es laut Bundesregierung. Stichwort Medienkompetenz. Wieder so ein Buzzword. Was bedeutet das überhaupt? Ich, die ihren Bachelor (und auch fast den Master) im Fach Medienbildung absolviert hat, habe den Begriff während meines Studiums seeehr oft genutzt und mich oft gewundert, wie mit ihm im Kontext der Digitalisierung um sich geworfen wird, ohne ihn tatsächlich zu erklären.

via GIPHY

Deshalb an dieser Stelle ein winziger Exkurs: Medienkompetenz meint grundlegend die Fähigkeit, dass sich Menschen neuer Medien bedienen und diese kompetent nutzen können. Einen Computer bedienen, online bestellen oder Musik auf dem Smartphone streamen reicht aber nicht. Denn zu Medienkompetenz gehört auch, sich Wissen über (neue) Medien selbst zu erschließen, sie für sich und den eigenen Alltag nutzen zu können und vor allem: die eigene Mediennutzung zu reflektieren und neue Technologien zu hinterfragen, ohne sie von vornherein abzulehnen. Erklärbär out.

Die Bundesregierung möchte durch ihre neue Institution also dazu beitragen, dass sich alle Mediennutzer*innen im Netz sicherer fühlen, womit wir wieder beim Stichwort #DigitaleTeilhabe wären. Konkret sollen auch Aspekte wie Cybersicherheit, Datenschutz und Privatsphäre im Netz durch die Bundeszentrale thematisiert werden. Wie genau wird das Ganze umgesetzt? Laut Bundesregierung sollen Aufklärungskampagnen durchgeführt und kostenfreie Angebote für Bürger*innen geschaffen werden. Darüber hinaus ist ein besonderes Schulungsangebot für Zielgruppen, wie Eltern, Lehrer*innen und Pädagog*innen geplant.

Ja, aber: Kritik zur Bundeszentrale gab es prompt – direkt aus dem Netz. Auf Twitter hieß es beispielsweise, dass der Launch der Institution nicht offen genug beworben wurde und wieder nur die Digital-Bubble erreichte. Laut Meedia-Redakteur Tobias Singer sei die Information über die Veröffentlichung der Bundeszentrale wieder nur weitestgehend denjenigen vorbehalten geblieben, die Insider-Medien wie Tagesspiegel Background oder Basic Thinking lesen. Auch Dorothee Bär soll in den sozialen Netzwerken eher zurückhaltend mit der Werbung für ihr neues Projekt gewesen sein. Hm. Schwierig, wenn bedacht wird, dass sich das Angebot ja gerade an diejenigen wenden soll, die nicht sowieso schon total digital unterwegs sind. Gut, der Launch ist auch erst eine Woche her. Vielleicht sollten wir noch ein wenig die Füße stillhalten und abwarten, ob und wie die neue Bundeszentrale ihre geplanten Angebote umsetzt.

Mehr Infos zur neuen Bundeszentrale für Digitale Aufklärung gibt’s hier.

Schlafplatz im Hinterland

Sagen wir es mal, wie es ist: Corona hat den meisten Urlauber*innen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Statt Mittelmeer, Strand, Kontinentwechsel heißt es dieses Jahr Uuuuuurlaub in Deutschland, Uuuuurlaub in der Regioooon (Grüße gehen raus an Rainald Grebe). Ja, die Vorstellung, sich einen Camper zu mieten und irgendwo im Nirgendwo aufzuwachen, mit einem See vor der Nase oder inmitten einer Wildblumenwiese – das klingt schon echt romantisch. Die Realität sieht aber anders aus. Überfüllte Campingplätze, völlig überteuerte Ferienwohnungen, von Entspannung keine Spur. Denn: Wildcampen ist in Deutschland noch immer illegal.

via GIPHY

„Kann man da nicht was machen?“, dachte sich Marcus Oltmanns und gründete kurzerhand die Plattform Hinterland. Dort können Camping-Fans besondere Übernachtungsplätze auf privaten Wiesen, an Seen oder in Baumhäusern direkt bei den Eigentümer*innen buchen. Das heißt: Legales Wildcampen geht also doch! 

„Wir haben das Wildcampen gezähmt.“

Quelle: Hinterland auf ihrer Website

So funktioniert’s: Die Plattform funktioniert ähnlich wie Airbnb. Ihr sucht euch einen Übernachtungsplatz aus und nehmt per Anfrage den direkten Kontakt zu der*dem Eigentümer*in auf. Buchen und Bezahlen ist über die Plattform noch nicht möglich, daran arbeiten Oltmanns und sein Team aber noch. Übrigens: Wenn ihr selbst einen coolen Übernachtungsplatz hinterm Haus habt, eurem Opa ein Wald gehört oder ihr stolze Eigentümer*innen eines Badesees seid, könnt ihr zu Gastgeber*innen werden. Besonders cool an der Plattform finde ich, dass auf diesem Weg auch weniger bekannte Orte (vor allem ländliche Räume) als Urlaubsorte fungieren. Wer weiß: Vielleicht finden so wieder mehr Leute ihre Liebe zur Provinz. 

