Auf dem Bild ist ein silberens MacBook Pro zu sehen, das auf einem Holztisch steht. Auf dem Bildschirm ist der Schriftzug Weekly zu lesen, links daneben steht das Digitale Provinz-Logo, rechts vom Schriftzug ist das Korrektur NachOben-Logo. Links neben dem MacBook Pro liegt eine Sonnenbrille, Kopfhörer und ein Smartphone.

Es ist Freitag und das bedeutet nicht nur – fast Wochenende, sondern auch Weekly-Time! Ich, Susanne, bin mit Schwung ins Netz gesprungen, fast in der US-Wahl ertrunken und habe wieder alles an der Schnittstelle #digitalregional für euch rausgesucht. Mit dabei:

Berlin plus Brandenburg gleich neuer Superhub?

Wir starten mit einer Leseempfehlung aus dem Telegram-Channel von Frederik Fischer. In der Tagesspiegel-Reihe 75 Visionen für Berlin geht es – um Berlin, nicht die Provinz, ABER: In Folge 13 „So wird die Hauptstadtregion zu einem Wachstumspol für Europa“ thematisieren die Autoren Thomas Kralinski und Richard Meng das Potenzial, das die Hauptstadt im Synergieeffekt mit Brandenburg haben kann. Unlängst hat sich das am wenigsten besiedelte Bundesland nach MeckPomm zu einem Innovationshub für neues Wohnen und Arbeiten entwickelt, ich sage nur Coconat, Kodorf, Hof Prädikow. Eine entscheidende Rolle spielt dabei auch die Nähe zur Hauptstadt. Vive le „Greater Berlin“, wie die neue Modellregion im Artikel heißt!

Worum geht’s: Vier Bausteine können laut Autoren dazu beitragen, aus Berlin und Brandenburg eine Art deutschland- bis europaweiten Superhub für Digitalisierung und all ihre Freund:innen wie New Work zu machen. Zum einen eine noch stärkere Verknüpfung von Wissens-, Mobilitäts- und Wohnpolitik. Ein wichtiger Baustein sei hier der Aufbau einer zeitlich eng getakteten ÖPNV-Verbindung zwischen Hauptstadt und Land, Stichwort „Innovationskorridore und Zuzugsorte“ wie etwa Magdeburg.

Stadt und Land, Hand in Hand – und alle profitieren

Außerdem sei Ostdeutschland mit seinem großen Mittelstand auf eine neue Wachstumsstrategie angewiesen. Hier müsse der Fokus auf klimaneutralem Leben und Arbeiten liegen, um sich einen Standortvorteil zu verschaffen. Als dritten Punkt müsse die Vernetzung innerhalb Europas einen höheren Stellenwert erlangen. Viertens: „das Denken in Win-Win-Situationen“: Aus der Metropole öfter mal ins Umland gucken, da tut sich nämlich einiges. Und dabei hilft: die Digitalisierung™.

Und jetzt? Lesen. Der Artikel beschreibt auf erfrischend optimistische Art, was möglich sein kann, wenn Metropole und Land Hand in Hand arbeiten. Überraschend ist das nicht, engagieren sich doch beide Autoren in der Stiftung Zukunft Berlin. Klickt euch rein, es lohnt sich! Den kompletten Artikel mit vielen weiteren Inputs und wirklich tollen Ideen findet ihr hier.

Wenn die Arztpraxis zweimal hupt

… ist es wieder Zeit für schlechte Filmanspielungen und Zeit für den Medibus. Das Projekt Medibus der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) schafft seit zweieinhalb Jahren dort Abhilfe, wo medizinische Versorgung teilweise am kittelweißen Faden hängt. Doch es gibt ein Problem: Dem innovativen Projekt in Nordhessen droht das Aus. Darüber berichtet Jochen Schmidt für tagesthemen mittendrin.

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Worum geht’s: Um ein elementares Problem in ländlichen Räumen – den Mangel an Hausärzt:innen. So auch in Nordhessen. Hier fährt deshalb seit 2,5 Jahren der Medibus vier Dörfer und die Kleinstadt Sontra an. Ausgestattet wie eine komplette Arztpraxis, mit Labor und Ultraschall, sei dieser jedoch kein Ersatz für eine Praxis, sagt die Medibus-Ärztin Doris Gronow. Der Fahrplan ist streng getaktet: Wer den Medibus an den jeweiligen Tagen verpasst, muss mitunter eine Woche warten.

