Auf dem Bild ist ein silberens MacBook Pro zu sehen, das auf einem Holztisch steht. Auf dem Bildschirm ist der Schriftzug Weekly zu lesen, links daneben steht das Digitale Provinz-Logo, rechts vom Schriftzug ist das Korrektur NachOben-Logo. Links neben dem MacBook Pro liegt eine Sonnenbrille, Kopfhörer und ein Smartphone.

Liebe Freund:innen der Digitalen Provinz, für euch ist es Weekly #52, für mich, Susanne, Weekly #final.

Zum einen, weil das Weekly erst einmal in die Winterpause geht, zum anderen, weil ich ab Januar die Digitale Provinz verlasse, um mich anderen Projekten zu widmen. An der Stelle also ein großes, dramatisches Dankeschön! Fürs Lesen, fürs Feedback (dazu später noch mehr) – und für das Ertragen der unzähligen Wortwitze. Hier zum letzten Mal alles, was diese Woche #digitalregional wichtig war:

+++Weekly-Winterschlaf: Euer Feedback ist gefragt!+++

Ich habe es oben schon geschrieben, hier noch einmal für alle: Das Weekly geht in eine verlängerte Winterpause. Wir wollen unseren wöchentlichen Newsletter verbessern, aufmöbeln, frisch lackieren, ihr wisst schon. Dafür brauchen wir eure Unterstützung!

Keine Angst, wir wollen nicht eure Erstgeborenen, nur euer Feedback. Die weltbeste Kollegin Anne hat eine Google-Umfrage erstellt, die etwa fünf Minuten dauert und uns wirklich sehr bei der Weiterentwicklung des Newsletters und unseres Podcasts helfen würde. Dabei geht es um thematische Fragen und vor allem: euch. Was wollt ihr lesen, was fehlt euch – und was findet ihr gut. Dafür einfach hier klicken.

Gastbeitrag: Analog-digitales Erzählcafé in Höxter macht Dorfgeschichte lebendig

Im letzten Weekly gibt es ein Special für euch: einen Gastbeitrag von Heidrun Wuttke, Projektleiterin von Dorf.Zukunft.Digital. Sie berichtet über das Höxteraner Erzählcafé, das Geschichten aus den 30 Projekt-Orten digital lebendig werden lässt. Aber lest selbst!

Zum Projekt: 30 Dörfer im Kreis Höxter erproben im Leader-Projekt Dorf.Zukunft.Digital mit viel Engagement eine digitale Dorf-Plattform. Die Dörfer hatten 2018 ihre Bedarfe an digitaler Information und Kommunikation gemeinsam formuliert und das Fraunhofer IESE mit der passgenauen Umsetzung beauftragt. Inzwischen gibt es allein in Ostwestfalen-Lippe 100 digitale Dörfer.

Das Dorf der Zukunft ist digital

Das Erzählcafé: Das „digitale Dorf in der Hosentasche“ spielt für die Digitalisierung der Dörfer eine besonders große Rolle. Egal, wo sich die Bürger:innen befinden, sie erhalten in Echtzeit aktuelle Informationen auf ihr Smartphone und sind auf dem Laufenden, was vor Ort los ist. Nachbarschaftshilfe und Vereinstreffen werden so schnell über den digitalen Marktplatz organisiert. In Zeiten der Corona-Pandemie ist der DorfFunk besonders relevant, denn kaum sind die offiziellen Richtlinien erlassen, schon wissen die Einwohner:innen der Modellorte Bescheid und können gleich reagieren, d. h. Vereinsfeiern und Gottesdienste entsprechend planen oder absagen. In manchen Orten sind bereits alle Haushalte über den DorfFunk miteinander verbunden.

Auf Basis dieser Plattform (Web und App), die vielseitig nutzbar ist, werden in den Dörfern weitere smarte Anwendungen erprobt, wie z.B. Kirche digital, die Gesundheits- und Senioren-App „Gut versorgt in Höxter“, die Fürsorge-Plattform das Sorgende Dorf oder die digitale Dorf-Chronik, die jetzt mit persönlich erzählten Dorfgeschichten von Jung und Alt bereichert wird.

Digitale Chronik gegen soziale Isolation

Dank der Zuwendung der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt, können Menschen aus 30 Dörfern anhand von Fotos und Postkarten nach den Regeln des Storytellings ihre Erlebnisse und Anekdoten vor laufender Kamera erzählen, die anschließend über YouTube in die digitale Chronik der Dörfer eingestellt werden. Bisher bestand diese vor allem aus Zahlen, Daten und Fakten und war mühsam zu lesen, besonders für junge Menschen. Dorfgeschichte für alle Generationen spannend zu erzählen und lebendig zu machen – das ist das Ziel des analog-digitalen Erzählcafés. So soll der Austausch im Dorf gestärkt und die soziale Isolation vieler in Zeiten der verschärften Corona-Beschränkungen durchbrochen werden. Die Dörfer erhalten durch den Projektträger, der VHS-Zweckverband Diemel-Egge-Weser, das notwenige Equipment und entsprechend Lernvideos. Eine filmische Dokumentation wird das Vorhaben begleiten.