Alle Infos zur Hinterland-Plattform findet ihr hier.

Jetzt aber wirklich: Recht auf mobiles Arbeiten

2020 = das Jahr des Homeoffice? So viel können wir schon mal sagen: Corona hat die ganze New Work-Geschichte ziemlich gepusht, mobiles Arbeiten war plötzlich fast überall mehr oder weniger möglich und in den letzten Wochen und Monaten sind zahlreiche Artikel im Netz herumgeschwirrt, die sagen: Homeoffice ist ne gute Sache – für Arbeitnehmer*innen UND Unternehmen. So weit, so gut. Wir wissen mittlerweile, dass Homeoffice zu einer besseren Work-Life-Balance beitragen kann und für weniger Stress und CO2 durch weniger Pendelei zwischen Zuhause und Arbeitsstelle sorgt. Aber so richtig scheint der Funke noch nicht übergesprungen zu sein.

via GIPHY

Homeoffice schien in den letzten Wochen und Monaten zwar praktisch, um die Läden irgendwie am Laufen zu halten, wurde von den meisten aber eher als eine Übergangslösung angesehen. Nach der „heißen“ Phase von März bis Mai, sitzen seit Juni fast alle wieder am alten Arbeitsplatz, ob in der Großstadt oder in der Provinz. Aber warum? Warum nutzen wir die Erkenntnisse der letzten Monate nicht und wagen den Schritt Richtung Neues Arbeiten – auch ohne Pandemie, 365 Tage im Jahr?

Diese Frage hat sich auch das „Bündnis für Neue Arbeit auf dem Land“ gestellt. Dahinter stecken CoWorkLand eG, Netzwerk Zukunftsorte e.V. und die German Coworking Federation e.V.. Ihr Entschluss: Wir brauchen endlich was Handfestes!

Worum geht’s? In einem Positionspapier wurde die Forderung für ein Recht auf mobiles Arbeiten formuliert. Die Betonung liegt hier tatsächlich auf „mobilem Arbeiten“. Denn Homeoffice, das schreiben die Unterzeichner*innen im Papier, ist nicht die Allheil-Lösung. Es geht nicht darum, analoges Arbeiten im Büro durch das gänzliche Arbeiten von Zuhause aus zu ersetzen, denn, seien wir mal ehrlich: Das ist nicht nur utopisch, sondern schlichtweg nicht für jede*n das Richtige. Das merken wir schon bei uns im Team: Während unser Chef Daniel am liebsten im Büro arbeitet, nutzen Kollegin Susanne und ich gern die Möglichkeit, auch mal vom heimischen Schreibtisch aus zu arbeiten. Das Stich- und Zauberwort lautet: Wahlfreiheit. 

Arbeiten, wo DU willst

Arbeitende sollten selbst entscheiden können, wo sie produktiv und kreativ werden. Denn es gibt für alle den passenden Ort: Ob das nun das Homeoffice, die örtliche Bibliothek, das Café an der Ecke, das klassische Büro oder ein Coworking-Space ist. Das Ganze sollte nur rechtlich geregelt werden, so das Bündnis für Neue Arbeit auf dem Land.

Was vom Bündnis außerdem gefordert wird: die sogenannte Dableib-Pauschale – das Pendant zur Pendler*innenpauschale. Heißt im Klartext: Menschen, die von Zuhause aus oder von einem anderen nahegelegenen Ort arbeiten, sollen durch eine Förderung unterstützt werden, um etwa einen eigenen heimischen Arbeitsplatz einzurichten oder einen Platz in einem Coworkingspace zu finanzieren.

„Der Staat muss […] ein starkes Signal setzen und Arbeitnehmer*innen von mindestens im gleichen Maße wie Pendler*innen von Kosten entlasten, die durch die Vermeidung von Mobilität entstehen.“

Quelle: Positionspapier zur Arbeitswelt nach Corona des Bündnisses für Neue Arbeit auf dem Land. Abrufbar unter: https://www.coworking-germany.org/pressemitteilung-dableib-pauschale/

Ja, aber: Tatsächlich gibt’s an dieser Stelle keine Einwände. New Work steht in der Tür und auch die Regierung muss erkennen, dass die 40-Stunden-Woche und Anwesenheitspflicht im Büro echt von gestern sind. Das soll übrigens nicht heißen, dass diese Arbeitsform schlechter ist als andere. Vielmehr soll es darum gehen, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Arbeitnehmer*innen einzugehen. Wir drücken die Daumen, dass das Positionspapier Gehör findet und sich die Bundesregierung dem Thema annimmt. Neben den Initiator*innen von CoWorkLand eG, Netzwerk Zukunftsorte e.V. und der German Coworking Federation e.V. haben übrigens auch viele weitere namhafte Initiativen und Unternehmen unterschrieben: die Bertelsmann Stiftung, die St. Oberholz GmbH, KoDorf GbR oder Coconat – A Workation Retreat. Da muss das doch einfach klappen!

Das komplette Papier findet ihr hier.