Headhunter für den Landarzt

Mit ist trotzdem immer noch besser als ohne: Knapp 80 Kilometer müsste so manche:r Bürger:in fahren, um von einem Hausarzt behandelt zu werden. Die Ärzte vor Ort nehmen laut Bericht keine Patient:innen mehr auf. Zuständig für die medizinische Versorgung ist die KVH, die für das Projekt auf zwei Jahre verteilt 600.000 Euro bereitstellt. Dessen Vorstandsmitglied Eckhard Starke sieht hier allerdings auch die Kommunen in der Verantwortung: Wer diesen im nächsten Jahr haben wolle, der müsse sich auch beteiligen. Die Bürgermeister wiederum zeigen auf die Pflicht der KVH: die Sicherstellung der medizinischen Versorgung.

In Nordhessen haben die Dörfer nicht auf Hilfe von außen gewartet. Schon vor zwei Jahren haben sie laut Bericht zusammen mit der Kleinstadt Sontra ein interkommunales Ärztehaus gegründet. Aber: Die vier Arztsitze sind nach wie vor leer. Das Problem soll nun ein Headhunter lösen.

Den ganzen Artikel findet ihr hier.

Übrigens: E-Health ist natürlich auch für uns ein großes Thema. Digitale Sprechstunden als Teilersatz für die medizinische Unterversorgung in ländlichen Räumen werden in manchen Teilen Deutschlands getestet. In Finnland sind sie – wie so oft – schon weiter, schreibt das Handelsblatt. Die elektronische Gesundheitsakte, laut Handelsblatt EU-datenschutzkonform, gibt es hier schon seit rund zehn Jahren. Den ganzen Text dazu findet ihr hier.

Bonner E-Government: Digitales aus der Provinz im Kampf gegen Corona

Lokale Lösungen statt deutschlandweites Einheitssystem – das haben wir vor allem auf der Smart Country Convention letzte Woche vermehrt gehört, siehe Weekly #45. Ein spannendes Beispiel für den lokalen Ansatz ist der Web-Service Covdi (Covid Digital), entwickelt von der IT-Abteilung der Stadt Bonn in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt. Darüber berichtet das Smart Country-Blog.

Worum geht’s: Vor allem um Entlastung. Zu Beginn der Corona-Krise wurden alle Fälle noch von den Mitarbeitenden des Gesundheitsamts händisch im System erfasst, in einem Sharepoint gespeichert – und ausgedruckt in Papierform zu einer Akte angelegt. Es kam zu Dubletten im System, bei schon 7000 Fällen im April auch kein Wunder. Auftritt IT-Abteilung.

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Schritt für Schritt wurde das Prozedere dann digitalisiert. Ein Onlineformular für das einheitliche Sammeln der Daten, dann die Weiterentwicklung zum Programm Covdi im Mai. Sobald die Mitarbeiter:innen neue Kontaktdaten eingeben, erstellt die Software automatisch einen neuen Fall. Das mache ein Gegenchecken von Daten aller beteiligten Abteilungen einfacher, weitere Anweisungen zu Quarantäne und/oder Abstrichen verschickt das System automatisch per Mail.

Wenn früher eine Quarantäne angeordnet wurde, musste der Beschäftigte vom Gesundheitsamt erst mal zum Ordnungsamt laufen. Jetzt geht alles komfortabler per Klick und weitaus schneller.“

Quelle: David Adler, Leiter Bereich E-Government und elektronische Verwaltung der Stadt Bonn, Corona-Pandemie: Wie ein digitales Tool das Gesundheitsamt in Bonn entlastet, Fabian Wahl, blog-smartcountry.de, 05.11.2020.

Das Beste fast zum Schluss: Die Software steht als Open Source zur Verfügung. Einige Interessent:innen hätten sich schon beim Gesundheitsamt Bonn gemeldet, weitere anonyme Downloads verzeichnete die GitHub-Seite der Stadtverwaltung OpenData Bonn.

Und jetzt? Abgucken und mitmachen. Open Source ist für mich ein grundlegendes Tool für E-Government. Was in Bonn klappt, kann auch in Gotha klappen. Sharing ist caring! Den kompletten Artikel findet ihr hier.