Unsere Gesellschaft wird eine andere sein, wenn die Corona-Krise überwunden ist, aber schon jetzt ist klar: Die digitale Kommunikation wird Alltag und Arbeitsleben zunehmend prägen und bereichern. Wie gut, dass die Dörfer im Kreis Höxter dafür schon heute gut gerüstet sind und ihre Stärken zeigen: Das solidarische Miteinander, das alle im Blick hat und niemanden alleine lässt.

Mehr Infos zum Projekt findet ihr hier. Und was Heidrun Wuttke persönlich aus dem mittlerweile dritten Digitalprojekt in der Region zieht, erklärt sie mir hier im Podcast:

Brauchen wir eine Bundeszentrale für digitale Bildung? Ja, kommentiert Sue Reindke bei Edition F

Manchmal drängt sich der Eindruck auf, in der Politik funktioniert das mit der Digitalisierung so: Wenn mensch nur oft und laut genug nach ihr ruft, kommt sie plötzlich. Leider nein, leider gar nicht. Auch wenn etliche Politiker:innen der großen Parteien nach Digitalisierung rufen – sicherlich auch mit Blick auf diverse Wahlen zum Parteivorsitz – passieren tut wenig. Dabei ist dies gerade jetzt im Bereich Bildung dringend nötig. Die Lösung: Eine Bundeszentrale für digitale Bildung. Das schreibt Digitalexpertin Sue Reindke bei Edition F.

Worum geht’s: Um digitale Bildung bzw. das Fehlen guter Konzepte für genau diese. Darüber schreibt Pädagogin und Digitalexpertin Sue Reindke bei Edition F. Ihr Vorschlag: der Aufbau einer Bundeszentrale für digitale Bildung.

Das, was während der Schulschließungen zu Hause passierte, hat mit digitaler Bildung nämlich nicht viel zu tun, es war eher der Versuch, die Lehr-Lern-Prozesse aus der Schule möglichst originalgetreu nach Hause zu übertragen.“

Quelle: Warum wir jetzt eine Bundeszentrale für digitale Bildung brauchen, Sue Reindke, Edition F, 11.12.20

Bei digitaler Wissensvermittlung gehe es nicht nur um Inhalte, sondern auch um den Arbeitsprozess. Und bisher sei der Bildungsprozess in Schulen eher eine „Zettelwirtschaft“, schreibt Reindke.

Digitale Transformation des ganzen Schulsystems

Bei der Umsetzung digitaler Bildung müsse die eigentlich analoge Datenverarbeitung von Lehrenden und Schüler:innen und die daraus resultierenden riesigen Datenmengen – wir erinnern uns an unsere eigenen Hefte, Ordner, Zettel – so zu digitalisieren sein, dass eine gute, digitale und faire Struktur geschaffen werde.

Es geht nicht nur darum, was und wie gelehrt und gelernt wird, sondern viel mehr darum, welche Arbeitsprozesse, Strukturen und Datenverarbeitungsprozesse dahinterstehen und wie diese verbessert werden können.“

Quelle: Warum wir jetzt eine Bundeszentrale für digitale Bildung brauchen, Sue Reindke, Edition F, 11.12.20

Und dafür muss das komplette Schulsystem neu gedacht werden, so die Digitalexpertin. BOOM!

Schriftliche Konzepte gebe es mittlerweile genug, es brauche eine „komplette digitale Transformation des Schulsystems“, damit auch Post-Rona eine digitale nachhaltige Struktur geschaffen werde. Damit dies zentral umgesetzt wird und nicht jede Schule für sich arbeite, brauche es eine Bundeszentrale für digitale Bildung: „eine Mischung aus einer Denkfabrik, einer Organisationsberatung und einer internen Dienstleistungsagentur, die die Schulen, angepasst an die Vorgaben der jeweiligen Bundesländer, unterstützt.“ Word!

Digitale Bildung soll Lehrkräfte entlasten

Dazu gehören auch frei verfügbare, digitale Lernmaterialien. Mit Blick auf Copyright und diverse Lizenzen gar nicht so einfach. Noch schwieriger wird es, wenn mensch sich bewusst wird, dass die meisten Lehrer:innen sich die Bücher und Medien, aus denen sie sich die Stunden zusammenstellen, SELBST anschaffen müssen. Deshalb fordert sie:

  • digitale Inhalte und sichere digitale Tools
  • eine Neu- und Umverteilung der bisherigen Arbeitsprozesse, damit Pädagog:innen sich auch wirklich auf ihre pädagogische Arbeit konzentrieren können
  • Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte

Noch weitere Details und Hintergründe findet ihr im kompletten Kommentar hier bei Edition F. Absolute Leseempfehlung!