Smarter Regenradar meets Frühwarnsystem

Jüngste Bilder aus Bayern zeigen: Einige Kommunen im Bundesland schwimmen buchstäblich im Regenwasser. Tagelanger Dauerregen führte zu starken Überschwemmungen, diese wiederum zu teuren Schäden an Wohnhäusern und zu Ausnahmesituationen für die Bewohner*innen.

Noch schlimmer sind diese Niederschläge, wenn sie plötzlich auftauchen und sich nicht durch tagelanges Regenwetter ankündigen. Das Fraunhofer-Institut in Lemgo, einer Kleinstadt im Kreis Lippe in Nordrhein-Westfalen, beschäftigt sich deshalb mit der Entwicklung eines Frühwarnsystems für Starkregen. Das schreibt Kommune 21. Mit diesem System könnten Kommunen bei heftigen Niederschlägen zukünftig schneller reagieren und Einsatzkräfte im Notfall besser planen.

Mittels Sensortechnik in Echtzeit und KI-Technologie soll sichtbar gemacht werden, wo sich das Regenwasser besonders staut, damit schnell Maßnahmen getroffen werden können. Als erster Schritt wurden Pegelmesser am Fluss Emmer installiert, die mithilfe von Ultraschalltechnik erste Messungen vornehmen und Regenfälle sowie das Pegelverhalten erfassen. Die Messergebnisse werden dann direkt an einen Server des Fraunhofer-Instituts übertragen, wo diese wiederum gespeichert, verarbeitet und visualisiert werden.

Die ersten Messdaten wurden bereits ausgewertet. Sie bilden die Grundlage für die Weiterentwicklung des Frühwarnsystems, so Kommune 21.

Mehr Infos zum Projekt findet ihr übrigens hier.

Neue Podcastfolge: Silicon Vilstal statt Silicon Valley

Hörempfehlung für’s Wochenende gefällig? Dann hört doch mal in unsere neue Podcast-Folge rein. #DigitaleProvinz-Boss Daniel hat diesmal Helmut Ramsauer hinter das Mikro geholt. Helmut ist Gründer von Silicon Vilstal, einer großartigen Initiative, die sich auf die Fahne geschrieben hat, Kreatives und Digitales in der niederbayrischen Provinz Vilstal sichtbar zu machen. 

Einmal im Jahr findet außerdem das #SiliconVilstal-Erlebnisfestival statt, eine Art fancy Volksfest für Digital-Liebhaber*innen und kreative Köpfe. Ideen-Werkstätten, Konzerte, Workshops, Keynotes, Panels, leckeres handgemachtes Essen und vieles mehr. Auf das und allerlei anderes cooles Zeug könnt ihr euch vom 17.-20. September freuen. 

In Podcast-Folge #19 erzählt Helmut, wie das Festival dieses Jahr so ablaufen wird, wie sein Herzensprojekt eigentlich entstanden ist und warum Niederbayern mindestens so cool ist wie Berlin.

Und jetzt: Wochenende!

Bevor ich mich für heute wieder verabschiede, habe ich noch eine kleine Spielerei für euch, die mir Korrektur NachOben-Kollege Micha gezeigt hat: Bot Or NotDas Ganze funktioniert in etwa wie „Wahrheit oder Pflicht“ – nur ohne Pflicht. Ihr werdet mit einer*m Mitspieler*in in einen Web-Chat geworfen und müsst mit möglichst geschickten Fragen herausfinden, ob es sich bei eurem Gegenüber um einen Menschen oder doch um eine künstliche Intelligenz handelt. Der*die Chatpartner*in fühlt euch übrigens umgekehrt auch auf den Zahn. Für jede Chatrunde habt ihr 60 Sekunden Zeit.

Quelle: Screenshot von der Website

Ich hatte mit meinem Gesprächspartner Jake übrigens eine interessante und – in meinen Augen – menschliche Konversation über schlechte Angewohnheiten und Nägelkauen. Tja, kurze Zeit später wurde mir eröffnet, dass Jake ein Bot ist. Das Spiel hat mich ganz schön auf’s Glatteis geführt. Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie „echt“ sich Bots mittlerweile anhören können und wie schwierig es ist, Mensch und KI voneinander zu unterscheiden. Noch dazu ist es ein witziger Zeitvertreib für die Mittagspause. Das Spiel verlinke ich euch hier. Und vergesst nicht: act human. 😉

via GIPHY

Eine Sache noch:

Ihr habt es vielleicht oben schon gelesen: Wir verabschieden uns in eine kleine Sommer-und-Kreativ-Pause. Wir sind da nämlich an einer größeren Sache dran – einer #DigitaleProvinz-Digitalkonferenz! Deshalb brauchen wir die nächsten zwei Wochen geballte Power und Zeit, um zu organisieren und zu tüfteln. So viel können wir euch schon mal sagen: Ihr solltet euch den unbedingt den 30. Oktober dick im Kalender anstreichen. Mehr Infos gibt’s dann ganz bald. Stay tuned! Das nächste Weekly erscheint dann am 28. August.

Bis dahin: Macht’s gut, habt’s schön und vor allem: Bleibt digital! ☼

Digitale Provinz ist ein Projekt der Kommunikations-Agentur Korrektur NachOben.