In der Smart City Ahaus pusht ein Smartphone-Stadtquiz die lokale Wirtschaft

Stärkere Corona-Beschränkungen bedeuten erneut Rotstift für viele Gastronom:innen und Gewerbetreibende – und zumindest teilweise soziale Isolation, auch für die Bürger:innen in Ahaus. Was gegen die Corona-Lethargie hilft: Spiele! Das Smartphone-Spiel „Das Große Stadtquiz“ lockt mit digitalen Gutscheinen für lokale Händler:innen als Gewinn. Und das kommt wiederum der lokalen Wirtschaft zu Gute. Win win!

Foto: Ahaus Marketing  und Touristik GmbH

Worum geht’s: Das Stadtquiz bringt laut Pressemitteilung fast 14.000 Menschen vor die Smartphone-Displays – jeden Abend um 20.40 Uhr. Dabei drehen sich die Fragen um lokale Begebenheiten und Orte. Dies schaffe eine stärkere Bindung zur Region, wird Claudia Platte von der Ahaus Marketing  und Touristik GmbH zitiert. Die Fragen werden nicht nur von ihr und ihren Kolleg:innen gestellt, Mitspieler:innen können außerdem eigene Fragen einreichen. Ein digitaler Stadtquiz-Club kümmert sich um die Freigabe und Bewertung der Fragen.

Gutscheine für Spieler:innen, Marketing für Händler:innen

Wer gewinnt, erhält einen digitalen Gutschein, der bei den lokalen Händler:innen eingelöst werden kann. Es geht also nicht nur um Spiel und Spaß – sondern auch um Plattform-Marketing. Denn die Gutscheine sind in der Regel nur 72 Stunden gültig, so Dieter van Acken von Tobit.Software, dem Betreiber der Plattform, in der Pressemitteilung.

Für den Sponsor bringt das nicht nur sofort Frequenz, die den Umsatz steigert, sondern auch Transparenz: Die Echtzeitstatistiken zeigen ihm und anderen – die Daten sind öffentlich verfügbar – die Erfolgsquoten seiner Kampagne.“

Quelle: Pressemitteilung Tobit.Software, Betreiber der Stadtquiz-Plattform, 03.11.2020.

Bis zu 300 Coupons landen täglich in den digitalen Wallets der Spieler:innen. Durchschnittlich würden diese innerhalb von knapp sieben Stunden eingelöst. Mehr Informationen zum Spiel findet ihr bei der Smart City Ahaus hier.

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KuhTube? Verbraucher:innen wollen mit Webcams mehr Einblick in landwirtschaftliche Tierhaltung

Zwischendurch mal in den Stall gucken, auch wenn du in der Großstadt sitzt? Kein Problem! Über das Phänomen KuhTube habe ich in Weekly #12 schon berichtet. Eine Bitkom-Umfrage zeigt jetzt: Ja, die Leute wollen das wirklich. Aber nicht nur zum entspannenden Kühe gucken, sondern für mehr Transparenz in der Landwirtschaft. Darüber berichtet topagrar online.

Worum geht’s: Verbraucher:innen wünschen sich engeren Kontakt zur Landwirtschaft – auch online. Dabei geht es jedoch nicht unbedingt um entspannendes Kuh-Watching am heimischen Bildschirm, sondern um Haltungsbedingungen in der Landwirtschaft. Eine repräsentative Bitkom-Umfrage unter 1.005 Menschen in Deutschland ab 16 Jahren hat ergeben, dass 92 Prozent der Befragten mit Hilfe digitaler Technologien für mehr Transparenz in Vieh- und Nutztierbetrieben sorgen wollen. Zwei Drittel fordern einen größeren Einblick in die Arbeit von Landwirten. Und ebenfalls 92 Prozent fordern eine höhere Wertschätzung von Lebensmitteln in Deutschland.

Ja, aber: Eine tiefgehende Analyse des Paradoxes von „mehr Wertschätzung von Lebensmitteln vs. geringe Akzeptanz höherer Preise für Fleisch“ würde jetzt zu weit führen und dafür müsste genau nachverfolgt werden, wer genau gefragt wurde. Stichworte sind hier besonders: soziale Schicht, Einkommen und politische Einstellung. Wie immer gilt: lesen und Meinung bilden. Die Umfrage findet ihr hier.