Das Thema Digitalisierung und Deutschland ist und bleibt kompliziert. In Weekly #49 habe ich über Dirk von Gehlens Kommentar geschrieben, der sagt: Deutschland hat die Digitalisierung unterdrückt. Im Podcast Dig Deep sprechen Wolf Lotter, Gründungsmitglied des Wirtschaftsmagazins Brand Eins, und Gunter Dueck, ehemaliger Top-Manager bei IBM, ob Deutschland digital anschlussfähig werden kann. Klickt mal rein in Folge 74: Wolf Lotter und Gunter Dueck – sind wir noch zu retten?

The rise of the Silver Surfer: So vernetzen sich die Älteren in Zeiten von ‚Rona

Ja, in meinem letzten Weekly lasse ich keinen Wortwitz aus, da müsst ihr und ich und wir alle jetzt durch. Die neuen Corona-Beschränkungen treffen uns alle, diejenigen, die sich bisher aber noch nicht in diesem Internetz so richtig zurecht gefunden haben, noch mehr. Das muss aber nicht sein, wie Serafin Dinges für Netzpolitik recherchiert hat.

Worum geht’s: Grundsätzlich um digitale Teilhabe. Immer mehr Senior:innen wollen ins Netz, wissen aber oft nicht, wie dieses Internet so funktioniert. Dabei sind Tools, wie Videokonferenzplattformen etc., gerade bei Kontaktbeschränkungen wichtig, um sich nicht einsam zu fühlen. Auftritt Verein Wege aus der Einsamkeit. Dessen Gründerin Dagmar Hirche will die Senior:innen ins Netz holen – mit viel Geduld und ihrem Projekt „Wir versilbern das Netz“, das Schulungen für alles von Smartphone bis Tablet anbietet.

Und das ist wichtig, denn: Wer nicht digital unterwegs ist, könnte bald den Anschluss verlieren. Aber die Zahlen zeigen, dass je älter der Mensch, desto weniger Zugang zum Internet, so eine Studie des Zentrums für Altersfragen. Eine große Rolle spielt dabei auch die Umgebung. In den wenigsten Pflegeeinrichtungen gibt’s WLAN, obwohl dies einfachen und Rona-sicheren Kontakt mit den Angehörigen bedeuten würde.

Statistik: Je älter, desto weniger Zugang zum Netz

Auch Dagmar Hirche setzt mit ihrem Verein aktuell auf Online-Angebote. Gar nicht so einfach, wenn schon die Basis für den Online-Austausch gewisse Grunderfahrung mit Videokonferenztools erfordert. Die Lösung: ein Lernvideo. Und jetzt wird eben digital Sitzyoga gemacht oder Lesungen gehalten. Ein weiterer Helfer für alles Digitale ist die Hotline Silberdraht, die Online-Inhalte per Telefon abrufbar macht, von Podcast bis Beethoven-Sonate, wie Serafin Dinges schreibt. Und manchmal wollen die Anrufer:innen einfach nur reden. „Sie sagen: ‚Hallo, ich hab jetzt gefrühstückt und jetzt noch das und das vor und ich wünsch dir einen schönen Tag.‘ Und dann zu Mittag nochmal das gleiche. Es ist dieses Alleinsein und in diesem Alleinsein vergewissern sie sich, dass jemand da ist, der bereit ist, ihnen zuzuhören“, so Gründerin Elke Schilling.

Aber was bedeutet Einsamkeit und wer fühlt sich wie einsam? Schwierige Frage, deren Antwort immer davon abhängt, wen man fragt. Belastbare Daten fehlten hier, so auch Experte Prof. Dr. Clemens Tesch-Römer, Leiter des Deutschen Zentrums für Altersfragen. Er betont auch: Älter werden bedeutet nicht einsam sein. Aber: „Laut dem Achten Altersbericht sind es immer noch fünf bis zehn Prozent der Befragten, die sich regelmäßig einsam fühlen“, schreibt Serafin Dinges. Dennoch müsse hier auch zwischen objektiver und subjektiver Einsamkeit unterschieden werden.

Digitaler Austausch gegen Einsamkeit

Was bleibt: tolle Initiativen, die bei gefühlter und objektiver Einsamkeit helfen. Weitere tolle Beispiele, wie etwa den Senioren Chaos Computer Club, findet ihr im ganzen Text hier.

Übrigens: Das Thema Digitale Teilhabe und Senior:innen bewegt auch weitere Medien. Die Süddeutsche etwa schreibt über die Einschätzung vieler Älterer, dass Digitalisierung auch Gefahren berge. Hier müsse stärker auf Bildungsangebote gesetzt werden, damit Senior:innen nicht den Anschluss verlieren. Den Beitrag mit Stimmen aus der Bayerischen Landesseniorenvertretung findet ihr hier.

Neuer Digitale Provinz-Podcast: Dagmar Hirche von Wege aus der Einsamkeit

Und wir bleiben bei Wege aus der Einsamkeit: Für die neue Folge des Digitale Provinz-Podcasts hat Moderatorin Anne Wihan mit Wege aus der Einsamkeit-Gründerin Dagmar Hirche gesprochen. Sie bezieht klar Position: „Digitale Teilhabe bedeutet für mich, dass jeder Mensch in Deutschland an der Digitalisierung teilnehmen kann und muss.“

Handreichung des Projekts Algorithmenethik: How to digitale Transformation

Wie kann eine Verwaltung digital werden? Diese Frage treibt nicht erst seit der Implementierung des Onlinezugangsgesetzes (OZG) die Kommunen bundesweit um. Das Problem: Viele wissen nicht, wo sie wie anfangen sollen. Dabei will nun das Projekt Algorithmenethik helfen – mit der Handreichung für die digitale Verwaltung.

Worum geht’s: Algorithmenbasierte Assistenzsysteme – uff – sollen Verwaltungen bei der digitalen Transformation helfen. Wie das geht? Das zeigen die 22 Schritte in der neuen Handreichung für die digitale Verwaltung. Darin beleuchten elf Rollenprofile und die drei Projektphasen Planung, Entwicklung und Einsatz, wie die digitale Transformation für unterschiedliche Akteur:innen gelingen kann. Dazu gibt’s Praxisbeispiele und Handlungsempfehlungen.

Konkret: 56 Seiten voll mit How-tos für die digitale Transformation, besonders spannend natürlich für diejenigen, deren Kolleg:innen bei Digitalisierung an PDFs denken. Der Download ist gratis, ein Tutorial gibt’s dazu auch noch. Frohe Weihnachten, sag ich mal!

Stadtflucht ist jetzt offiziell Lifestyle-Trend: Harper’s Bazaar über die Lust aufs Landleben

Wer hätte gedacht, dass wir im Weekly mal über ein Lifestyle-Magazin berichten. Aber ja, es ist soweit: Miriam Stein schreibt für Harper’s Bazaar über die neue Lust am Landleben in Zeiten von Corona. Besonders spannend ist hier der Blickwinkel eines grenzenlosen Landlebens ohne Zäune, angelehnt an den Architekten Frank Lloyd Wright.

Worum geht’s: Miriam Stein setzt den Stadtflucht-Trend in einen historischen Kontext. So hatte sich Architekt Frank Lloyd Wright für seinen Entwurf einer utopischen USA, Usonia, von Gartenstädten inspirieren lassen. Diese waren im 20. Jahrhundert oft genossenschaftlich organisiert und entstanden am Rande von Metropolen. Anders als heute galt in Lloyd Wrights Usonia: keine Zäune, sondern ein Miteinander.

Grüne Wohn-Utopie löst Stadt versus Land ab

Und dort sieht Miriam Stein auch den Unterschied zur Neo-Landlust. In Vorstädten stehe oft Zaun an Zaun, immer mehr erschlossenes Bauland bedeute auch weniger Grünfläche. Dann lieber Bestehendes ausbauen, betont auch Architekturtheoretiker, Journalist und Professor Niklas Maak im Text. Bei der Neuentdeckung des Landes helfe auch die Digitalisierung, was gleichzeitig auch Jobchancen eröffne. Für Miriam Stein geht es auch um die Auflösung des Gegensatzes Stadt versus Land. Wenn die Stadt grüner werde, bedeute Landleben dann vor allem unberührte Natur.

Ja, aber: Ein schöner Text, der Lust auf grüne Utopie macht, jedoch eher in theoretischen Gefilden wabert und wenig konkrete Handlungsmöglichkeiten aufweist. Aber das muss er vielleicht auch gar nicht. Schließlich sind Utopien auch dafür da: vom guten grünen Leben zu träumen. Aber lest selbst.

So, das war’s. Macht’s gut & bleibt gesund

Ein letzter, letzter Rausschmeißer von mir für euch. Die Gewinner:innen des Karikaturenwettbewerbs „Digitalisierung – (k)ein Problem?“ des Forums Seniorenarbeit NRW wurden ausgezeichnet.

Und was soll ich sagen: reinklicken lohnt sich, auch für Fans rabenschwarzen Humors. Ich wünsche euch genauso viel Spaß damit, wie ich es hatte.

So und nun: Danke für’s Lesen, habt’s gut und bleibt digital & gesund. <3