Smart Villagers: Wie Akteur:innen in ländlichen Räumen die digitale Transformation vorantreiben

Digitalisierung und Landleben sind seit einigen Monaten ein Trendthema. Etliche Medien wie Spiegel, Zeit, FAZ und SZ berichten über das sogenannte „neue Phänomen“. Die Wissenschaft hat die digitalen Entwicklungen abseits von Berlin und Hamburg schon länger im Blick. Eine aktuelle Veröffentlichung nimmt nun die Smart Villagers in den Fokus. Das Paper Smart Villagers as Actors of Digital Social Innovation in Rural Areas von Nicole Zerrer und Ariane Sept vom IRS Leibniz Institut für Raumbezogene Sozialforschung hat dafür unterschiedliche Akteur:innen untersucht. Dafür wurden zwei Fallbeispiele herangezogen. Die Namen der Dörfer wurden im Paper verändert, eins davon ist Teil des Projekts Dorf.Zukunft.Digital. Die Veröffentlichung ist Teil der Urban Planing-Ausgabe The City of Digital Social Innovators.

Worum geht’s: Smart Villagers stoßen mit digitaler Hilfe Transformationsprozesse in ländlichen Räumen an. In beiden Dörfern wollen die Akteur:innen mit Hilfe der Digitalisierung das Leben im Dorf verbessern und Probleme wie den demographischen Wandel und den schlecht ausgebauten ÖPNV angehen. Dafür nutzen sie digitale soziale Innovationen (DSI) wie etwa Car-Sharing oder Apps wie Dorffunk, die den Zusammenhalt vor Ort stärken sollen.

Was beiden Dörfern gemein ist: drei Arten von Akteur:innen. Zum einen die Treiber:innen, die mit ihrem digitalen Enthusiasmus mobilisieren und mitunter Impulse geben. Die Unterstützer:innen bieten – neben, ja, Unterstützung –, Expert:innenwissen und Fördermittel, die User:innen wiederum motivieren die beiden Gruppen und nutzen aktiv die digitalen sozialen Innovationen.

Das ganze Paper mit vielen weiteren Erkenntnissen findet ihr – nur auf englisch – als Open Access Dokument hier.

Übrigens: Ich habe für den Digitale Provinz-Podcast mit Heidrun Wuttke von Dorf.Zukunft.Digital über das Projekt und die Akteur:innen im Kreis Höxter gesprochen. Dabei zeigte sich auch: Der Austausch zwischen und mit den Dorfbewohner:innen war ein Kernelement für das gute Gelingen des mittlerweile dritten Digitalprojekts im Kreis (Grüße nach NRW!).

Tschüss & bleibt gesund!

Wir sind durch mit dem Weekly – jetzt geht es ab ins Wochenende, fast. Eine Sache habe ich noch für euch. Am Mittwoch ist der neue Digitale Provinz-Podcast erschienen! YAY!

In Folge #25 spricht Moderatorin Anne Wihan mit Martin French von der Initiative Smart Doerp. Er und seine Kolleg:innen sind überzeugt: MeckPomm kann mehr als Strand, Meer und Tourismus. Die Region kann zum Wohn- und Arbeitsort werden – temporär oder auf Dauer.

Wie Smart Doerp das umsetzt, warum Städter:innen und Landbewohner:innen gleichermaßen bedeutsam für den digitalen Wandel der Region sind und was Coworking für Mecklenburg-Vorpommern bedeutet, erzählt Martin in der neuen Folge. Klick, klick – reinhören.

So, wir lesen uns nächste Woche. Bleibt digital!

Auf dem Bild ist ein silberens MacBook Pro zu sehen, das auf einem Holztisch steht. Auf dem Bildschirm ist der Schriftzug Weekly zu lesen, links daneben steht das Digitale Provinz-Logo, rechts vom Schriftzug ist das Korrektur NachOben-Logo. Links neben dem MacBook Pro liegt eine Sonnenbrille, Kopfhörer und ein Smartphone.

Digitale Provinz ist ein Projekt von Korrektur NachOben.

Die Grafik zeigt das Logo der Agentur Korrektur NachOben. Auf einem schwarzen Würfel stehen in weißer Schrift die drei Buchstaben k, n und o. Neben dem Würfel steht in schwarzer Schrift Korrektur NachOben.